Bundesamt für Strahlenschutz zu gesundheitlichen Risiken und Schutzkleidung 

Unsichtbare Strahlen-Gefahr 5G - ist sie wirklich so gravierend? 

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5G - Welche Risiken birgt der neue Mobilfunkriese? 
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Region - Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche, Embryonenschädigungen und steigende Krebsgefahr:  Die Liste der Leiden und Auswirkungen,  angeblich vom Elektrosmog ausgelöst, wächst - zumal die neue Mobilfunkgeneration 5G auf dem Vormarsch ist. Was dran ist an den Gerüchten und können sich Menschen tatsächlich mit Schutzkleidung abschirmen?

Die neue Mobilfunkgeneration 5G spaltet die Gemüter: Auf der einen Seite stehen die großen wirtschaftlichen Interessen, auf der anderen sind die gesundheitlichen Auswirkungen undurchsichtig. 

Anja Lutz, Pressesprecherin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), erklärt, nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand würden die aktuellen Grenzwerte ausreichen, um vor nachgewiesenen Gesundheitsrisiken zu schützen. Allerdings würden nach wie vor Unsicherheiten bestehen, die durch das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm (DMF) nicht vollständig beseitigt werden könnten. Diese betreffen mögliche gesundheitliche Risiken einer langfristigen Belastung mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern durch Telefonate mit dem Handy bei Erwachsenen sowie die Frage, ob sich die Nutzung von Mobiltelefonen durch Kinder gesundheitlich auswirken könnte. Dass Kinder sensibler reagieren könnten, sei nicht ausgeschlossen. 

Außerdem sollen in einem späteren Ausbauschritt von 5G Frequenzen eingesetzt werden, die bisher noch nicht für Funkanwendungen genutzt werden. Für diesen Bereich gebe es bislang nur wenige Untersuchungsergebnisse, weswegen das BfS hier weiter Forschungsbedarf sehe und einen vorbeugenden Gesundheitsschutz für erforderlich erachte.

Gesundheitliche Beschwerden auf Mobilfunkstrahlung zurückzuführen? 

Für die bisher genutzte Mobilfunktechnik hat das BfS im Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm (DMF) untersuchen lassen, ob sich gesundheitliche Beschwerden auf elektromagnetische Felder des Mobilfunks zurückführen lassen. 

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In mehreren wissenschaftlichen Studien sei laut Lutz das Phänomen "Elektrosensibilität" untersucht worden. Etwa ein Prozent aller Deutschen bezeichne sich selbst als elektrosensibel - sie würden unterschiedliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen auf elektromagnetische Felder in ihrer Umwelt zurückführen - gerade seit dem Ausbau des Mobilfunks. 

Es sei im Rahmen der Studien allerdings nicht gelungen, einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und den gesundheitlichen Beeinträchtigungen wissenschaftlich fundiert nachzuweisen. Demgegenüber könne auch allein das Wissen um das Vorhandensein von Feldern in Kombination mit der Sorge über gesundheitliche Auswirkungen dieser Felder schon Beschwerden verursachen.

Das Fazit der zahlreichen und auch international durchgeführten Studien: Ein Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und den Beschwerden elektrosensibler Personen kann mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Dieses Ergebnis lasse sich Lutz zufolge auch auf die jetzt versteigerten 5G-Frequenzen übertragen.

Veränderungen durch die Umstellung von LTE auf 5G? 

Wie und ob sich die Belastung der Menschen durch die neue Mobilfunkgeneration 5G verändern wird, hänge vom tatsächlichen Ausbau der Netze durch die Betreiber und der eingesetzten Antennentechnik ab. Für 5G werde man zwar mehr Sendemasten brauche, dafür sei ihre Sendeleistung geringer. 

Der Rosenheimer Antennenhersteller Kathrein sieht viele Vorteile in 5G und hat erste Tests mit 5G bereits getestet. 

Gibt es Strahlungen nicht schon seit der Erfindung der Mikrowelle? 

"Elektromagnetische Felder werden in der Tat schon lange zur Übertragung von Informationen genutzt - darunter zählen Radio-und Fersehübertragungen und in jüngerer Vergangenheit auch 3G, 4G und LTE", erklärt Lutz. Die Grenzwerte in all diesen Bereichen würden nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand vor nachgewiesenen Gesundheitsrisiken schützen

Bei Mikrowellengeräten werden elektromagnetische Felder gezielt eingesetzt, um Speisen zu erwärmen. Hier sei für den Gesundheitsschutz des Menschen entscheidend, dass die Grenzwerte an der Geräteoberfläche eingehalten werden.

Geld verdienen mit der Angst vor Elektrosmog 

"Wir schützen Menschen vor Elektrosmog und Mobikfunkstrahlung und erhalten Gesundheit und blühendes Leben." Mit diesem Slogan wirbt derOnline-Shop "esmog" seit 2015 für einen wirksamen Schutz vor Strahlung. 

