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Arzt aus Klinik in der Region klärt auf

Mythen und Fakten zu Totimpfstoffen: „Das Warten darauf kann leicht tödlich enden!“

Prof. Thomas Glück Chef-Virologe Kreisklinik Trostberg
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Prof. Thomas Glück, Chef-Virologe der Kreisklinik Trostberg.

Trostberg/Landkreis – Von vielen Menschen, die sich bislang nicht gegen Corona haben impfen lassen, hört man, dass sie sich nicht mit den vorhandenen mRNA-Impfstoffen „pieksen“ lassen wollen – und stattdessen auf den sogenannten „Totimpfstoff“ warten wollen. Doch was hat es damit eigentlich auf sich?

Viele dieser Menschen haben bisher offenbar mit der Impfung gezögert, weil sie den sehr gut wirksamen, aber neuartigen mRNA- und Vektorimpfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca oder Johnson & Johnson in gewisser Weise misstrauen. Sie warten lieber auf herkömmliche Impfstoffe mit abgetöteten Viren (Totimpfstoff), wie sie zum Schutz vor Tetanus oder Keuchhusten eingesetzt werden. In einer Forsa-Umfrage hatten vor kurzem 74 Prozent der noch nicht geimpften Deutschen Zweifel geäußert, dass die verfügbaren Impfstoffe ausreichend erprobt sind.

Zwei der sogenannten Totimpfstoffe könnten übrigens tatsächlich in den nächsten Monaten in Europa zugelassen werden - und zwar einer der französischen Firma Valneva und ein Protein-Impfstoff des US-Unternehmens Novavax. Beide Vakzine funktionieren ohne das Spritzen von Erbmaterial. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat inzwischen mit entsprechenden Zulassungsprüfungen begonnen.

Doch was hat es mit der gesamten Thematik auf sich? Gibt es Mythen und/oder belegbare Fakten? rosenheim24.de hat mit Prof. Thomas Glück, dem Chef-Virologen der Kreisklinik Trostberg, darüber gesprochen.

Prof. Glück, warum warten so viele Menschen auf den Totimpfstoff?

Prof. Thomas Glück: „Keine Ahnung wieso, das ist völlig irrational. Das hat vielleicht mit dem von irgendwelchen Gruppen mit welcher Absicht auch immer „eingeimpften“ Misstrauen gegen die mRNA-Impfstoffe zu tun. Auch den Begriff „Totimpfstoff“ mag ich nicht. Er hat sich leider von Leuten, die davon nichts verstehen, eingebürgert als Synonym für vermeintlich „bessere“ oder vermeintlich „sicherere“ Impfstoffe, die nach traditionellen Verfahren hergestellt werden. Wohlgemerkt, auch mRNA-Impfstoffe sind Totimpfstoffe, keine abgeschwächten Viren. Aber bleiben wir mal bei diesem unglücklichen Begriff, weil jeder weiß, was damit gemeint ist. Dabei ist es so, dass die Totimpfstoffe, wenn sie denn überhaupt irgendwann auf den Markt kommen, zum einen viel zu spät kommen: Wir müssten jetzt impfen! Und zum anderen ist es so, dass in den Totimpfstoffen etliche Komponenten enthalten sind, sogenannte Wirkverstärker, deren Auswirkung auf den Körper noch viel weniger bekannt ist als die von mRNA-Impfstoffen, mit denen wir mittlerweile sehr viel Erfahrung haben.“

Was ist an dem Totimpftstoff anders, besser und/oder schlechter?

Glück: „Anders ist, dass in Totimpfstoffen entweder künstlich (gentechnisch) hergestellte Bruchstücke des Virus enthalten sind oder komplette Viren, in Zellkulturen hergestellt und dann inaktiviert. Besser ist daran nichts. Es ist halt ein anderes Prinzip, das so in anderen Impfstoffen auch eingesetzt wird. Wir haben, speziell bei Covid, dagegen weniger Erfahrung damit, insbesondere mit der längerfristigen Wirkung - und auch nicht mit den Wirkverstärkern, die diese Impfstoffe alle benötigen, die in zumindest einem der Impfstoffe zuvor noch nie zuvor am Menschen eingesetzt wurden. Schlechter ist insbesondere, dass einen Totimpfstoff herzustellen viel aufwändiger ist als einen mRNA-Impfstoff (...).“

Wie wirkt er im Unterschied zu den mRNA Impfstoffen?

Glück: „Das Immunsystem reagiert auf alle fremden, zum Beispiel Virus-Eiweiße mehr oder weniger gleich, egal ob sie mit Wirkverstärker im Sinn von herkömmlichen Impfstoffen dem Körper als Totimpfstoff injiziert werden oder als mRNA – das heißt, als „Bauplan“ für das entsprechende Virus-Eiweiß, das dann vom Körper mit seinen eigenen Mechanismen hoch rein als Impfstoff „intern“ hergestellt wird.“

Sind diese Totimpfstoffe überhaupt schon ausreichend getestet?

Glück: „Ganz klar: Nein (zumindest nicht in dem Ausmaß wie mRNA-Impfstoffe)! Wir haben mittlerweile mehr als sieben Milliarden Impfdosen der mRNA-Impfstoffe und Vektor-Impfstoffe weltweit verimpft und insbesondere bei den mRNA-Impfstoffen keine Nebenwirkungen mit bleibenden Schäden festgestellt. Die ungeimpften Patienten mit Covid landen bei uns auf den Intensivstationen, nicht die geimpften Patienten wegen Impfnebenwirkungen, so ist das!“

Können diese andere Nebenwirkungen haben als die mRNA?

Glück: „Die bisherigen Erkenntnisse lauten dahingehend, dass ziemlich dieselben Nebenwirkungen in gleicher Häufigkeit wie bei den mRNA-Impfstoffen auftreten, keinesfalls weniger.“

Lest dazu auch: Traunsteins Gesundheitsamtleiter Dr. Krämer im Interview zu Totimpfstoffen

Verbleibt der Totimpfstoff länger im Körper als mRNA, so dass man sich nicht alle sechs Monate impfen lassen muss?

Glück: „Im Körper bleibt der Totimpfstoff auch nur kurz. Ob er länger schützt, ist noch nicht bekannt. Bekannt ist, dass die Immunantwort auf Totimpfstoffe messtechnisch eher schlechter ist (nach den bisherigen, vorläufigen Erkenntnissen) und damit möglicherweise langfristig nicht so gut schützen könnte. Einige der bisher eingesetzten Totimpfstoffe, zum Beispiel der chinesische, schützen nachgewiesenermaßen eher schlecht und sind daher in Deutschland nicht zugelassen. Die Zulassung eines Totimpfstoffes in Deutschland wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen – und dann ist noch lange nicht gesagt, ob er auch gleich verfügbar sein wird. Das Warten auf einen Totimpfstoff kann daher leicht tödlich enden, wenn man sich während der Wartezeit mit Covid infiziert – was wegen der hohen Infektiosität ziemlich wahrscheinlich ist! Besser gleich mit einem der gut verträglichen, erprobten, sicheren und gut wirksamen mRNA-Impfstoffe impfen lassen, dann ist man vor schwerem Verlauf schon letztlich mit der zweiten Impfung geschützt.“

mw

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