Nach der Bayern-Ei-Enthüllung

Das sollten Sie beim Eier-Kauf beachten

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Wer genau wissen will, welche Eier er kauft, sollte auf die Kennzeichnung achten
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Landkreis - Freiland- oder Bodenhaltung? Bio oder nicht? Wer genau wissen will, welche Eier er kauft, muss auf die Angaben auf dem Ei und der Schachtel achten.

Die Recherchen von Soko Tierschutz, der Süddeutschen Zeitung und dem Bayerischen Rundfunk haben es aufgedeckt: In Supermärkten in der Region gab es bis vor Kurzem Käfigeier zu kaufen, und zwar ausgerechnet von Bayern-Ei, einer Firma, die im Verdacht steht, im vergangenen Sommer für einen Salmonellenausbruch verantwortlich gewesen zu sein. Noch am Montag hatte Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf erklärt, in Bayern würden keine Käfigeier mehr im Supermarkt verkauft. Eine Aussage, die das Ministerium nach Bekanntwerden der Eierfunde in Supermärkten in der Region korrigieren musste.

Alle Eier im Supermarkt gekennzeichnet

Wer keine Eier aus Käfighaltung kaufen möchte, muss nicht darauf warten, dass solche Eier komplett aus dem Sortiment der Supermärkte verschwinden. Ein Blick auf die Kennzeichnung auf dem Ei reicht bereits aus. Die Kennzeichnung von Eiern ist EU-weit verbindlich geregelt. Lediglich der Erzeuger- und Direktvertrieb auf dem Hof oder an der Haustür ist davon ausgenommen. Die Eier müssen dann allerdings ausschließlich von diesem Erzeuger stammen und unverpackt und unsortiert sein. Verkauft ein Direktvermarkter auf einem öffentlichen Markt, müssen die Eier mit dem Erzeugercode gekennzeichnet sein.

Daran erkennt man ein Käfig-Ei:

Jedes Ei im Supermarkt ist mit einem Erzeugercode gekennzeichnet. Die erste Ziffer gibt dabei die Haltungsbedingungen der Legehennen an. Eine 3 steht für Käfighaltung, eine 2 für Bodenhaltung, eine 1 für Freilandhaltung und eine 0 für Biohaltung.

Das bedeutet Käfighaltung:

Es gibt unterschiedlichen Arten der Käfighaltung. Herkömmliche, nicht ausgestaltete Käfige mit mindestens 550 Quadratzentimetern Fläche pro Huhn sind in Deutschland nicht mehr zugelassen. Für ausgestaltete Käfige (mit mindestens 750 cm²) läuft eine Frist bis Ende 2020, außerdem ist die Kleingruppenhaltung (je nach Gewicht der Henne 800 bis 900 cm²) erlaubt. Beide erlaubten Haltungsarten werden der Käfighaltung zugeordnet - und von Tierschützern kritisiert. 

Bodenhaltung, Freilandhaltung, Bio-Eier:

Bei der Bodenhaltung (Ziffer 2) hat ein Huhn immerhin schon 1100 Quadratzentimeter Stallfläche. Bei der Freilandhaltung (Ziffer 1) ebenfalls, hinzu kommt dort aber noch eine Auslauffläche von vier Quadratmetern pro Huhn. Eine Biohenne hat ebenfalls eine Auslauffläche von vier Quadratmetern. Im Stall haben Biohühner aber mehr Platz: 1667 Quadratzentimeter. Außerdem unterliegt die Haltung von Biohühnern den Regeln der Ökologischen Landwirtschaft. Das bringt zum Beispiel Vorgaben beim Futter mit sich.

Ländercode und Bundesland:

Nach der Ziffer für die Haltung ist auf jedem Ei ein zweistelliger Ländercode aufgedruckt. DE steht für Deutschland, AT für Österreich. Einen Überblick über alle Ländercodes gibt es beispielsweise auf rund-ums-ei.at. Auf den Ländercode folgt in Deutschland eine zweistellige Zahl für das Bundesland. Bayern hat die Nummer 09. Die Nummern aller Bundesländer sind auf der Homepage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aufgelistet. Auf bayerischen Eiern ist außerdem aufgedruckt, aus welchem Regierungsbezirk das Ei stammt. Dies zeigt die Ziffer nach der Nummer für das Bundesland an. 1 steht für Oberbayern, 2 für Niederbayern. Ein Ei mit dem Code 0 DE 092 ... ist also ein Bio-Ei aus Niederbayern.