Inhaber Paul Burmann ist überzeugt, dass man sich selbst im Inneren des Hauses gut schützen könne und mithilfe spezieller Kleidung zumindest einen Teilschutz habe. Neben Textilien und Stoffen bietet der Shop auch Abschirmkleidung für unterwegs, auf Reisen oder am Arbeitsplatz an. "Die Resonanz auf unsere Produkte ist sehr positiv und die Nachfrage steigt", betont Burmann. 

Die Produkte hingegen sind keine Schnäppchen: Ein kurzärmeliges Damen-Shirt kostet 55,99 Euro, der abschirmende Hoodie liegt gar bei 246, 99 Euro. Die klassische "WLAN-Mütze" schützt den Kopf beispielsweise während der Arbeit am Computer und kostet 32,99 Euro. Sie kann flexibel auch als Nase-, Mund- oder Halsschutz verwendet werden. 

Burmann räumt im Gespräch mit der Redaktion jedoch ein, dass die Schutzkleidung nicht vollständig abschirme, für elektrosenisble Menschen, die unter Symptomen wie Konzentrationsschwierigkeiten und Müdigkeit, vermehrten Kopfschmerzen oder Herz-Rhythmus-Störungen leiden, jedoch eine deutliche Erleichterung bringen könne. 

Die Sensibilität sei dabei individuell verschieden, nicht jeder sei so anfällig wie Extrembeispiel Ulrich Weiner, der abgeschirmt in einem Wohnwagen in den wenigen noch vorhandenen Funklöchern Deutschlands lebt

Wie funktioniert Strahlenschutzkleidung? 

Die Abschirmkleidung, die Paul Burmann verkauft besteht aus einem Silber-Baumwoll-Geflecht, in das Silberfäden eingewebt sind: "Das Ganze wirkt wie ein Netz, das elektromagnetische Felder zurückwirft. Je höher Zahl der Schirmdämpfung (DB) ist, desto höher ist die Schirmleistung des Textils." 

Dass einige vielleicht skeptisch sind bezüglich der Wirksamkeit der Schutzkleidung kann Burmann nachvollziehen: "Gesundheitliche Einschränkungen durch Strahlung lassen sich noch nicht medizinisch beweisen. In der Regel diagnostizieren Allgemeinmediziner noch nicht in diese Richtung, es fehlt oft die richtige Analyse-Methode. Viele Patienten ziehen außerdem gar nicht in Erwägung, dass die Symptome auf Strahlenbelastung zurückführen werden könnte. Bei Kindern kann Mobilfunkstrahlung sogar das 'Zappelphilipp-Syndrom' ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) auslösen." 

Berichten seiner Kunden zufolge habe beispielsweise ein Spaziergang von 20 Minuten auf der Straße ohne Abschirmkleidung bereits zu einer Verschlechterung des Zustands geführt. 

Die größte Strahlenbelastung aber, so betont Burmann, finde sich in den Häusern selbst durch WLAN und Smartphones. "Noch gibt es keine verlässlichen Studien zu den gesundheitlichen Risiken von 5G. Doch seit der Strahlenopfer aus den Radaranlagen in den 1930er-Jahren sollte man nicht allzu leichtsinnig sein."

Können 5G-Strahlungen wirklich mit radioaktiver Strahlung verglichen werden? 

Anja Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz hält nicht viel von dem Vergleich: "Radioaktive Strahlung kann direkt das menschliche Erbgut schädigen und dadurch das Krebsrisiko erhöhen. Man geht davon aus, dass das selbst für kleinste Strahlungsmengen gilt. Die hochfrequenten Felder des Mobilfunks können dies nicht. Ihre potenziell schädigende Wirkung liegt darin begründet, dass sie das menschliche Gewebe erwärmen können. Die Grenzwerte sind so ausgelegt, dass sie diese Erwärmung auf ein unschädliches Maß begrenzen. Werden die Grenzwerte überschritten, kann das Gewebe punktuell geschädigt oder der Wärmehaushalt des Körpers überfordert werden." 

Die Einschätzung des Bundesamt zu Abschirmkleidung: 

Unterhalb der Grenzwerte seien keine Schädigung der Gesundheit zu erwarten. Daher sei laut Lutz auch keine Schutzbekleidung erforderlich

Belastungen durch elektromagnetische Felder des Mobilfunks vorsorglich verringern sei bereits mit einfachen und wirksamen Maßnahmen machbar. Hinweise und Tipps, die sich vor allem auf den Gebrauch des eigenen Handys als eine der größten Belastungen im Alltag beziehen, hat das Bundesamt für Strahlenschutz auf seiner Homepage bereitgestellt. 

mb

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