Warten auf die Öffnung

So geht es den Tieren im Wildpark Oberreith während des Lockdowns

Viele Tiere halten Ausschau nach den Menschen. Sehr aufgeschlossen zeigen sich die Alpakas.
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Viele Tiere halten Ausschau nach den Menschen. Sehr aufgeschlossen zeigen sich die Alpakas.

Kein Trubel, keine Menschen, nur Ruhe. Wie erlebt der Oberreither Wildpark die Corona-Zeit? Die Tiere sind neugierig und warten auf Besucher, die haben bekanntlich die Leckerlis. Betreiber Thomas Mittermair rechnet fest damit, bald wieder aufsperren zu dürfen.

Oberreith – Ungewohnt ist derzeit ein Spaziergang mit Geschäftsführer Thomas Mittermair durch den Park. Wo man sonst nicht lange an einem Gehege oder an einer Voliere steht, weil Besucher nachrücken, herrscht nun Gelassenheit. Kein weiterer Mensch ist in Sicht. Die Tiere sind neugieriger, kommen hervor und schauen. So „redet“ die Uhu-Dame, wann immer sie jemanden erblickt.

Die Alpakas traben heran und mustern neugierig, selbst der Fuchs verschwindet nicht, sondern beäugt die Zweibeiner zwar aus sicherer Entfernung. Die Ziegen drängt es auch nach draußen, sobald sich etwas rührt – vielleicht gibt’s ja doch ein Leckerli? Im Streichelzoo halten die Tiere Ausschau nach Menschen.

Zeit nutzen für Instandsetzung

Totenstill ist es trotzdem nicht, denn jetzt sei die Zeit, alles auf Vordermann zu bringen, berichtet der Geschäftsführer. Er rechnet fest mit dem absehbaren Öffnen des Parks. Ist das geschehen, sollten Bereiche aufgrund von Instandhaltungen nicht so bald wieder schließen müssen. So laufen jetzt Handwerker und Mitarbeiter durch die Anlagen, streichen etwa den neuen Bahnhof, bauen ein Heim für die Wollschweine oder erneuern den Hochseilgarten. Bei Letzterem sind weitere Parcours hinzugekommen. Nicht nur das Notwendige ist ersetzt worden, sondern auch das, was in absehbarer Zeit nach Austausch verlangt.

Das war es aber noch nicht mit den Auswirkungen dieser Krise. Thomas Mittermair ist Arbeit gewöhnt, sie bestimmte die letzten 20 Jahre sehr stark sein Leben, als es darum ging, den Wildpark aufzubauen. Sieben Tage die Woche war normal. Das hat sich im vorigen Jahr nun erstmals geändert. „Plötzlich war gar nichts mehr. Wir haben fünf Telefone, eines klingelte immer, jetzt ist Ruhe.“ Kein Wunder, denn Feiern sind auch nicht mehr möglich.

Nun entdeckte der Landwirtschaftsmeister Mittermair mit seiner Familie die Umgebung, sei es die Gemeinde oder „den Inn rauf und runter“; mit dem Elektrofahrrad macht das Spaß. Das geht plötzlich samstags, was schon eine Überraschung war, aber jetzt auch noch sonntags. Und es ist auch Zeit, die Kommunikation mit Mitarbeitern nicht nur auf das beruflich Notwendige zu beschränken, sondern auch etwas mehr von ihnen zu erfahren.

Kredit hilft über die Krise

Hat diese Krise nur Vorteile? Bestimmt nicht. Denn egal, worüber man spricht, sei es über die neue Indoorhalle mit Regionalladen und Produkten aus der Stiftung Attl und Gabersee oder über die neue Wärmepumpe, die zusammen mit der Fotovoltaikanlage dafür sorgt, dass sich der Wildpark selbst mit Energie versorgt – es dreht sich doch fast alles letztlich um Corona.

So auch die Frage, wie lange der Wildpark ohne Einnahmen durchhält? Immerhin sind viele Tiere zu versorgen, Gebäude zu unterhalten, Tierpfleger und Handwerker zu bezahlen und die Kosten für Instandsetzungen aufzubringen. „Wir müssen dazu Kredite aufnehmen, aber die müssen wir auch wieder zurückbezahlen“, fasst Thomas Mittermair zusammen. Er habe Glück, meint er, „denn wir verfügen über umfangreiche Sicherheiten in Form von Grund und Boden“.

„Kein Mitarbeiter wird ausgestellt“

Trotzdem schwingt immer die Frage mit, warum das Thema Corona zunehmend widersprüchlich wird, weshalb Menschen daheim eingesperrt werden, wenn sie sich in der Natur besser verteilen könnten. War der Beginn der Maßnahmen vor einem Jahr noch nachvollziehbar, gelingt das jetzt nicht mehr so leicht, sieht er immer öfter.

Chef Thomas Mittermair hält an seiner Zuversicht fest – noch. Unser Bild zeigt ihn am neu gebauten Indoor-Spielplatz.

Tragisch sei auch, dass andere Betriebe, vor allem Gastwirtschaften, auf der Strecke bleiben. Sei es eine Option für ihn zuzusperren? „Nein, das war nie ein Thema. Wir bauen doch nicht 20 Jahre was auf, und wenn’s dann läuft, machen wir in einer Krise gleich zu!“, zeigt sich Mittermair entschlossen. Auch wenn ihm manchmal nicht danach ist, sieht er es trotzdem als seine Aufgabe an, Zuversicht zu verbreiten.

Denn das sei er seinen 60 Mitarbeitern schuldig, sagt er. Die meisten bezögen derzeit Kurzarbeitergeld, niemand werde ausgestellt. „Warum auch? Wenn’s wieder los geht, brauchen wir jeden.“ Eine nette Geste war zu Beginn die sogenannte Soforthilfe, aber doch nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Ein Kredit sei ihm angeboten worden: „Ein Witz, mit dem doppelten Zinssatz der Hausbank.“ Das war es dann im Frühjahr mit der staatlichen Unterstützung.

Nach vorne blicken aufs Jubiläum

Jetzt konzentriert er sich mit seinen Mitarbeitern auf den Tag, an dem es weiter geht. Voriges Jahr lief es im Sommer ja auch wieder gut an. Die neue Indoorhalle mit einer Spielelandschaft auf drei Etagen habe man gar nicht richtig in Betrieb nehmen können, doch trotz allem: „Das vorige Jahr war gar nicht so schlecht.“

Er schätzt, dass sich die Einnahmen etwa um ein Drittel reduziert haben, mag aber sonst keine Zahlen nennen. Im Blick hat er das Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen im kommenden Jahr, da kann man sich einiges ausdenken. Thomas Mittermair schaut nach vorn.

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