Betriebs- und Stallnummer:

Die letzten Ziffern des Codes stehen für die Registriernummer des Betriebs und die Stallnummer im jeweiligen Betrieb. Ein Ei mit dem Code 2 DE 09 1234 1 ist also ein Ei aus Bodenhaltung aus dem Betrieb mit der Registriernummer 1234 und dort wiederum aus Stall Nummer 1. Die erste 1 (hinter der 09) gibt außerdem an, dass sich der Betrieb in Oberbayern befindet.

Welcher Betrieb sich hinter der Betriebsnummer verbirgt, ist der Öffentlichkeit übrigens nicht bekannt. Die Nummer ist vielmehr, ähnlich wie das Kfz-Kennzeichen, eine Information für die zuständigen Behörden. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft empfiehlt interessierten Verbrauchern, direkt mit dem auf der Verpackung genannten Unternehmen Kontakt aufzunehmen, um dort zu erfragen, in welchen Betrieben die Eier erzeugt wurden.

Die Verpackung:

Auf der Verpackung stehen gelegentlich ganz andere Informationen als auf den Eiern. Grund dafür ist, dass auf der Verpackung die Packstellennummer abgedruckt ist. Wird das Ei nicht dort verpackt, wo es gelegt wurde, unterscheiden sich Erzeugercode und Packstellennummer mitunter deutlich. Teilweise werden Eier in den Niederlanden erzeugt und in Deutschland verpackt, weshalb sich dann sogar der Ländercode unterscheidet.

Gewichtsklassen:

Eier sind in vier Gewichtsklassen unterteilt. Eier mit der Bezeichnung S sind leichter als 53 Gramm, Eier der Klasse XL wiegen mindestens 73 Gramm. Eier der Klasse M wiegen 53 bis 62 Gramm, die Klasse L reicht von 63 bis 72 Gramm.

Das Futter:

Die Unternehmen dürfen (müssen aber nicht) darauf hinweisen, welches Futter die Hühner erhalten. Wird auf "Getreidefütterung" hingewiesen, müssen die Hühner mindestens 60 Prozent Getreide (gemessen am Gewicht des Futters, nicht am Volumen) zu fressen bekommen. Davon dürfen nur 15 Prozent aus Getreidenebenerzeugnissen bestehen. Ist eine spezielle Getreideart genannt (zum Beispiel Weizen), muss diese 30 Prozent des gesamten Futters ausmachen. Sind mehrere Getreidesorten genannt, müssen diese jeweils fünf Prozent des Futters ausmachen.

Eier in Lebensmitteln:

So gut sich die Verbraucher auch bei Eiern informierten können - so dürftig ist die Information mitunter bei Fertiglebensmitteln, in denen Eier stecken. Noch werden Lebensmittel, für deren Herstellung Käfigeier verwendet wurden, nicht gesondert gekennzeichnet.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat bei Unternehmen nachgefragt, welche Eier diese für ihre Produkte verwenden. Die Auswertung der Verbraucherzentrale finden Sie hier. Immerhin 53 Prozent der Hersteller gaben an, nur Eier und Eiprodukte aus Boden- oder Freilandhaltung einzusetzen. 28 Prozent der kontaktierten Unternehmen verweigerten allerdings die Auskunft, zehn Prozent gaben an, teilweise Eier aus Kleingruppenkäfigen zu verwenden.

Der Verbraucher bekommt auf der Verpackung oft keine ausreichende Information: Etwa zwei Drittel der Hersteller, die der Verbraucherzentrale geantwortet haben, informieren auf der Verpackung nicht über die Haltungsform der Legehennen. Bei einer Stichprobe von 243 Produkten fand die Verbraucherzentrale sogar bei mehr als 70 Prozent der Produkte keine Informationen zu den Haltungsbedingungen.

Quellen: Verbraucherzentrale Bayern, Verbraucherzentrale Hamburg, Bayerisches Verbraucherschutzministerium, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Quelle: innsalzach24.de

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