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Er war erst 15 Jahre alt

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Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Seit 20 Jahren für die Kameraden im Einsatz - Jubiläum des Helfer-Interventions-Teams

Seit nunmehr 20 Jahren besteht das Helfer-Interventions-Team (HIT) des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein und steht Kameraden bei psychisch belastenden Einsätzen zur Seite.

Die Pressemeldung des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein im Wortlaut

Traunstein - Sepp Grundl ist Feuerwehrmann, seit mehr als 40 Jahren ehrenamtlich aktiv, bei der Freiwilligen Feuerwehr Trostberg. Unzählige Einsätze hat er mitgemacht, hat zusammen mit seinen Kameraden kleine wie große Brände gelöscht, bei Verkehrsunfällen schwerverletzte Fahrzeuginsassen aus Wracks gerettet, aber auch geholfen Katzen aus Baumkronen zu retten oder Ölspuren auf Fahrbahnen zu beseitigen.

Sepp lässt aber auch alles Liegen und Stehen, wenn sein Funkmeldeempfänger Alarm schlägt und die Durchsage „Einsatz für das HIT-Team“ zu hören ist. Der erfahrene Feuerwehrmann engagiert sich im „Helfer-Interventions-Team“. Er rückt aus, wenn Kameraden bei oder nach einem Einsatz „gestresst“, wenn sie psychisch belastet sind und sie im Einsatz Erlebtes - Gefühle und Gedanken - durcheinanderwirft.

In diesen Tagen besteht das Helfer-Interventions-Team des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein seit 20 Jahren. Die kameradschaftliche Hilfe nach belastenden Einsätzen wurde im Landkreis im Februar 2001 ins Leben gerufen, um Feuerwehrdienstleistenden nach außergewöhnlichen Belastungen im Einsatzgeschehen Beistand zu leisten und in psychischen Bedrängnissen nicht allein zu lassen. 

Feuerwehrleute sind keine Maschinen, die nach jedem Einsatz ungerührt wieder zur Tagesordnung übergehen. Trotz bester Ausbildung und hoher Professionalität – jede Feuerwehrfrau und jeder Feuerwehrmann ist Mensch, mit Empathie, Gefühlen und Mitleid für Andere, macht sich Sorgen und fragt sich, ob alles richtig gemacht und alles getan wurde, was möglich war“, betont Holger Hübner, Kreisfeuerwehrarzt und Leiter des Helfer-Interventions-Teams.

„Solche Gedanken kennt jeder Feuerwehr-Aktive. Sie können zur Belastung für die Seele werden. Belastungsreaktionen und Stress sind natürliche Reaktionen auf außergewöhnliche Ereignisse“, erklärt Hübner. Ehrenamtliche Einsatzkräfte der Feuerwehr sollen mit möglichen oder offensichtlichen Belastungen der Seele jedoch nicht allein gelassen werden.

Das wurde im Kreisfeuerwehrverband Traunstein schon vor mehr als zwei Jahrzehnten erkannt. Eine Gruppe aus rund zehn Aktiven machte sich die „Stressbewältigung nach belastenden Einsätzen“ zur Aufgabe. Auch sahen es die Initiatoren des HIT und die damaligen Verantwortlichen im Kreisfeuerwehrverband als ihre Pflicht an, für die aktiven und ausnahmslos ehrenamtlichen Feuerwehr-Dienstleistenden bei und nach belastenden Einsatzsituationen fürsorglich da zu sein, zuzuhören und Angebote zur Unterstützung zu bieten.

Die Helfergruppe gab sich den Namen „HIT“ für „Helfer-Interventions-Team“, womit dargestellt wurde, dass es um den kameradschaftlichen Beistand für Feuerwehrmänner und -frauen geht. Auch wollte man schon durch die Namensgebung eine Abgrenzung zur Krisenintervention im Rettungsdienst (KIT) deutlich machen, das Angehörige, Augenzeugen oder Hinterbliebene nach traumatischen Ereignissen betreut und begleitet. Die Krisenintervention im Rettungsdienst wird im Landkreis Traunstein von Malteser Hilfsdienst in Kooperation mit dem Bayerischen Roten Kreuz geleistet.

