Rund 100 Beschäftigte legten am Mittwochmorgen die Arbeit nieder

Warnstreik der Gewerkschaft NGG im Waldkraiburger Schlachthof

Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
+
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April.

Am frühen Mittwochmorgen legten rund 100 Beschäftigte in Europas größtem Rinderschlachthof für drei Stunden die Arbeit nieder. „Vor allem die Beschäftigten aus der Zerlegung beteiligten sich an dem Streik“, erklärte Manuel Halbmeier von der Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten).

Waldkraiburg - Dass der Ausstand just dieses knappen Viertels der Belegschaft wenig erfreulich ist, da sie mit ihrer hochqualifizierten Tätigkeit einen Großteil der Wertschöpfung im Betrieb erbringen, bestätigte Matthias Strigl: „Früher wurde hier ja nur geschlachtet, jetzt wird direkt im Werk bereits filetiert und vakuumiert“, erklärt der seit gut einem Jahr im Amt befindliche Geschäftsführer. Die Gewerkschaft plante die Aktion als Warnung, da der Streik ziemlich pünktlich zum offiziellen Schichtbeginn um acht Uhr morgens endete.

Nachdem die Bundesregierung mit dem Arbeitsschutzkontrollgesetz die Zeitarbeit aus dem In- und Ausland aus der Fleischwirtschaft verbannt hat, sind seit Februar alle Arbeitnehmer formal direkt beim Vion-Konzern angestellt. Wie Muttersprachlerin Daniela Ana von der Aktion „Faire Mobilität“ des DGB erklärt, wurden die Verträge aber offenbar in vielen Fällen nicht individuell angepasst: „Was ich im Gespräch mit den Arbeitnehmern auch an anderen VION-Niederlassungen festgestellt habe, ist, dass viele eigentlich nur einen mündlichen Arbeitsvertrag haben“.

Keine neuen, individuellen Arbeitsverträge geschlossen

Personalleiter Christian Jung von der VION Waldkraiburg bestätigte auf Nachfrage, dass etwa 220 der früher bei rumänischen Subunternehmen angestellten Mitarbeiter bisher nur „nach §613 übernommen“ seien. Es wurden also keine neuen, individuellen Arbeitsverträge mit dem Personal geschlossen, sondern lediglich die früheren Werkverträge übernommen. Allerdings teilt die Unternehmeskommunikation von VION auf Nachfrage mit, dass bereits seit 2015 eine freiwillige Selbstverpflichtung besteht, „wonach alle in seinen Betrieben eingesetzten Mitarbeiter in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein mussten“.

Forderung der Gewerkschafter deutlich über gesetzlichem Mindestlohn

Die Forderung der Gewerkschafter ist jedoch, dass diese hochqualifizierten Arbeitskräfte deutlich mehr, als den in Deutschland geltenden, gesetzlichen Mindestlohn von 9,50 Euro erhalten sollen: bereits 12,50 Euro zum Einstieg, 14 Euro nach einer kurzen Einarbeitungsphase und 17 Euro nach dem Abschluss der Lehrzeit entspräche den Vorstellungen der Arbeitnehmervertretung. Bisher liegen die Löhne in Waldkraiburg aber weit darunter, wie beispielsweise Marinel Pipiligianu mangels deutscher Sprachkenntnisse im Interview auf Italienisch erklärt: „Ich bekomme zehn Euro in der Stunde“, behauptet der Mann, der vor fünf Jahren nach Waldkraiburg kam, und seitdem im Schlachthof arbeitet.

Für viele seiner Kolleginnen und Kollegen ist es noch schwieriger, sie sprechen meist nur rumänisch. Daher ist auch die Kundgebung zweisprachig organisiert und die Reden beispielsweise von DGB Bezirksgeschäftsführer Günter Zellner werden übersetzt. „Seit wir hier aufklären, haben wir insgesamt rund 70 Neumitglieder gewonnen“, freut sich NGG-Sprecher Manuel Halbmeier über den großen Zuspruch des Waldkraiburger Schlachthofpersonals in den letzten Wochen.

Fotos vom Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April

Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj
Warnstreik beim Rinderschlachthof Waldkraiburg am 14. April
Rund 100 Industriemetzger aus Europas größtem Schlachthof legten am Mittwochmorgen ab fünf Uhr drei Stunden lang die Arbeit nieder. © pbj

Ob die Maximalforderung der Gewerkschaften gegenüber dem VION-Mutterkonzern durchzusetzen ist, wagt Standort-Geschäftsführer Matthias Stigl zu bezweifeln. Zumal er im Gespräch betont, dass „die meisten der Arbeitnehmer, die da gerade protestieren, schon 20 Euro brutto verdienen“. Maschinengestützte Hilfstätigkeiten würden zugegebenermaßen jedoch weniger honoriert, als beispielsweise die Zerlegearbeit am Band, bei der man sich aus hygienischen Gründen auch oft nach vorne lehnen müsse „Das ist vielleicht nicht ganz so ergonomisch, wie ein Büroarbeitsplatz oder die Tätigkeit in der Produktionsstraße von BMW“, erklärt Matthias Strigl, der selbst alle Arbeitsschritte im Werk von der Pike her kennt. Die Pressestelle von VION erklärt zur Frage von Lohnerhöhungen, dass die Arbeitgeber der NGG nun angeboten hätten, in den nächsten zwei Jahren die Mindestlöhne um 25 Prozent zu erhöhen, was aus Sicht der Arbeitgeber besser bedacht ist, als die von der Gewerkschaft geforderte Erhöhung der Mindestlöhne um 46 Prozent innerhalb von neun Monaten.

Forderungen kommen in der Corona-Krise zu denkbar schlechtem Zeitpunkt

Generell treffen die Forderungen der Gewerkschaften VION Waldkraiburg in der Corona-Krise zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: der 2016 bis 2018 erweiterte Betrieb, in dem pro Woche bis zu 5000 Rinder geschlachtet werden könnten, wird wegen der mangelnden Nachfrage momentan nur zu maximal 80 Prozent ausgelastet: da besonders die teureren Fleischstücke hierzulande seltener im Supermarkt, sondern eher im Restaurant verspeist werden, „hat sich unser Absatz vor allem nach Frankreich und Spanien verlagert, wo das noch stärker nachgefragt wird“, so Strigl. Regional würde eher Hackfleisch abgesetzt, womit aber nur wenig Gewinn zu erzielen sei. Dieser Einschätzung setzte DGB-Bezirksgeschäftsführer Günter Zellner am Mittwoch in Waldkraiburg entgegen, dass „VION immer noch 47 Prozent Gewinn macht“.

Gegen Ende des Monats und Anfang Mai sind erneut deutschlandweite Tarifgespräche für die Branche angesetzt, bei denen es dann hoffentlich zu einer Einigung zwischen beiden Seiten kommen wird. Dieser Ansicht ist zumindest Manuel Halbmeier von der Gewerkschaft NGG: „Wir hoffen, dass es keiner weiteren Warnung bedarf!“, erklärte Manuel Halbmeier bei der Streikaktion in Waldkraiburg.

pbj

Kommentare