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Leiter der Traunsteiner Stadtwerke im Interview

Höhere Preise? Frieren? Das passiert in Traunstein, wenn Russland kein Gas mehr liefert

Viele Menschen in der Region bangen um höhere Preise und die Verfügbarkeit von Gas.
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Viele Menschen in der Region bangen um höhere Preise und die Verfügbarkeit von Gas. Der Leiter der Traunsteiner Stadtwerke spricht über die Notfallszenarien.

Traunstein – Am Dienstag hat Russland entschieden, Bulgarien und Polen kein Gas mehr zu liefern. Die OVB-Heimatzeitungen haben mit Stefan Will, einem der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Traunstein, über die Lage und Notfallszenarien gesprochen.

Herr Will, viele Menschen sorgen sich um die Gasversorgung angesichts des Ukrainekriegs. Wie wirkt sich das bei den Stadtwerken Traunstein aus?

Stefan Will: Wir bekommen Anfragen von Kunden, aber nur vereinzelt. Einige Kunden sind verunsichert und wollen wissen, ob die Preise steigen und ob die Versorgung gesichert ist. Diese Fragen stellen sich ja im Moment sehr viele Menschen.

Können Sie den Leuten eine Antwort geben? Die Situation ist ja sehr unübersichtlich.

Will: Wir haben eine gemeinsame Einkaufsgesellschaft mit 35 anderen Stadtwerken, die eine langfristige Beschaffungsstrategie bei Strom und Gas verfolgen. Für die kommenden zwei Jahre haben wir auch schon einen sehr großen Teil zu Preisen eingekauft, die niedriger liegen, als der aktuelle Tagespreis. Dennoch werden wir um Preisanpassungen zum Jahreswechsel nicht herumkommen. Dies unter der Voraussetzung, dass der Gas- und Strommarkt funktioniert. Anders würde es aussehen, wenn physische Lieferungen ausfallen, also wenn kein Gas mehr ankommt.

Woher kommt denn das Gas, das die Stadtwerke Traunstein einkaufen?

Will: Unsere Einkaufsgesellschaft arbeitet nur mit deutschen Händlern zusammen. Es sind aber weitere Zwischenhändler beteiligt. Rund 50 Prozent des Gases, das wir in Deutschland nutzen, kommt aus Russland. In Bayern ist der Anteil sogar noch höher.

Ab wann wird es für die Traunsteiner Kunden teurer?

Will: Zum Jahreswechsel wird es aller Wahrscheinlichkeit nach eine Preiserhöhung geben. Wie hoch diese sein wird, kann ich aber noch nicht beurteilen. Die Lage ist ja sehr dynamisch. Wir kaufen immer Tranchen füf einen bestimmten Zeitraum ein. Wenn sich der Markt insgesamt verändert und teurer wird, dann wirkt sich das trotz langfristiger Strategie mit einer Zeitverzögerung auch bei uns aus.

Wie viele Kunden für Gas haben die Stadtwerke in Traunstein?

Will: In Traunstein werden rund 4000 Kunden mit Gas versorgt, der Großteil von den Stadtwerken.

Sie sind fast 30 Jahre in der Branche – wie erleben Sie die Situation?

Will: Eine Situation wie momentan hat es noch nicht gegeben. Die Energiebranche bereitet sich intensiv auf die Herausforderungen vor. Aber es fehlen schlicht die Erfahrungen. Sogar während des Kalten Krieges hat Russland immer zuverlässig Gas geliefert. Sollte das nicht mehr der Fall sein, greift ein Notfallplan der Bundesnetzagentur. Geschützte Kunden wie Haushalt und besondere Infrastruktur wie beispielsweise Kliniken werden weiter versorgt, während Industriebetriebe abgeschaltet werden können. Die Folgen wären weitreichend und würden weit über die unmittelbar betroffenen Betriebe hinausgehen.

War denn für die Stadtwerke in den vergangenen Jahren die Energiewende schon spürbar?

Will: Wir haben regelmäßig neue Hausanschlüsse für Gas gebaut, etwa für Kunden, die vorher eine alte Ölheizung hatten. Man merkte in den letzten Wochen, dass die Leute sich mehr damit auseinandersetzen. Regenerative Heizsysteme werden in Zukunft deutlich zunehmen. Ob das nun Wärmepumpen sind oder Wärmenetze mit einer zentralen Versorgung. Deren Anteil wird wachsen, aufgrund der aktuellen Situation und aus Gründen des Klimaschutzes.

Wie wirkt sich das auf die Strategie der Stadtwerke aus?

Will: Wir arbeiten gerade daran. Die Stadt hat ja im vergangenen Jahr das Klimaschutzkonzept erstellt und die Themen sind trotz des durchgefallenen Bürgerentscheids nicht vom Tisch. Wir untersuchen, wie wir von fossilen Energieträgern wegkommen.

Wird auf die Gaskrise die Stromkrise kommen?

Will: Das ist ja eng verzahnt. Ein Teil des Stroms kommt aus Gaskraftwerken. Hinzu kommt, wenn die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden, braucht man Regel- und Ausgleichsenergie, um die Versorgung zu sichern. Denn Windkraft und Sonnenenergie funktionieren ja nur dann, wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Kernkraft und Kohlekraft sind weggefallen, insofern gibt es nur wenige Alternativen. Hinzu kommt: Je mehr mit Strom geheizt wird oder beispielsweise Elektroautos betrieben werden, desto mehr wirkt es sich auf das Netz aus. Hier muss auch was getan werden.

Wie viele Kunden beziehen schon jetzt Ökostrom?

Will: Wir bieten seit gut zehn Jahren für die Haushaltskunden nur Wasserkraftstrom an.

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