Außergewöhnlichen Ereignisse, die zu einer Belastung der Psyche führen können, gibt es im Einsatzgeschehen viele“, wie Hübner betont. „Besonderes, wenn ein Feuerwehrkamerad oder -kameradin, aus der eigenen Wehr, schwer verletzt oder getötet wird, oder wenn Angehörige, Freunde oder Bekannte, zum Beispiel bei einem schweren Verkehrsunfall im Fahrzeug eingeklemmt sind, zu befreien und zu retten sind.“

Stress und traumatische Belastung könne auch auslösen, wenn Kinder schwer verletzt werden oder ums Leben kommen, wenn jede Hilfe zu spät kommt oder Rettung nicht mehr möglich ist. Angefordert werden können die Mitarbeiter des HIT nur von Feuerwehr-Führungskräften, zum Beispiel Kommandanten oder Einsatzleitern, wenn sie an ihren Aktiven Belastungen erkennen oder befürchten.

Nach Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle Traunstein rücken die HIT-Helfer zum Einsatzort oder einer Nachbesprechung nach Ende des Einsatzes an. Alle Mitglieder des HIT haben eine spezielle Zusatzausbildung zum sogenannten „Peer“ an der Staatlichen Feuerwehrschule in Geretsried absolviert. Peers sind Angehörige von Freiwilligen Feuerwehren, die im Bereich der psychosozialen Notfallversorgung, als Ansprechpartner und Betreuer von Einsatzkräften der Feuerwehr fungieren.

Kreisfeuerwehrarzt Hübner betont, dass Peers aber keine Psychologen und Seelsorger sind, und auch keine therapeutischen Maßnahmen durchführen. „Wir sind Einsatzkräfte, die selbst schon belastende Situationen erlebt haben, ihren Kameraden auf Augenhöhe begegnen und Zeit geben, zum Zuhören und zum Gespräch,“ so Hübner.  

Die Mitglieder des HIT stehen aber nicht nur zur Seite, wenn einer der 4700 Feuerwehr-Dienstleistenden im Landkreis nach einem Einsatz akut betroffen und belastet ist, sondern leisten umfangreiche Präventionsarbeit. Schon bei der Ausbildung junger Floriansjünger wird auf mögliche außergewöhnliche Belastungen hingewiesen und es werden Ratschläge gegeben, wie Stress im Einsatzdienst begegnet und was konkret zur Verarbeitung getan werden kann. Und vor allem soll schon den jungen Nachwuchskräften vermittelt werden, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn die Hilfe durch die Kameraden des HIT in Anspruch genommen wird.  

Finanziert wird das Team von den Städten und Gemeinden über den Beitrag beim Kreisfeuerwehrverband. Für die Zukunft wünscht sich Kreisbrandrat Christof Grundner, dass auch der Landkreis Traunstein finanzielle Unterstützung leistet und Kosten für die Ausbildung und Ausrüstung dieser überörtlichen Einheit mitträgt.

Zum 20. Geburtstag des Helfer-Interventions-Teams gratuliert Kreisbrandrat Grundner den derzeit 15 Mitgliedern, darunter drei Frauen und ein Seelsorger, sehr herzlich. „Für mich ist das HIT eine ganz besondere Organisation innerhalb der Feuerwehrfamilie, die im Hintergrund, ohne den Fokus der Öffentlichkeit, wertvolle Arbeit leisten.“

Grundner lobt die Teammitglieder für deren engagierten Dienst und die stete Bereitschaft ihren Kameraden in psychischer Bedrängnis Beistand zu leisten. „Den Frauen und Männer des Teams gebührt großer Dank und Anerkennung, weil sie sich über den normalen Einsatzdienst hinaus um den Menschen im Feuerwehrdienst kümmern.“

Pressemeldung des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa

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