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Kinderbetreuung in der Pandemie

Zwei Jahre Corona haben die Kinder verändert – Einblick in den Kita-Alltag Waldkraiburgs

Kindergarten (Symbol)
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Corona hat den Kita-Alltag verändert.

Ein Spagat: Viele Eltern haben Angst, dass sich ihr Kind in der Kita anstecken könnte, gleichzeitig sind berufstätige Eltern auf die Kita angewiesen.

Waldkraiburg – Keine offenen Gruppen, keine Elternabende vor Ort, Entwicklungsgespräche nur am Telefon, Holen und Bringen vor der Eingangstür und bei Auffälligkeiten müssen die Kinder getestet werden: Was bedeutet das für den Kita-Alltag?

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Rotznase, Schnupfen, Husten sind im Winter bei Kindern an der Tagesordnung – eigentlich ganz normal. Doch in Pandemiezeiten löst Halsweh schnell eine emotionale Achterbahn aus: „Viele Eltern haben Angst, dass sich ihr Kind in der Kita anstecken könnte, gleichzeitig sind berufstätige Eltern auf die Kita angewiesen“, beschreibt Ilse Bahner, Leiterin der Kindertagesstätte St. Christophorus, den emotionalen Spagat, den sie bei vielen Eltern sieht.

Nicht jede Rotznase gleich überbewerten

Die Erzieher reagieren sensibel auf Krankheitsanzeichen, versuchen aber, nicht übers Ziel hinauszuschießen. Nicht einfach, denn Kontaktreduzierung und Abschottung sorgten zwar dafür, dass sich Corona nicht ungehindert verbreiten kann, aber damit seien auch die Abwehrkräfte gesunken: „Vor der Pandemie waren Kinder und Personal durch Erkältungen abgehärtet. Mein Eindruck ist, dass wir jetzt empfindlicher und anfälliger sind“, so Bahner.

Auch die emotionalen Energiereserven sind bei vielen am Ende: „Die meisten Eltern haben für die Abläufe Verständnis, aber eben nicht alle.“ Bei den Erziehern sind es nicht die Maßnahmen selbst, die an den Nerven zerren. Hier profitiere man von den Erfahrungen der vergangenen eineinhalb Jahre. Was schwer zu verkraften sei, seien Anschuldigungen Einzelner. „Als wären wir für die Krise verantwortlich. Dabei versuchen wir doch nur, so gut es geht den Alltag aufrechtzuerhalten“, so Ilse Bahner.

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Das gilt auch für die Kindertagesstätte Käthe-Luther am Martin-Luther-Platz. Offene Gruppen, wie es das Kindergartenkonzept eigentlich vorsieht, gab es hier schon lange nicht mehr. „Wir haben diese Vorsichtsmaßnahme zu Beginn der Pandemie eingeführt und auch beibehalten, als die Inzidenz im Sommer unter 35 lag“, so Leiterin Cornelia Cordes-Jacobskötter. Zu groß sei die Gefahr, dass im Falle einer Corona-Infektion das Virus die Runde macht. „Tritt ein Fall auf, entscheidet das Gesundheitsamt, welche Kinder wie lange in Quarantäne müssen. Wir informieren die Eltern. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt läuft gut.“ Dreimal pro Woche testen sich geimpfte und genesene Mitarbeiter: „Da ziehen alle freiwillig mit, das ist toll“, sagt die Leiterin. Wer nicht geimpft ist, muss jeden Tag testen.

Anders ist es bei den Kindern. Schon seit September erhalten die Eltern Gutscheine für Selbsttests, die sie in der Apotheke einlösen können. Wie oft die Eltern ihre Kinder tatsächlich testen, lässt sich zwar nicht kontrollieren, aber das Angebot mit den Gutscheinen werde sehr gut angenommen. „Die erfreuliche Seite an der ganzen Situation ist, dass wir verständnisvolle Eltern haben.“ Schuldzuweisungen habe sie noch nicht erlebt. Das sei keine Selbstverständlichkeit.

Waren Kinder krankheitsbedingt daheim, verlangen die Erzieher einen Test und dokumentieren das Ergebnis. Ein Problem ist aktuell aber deren Verfügbarkeit. Die Antonius Apotheke in Waldkraiburg bestätigt, dass gerade die Lolli-Tests immer mal wieder vergriffen seien. Andere, verfügbare Tests lehnten manche Eltern ab.

Zwei Jahre Pandemie zeigen ihre Spuren

Seit Kurzem können auch Kitas Pooltest durchführen. Die katholische Kindertagesstätte Maria-Schutz lehnt das ab, nicht nur wegen des logistischen und personellen Aufwands, wie Cornelia Reichthalhammer, stellvertretende Leiterin, erklärt: „Das ist ein sehr sensibles Thema. Die Kinder, vor allem unsere Krippenkinder, sind dafür einfach zu jung.“ Die Erziehrinnen könnten den Kindern ja nicht einfach einen Lolli in den Mund stecken.

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Auch bei verhaltensauffälligen Kindern sei es sehr schwierig, ihnen die Prozedur zu vermitteln. Für das Testen seien die Eltern dann doch einfach die vorrangigen Bezugspersonen.

Vierjährige Kinder haben mittlerweile die Hälfte ihres Lebens in Pandemiezeiten verbracht: Was macht das mit den Kindern? Cornelia Reichthalhammers persönlicher Eindruck ist, dass sich das Verhalten verändert hat: „Manche Kinder suchen verstärkt den Kontakt, brauchen das Zusammensein, andere sind sehr stark auf ihre Eltern bezogen und wenig aufgeschlossen.

Kitas haben die Wahl: PCR-Pool-Tests oder Selbsttests durch die Eltern

Da für Kindertageseinrichtungen das freiwillige Testangebot um PCR-Pool-Testungen erweitert wurde, hatte das Landratsamt alle Kindertagesstätten angefragt, ob sie daran teilnehmen möchten. Jede Einrichtung kann sich entweder für Berechtigungsgutscheine oder für PCR-Pooltests entscheiden. Nur sieben Kindergärten im Landkreis wollten die Pooltestmethode zweimal pro Woche.

Die Berechtigungsgutscheine für Selbsttests bekommen Eltern in den Kitas, sie können kostenlos in Apotheken eingelöst werden – laut Landratsamt ein freiwilliges Testangebot. Kita-Träger sind verpflichtet, den von ihnen betreuten, nicht eingeschulten Kindern drei Tests pro Betreuungswoche anzubieten.

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