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Die Insulaner helfen sich selbst

Der Tante-Emma-Laden auf der Fraueninsel: „Wir sind oft die letzte Rettung“

Der Chiemseer Bürgermeister Armin Krämmer mit Sabine Neuer und Christa Melchart (von links) im Inselladl. Die beiden Damen sind zwei von fünf Gesellschaftern und arbeiten regelmäßig im Laden.
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Der Chiemseer Bürgermeister Armin Krämmer mit Sabine Neuer und Christa Melchart (von links) im Inselladl. Die beiden Damen sind zwei von fünf Gesellschaftern und arbeiten regelmäßig im Laden.

Auf der idyllischen, kleinen Fraueninsel zu leben, mag vielen traumhaft erscheinen. Doch ist es nicht immer ganz einfach, wenn einem vom Festland eine gute Strecke Chiemsee trennt.

Fraueninsel – Zusammenhalt ist bei den Insulanern gefragt, wie Bürgermeister Armin Krämmer im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen bei einem kleinen Rundgang über die Insel betont. Umso mehr freut es ihn, dass es das „Inselladl“ gibt – ein gelungenes Projekt vier Frauen und einem Mann, die vor fünf Jahren Eigeninitiative ergriffen haben, als der vormalige Betreiber den Laden schloss.

Heimelig und klein, aber alles ist da

Kaffee und Kuchen, Tiefkühlware, Waschmittel, frisches Obst und Brot – wer sich auf der Fraueninsel versorgen will, der geht ins Inselladl. Es ist klein, heimelig und von heiterer Ruhe erfüllt. Man kennt sich. Hier wandert nicht einfach nur in kürzester Zeit Ware über den Verkaufstisch, sondern hier werden auch Neuigkeiten ausgetauscht und über die Geschehnisse auf der Insel wie auf der Welt geplaudert. Im Laden werden überdies wichtige Informationen weitergegeben, zum Beispiel bei einer Änderung der Müllabfuhr oder wann der Arzt zur nächsten Sprechstunde auf die Insel kommt.

Auf 23 Quadratmetern Verkaufsfläche ist das ganze Sortiment von 1500 Artikeln in dem Gebäude der Gemeinde untergebracht – Tür an Tür zum Sitzungssaal. Vor dem Ladl stehen zwei Tische, dort können in Ruhe Kaffee und Kuchen verzehrt werden. Wenn die Gastronomie geschlossen hat, ist das Inselladl die einzige Möglichkeit, an ein Frühstück zu kommen. „Wir sind oft die letzte Rettung. Übernachtungsgäste, die das erste Mal da sind, sind dann froh, dass sie uns finden“, weiß Evi Mayer zu berichten.

Die Überseerin ist neben Elke Dingfelder eine von zwei Geschäftsführerinnen des kleinen, charmanten Unternehmens. Es gibt eine eigene Homepage, über die Bestellungen möglich sind. Ziemlich genau vor fünf Jahren eröffnete der kleine Laden.

Evi Mayer erinnert sich noch gut an die Anfänge. Rasch habe sich eine kleine Gruppe von Insulanern gebildet, um den Laden zu erhalten, als der vorherige Betreiber nach 16 Jahren den Laden aufgab, weil er nicht einträglich war. Damit wäre das einzige Lebensmittelgeschäft auf der Fraueninsel verloren gegangen.

Senioren sind froh über den Laden auf der Insel

Dies hätte vor allem die Senioren geschmerzt, die die Insel selten verlassen und heilfroh über diese Einkaufsmöglichkeit waren. Die ältere Generation macht knapp ein Viertel der rund 200 Einwohner aus und das Inselladl liefert Einkäufe ins Haus, wo Jemand schlecht zu Fuß ist. Vier Damen und ein Mann nahmen sich vor fünf Jahren beherzt des Inselladens an, bis heute sind sie dabei. Evi Mayer ist als einzige von ihnen keine Insulanerin, aber mit einer von ihnen befreundet. Auf diesem Weg und weil sie als Handelsfachwirtin ideal geeignet war, kam sie zum Inselladl-Team dazu.

Alle fünf Gesellschafter haben ein kleines privates Kapital eingebracht. 75 Leute größtenteils von der Insel und einige von außerhalb haben laut Mayer Anteilsscheine im Wert von jeweils 150 Euro gekauft. Die besitzen sie bis heute und sind damit eine Art stille Teilhaber.

Anfangs, so erinnert sie sich, hätten die mitarbeitenden Gesellschafter im Laden ehrenamtlich gearbeitet, später noch lange Zeit auf Minijob-Basis. „Wir mussten ja erst schauen, wie es läuft“, erinnert sich Mayer. Die Resonanz im Laden sei von Anfang an positiv gewesen, von Beginn an war sechs Tage die Woche geöffnet. Eine Vollzeitkraft wurde zusätzlich zum Kernteam eingestellt, um alle Schichten stemmen zu können.

Touristen glätten Ganzjahresbilanz

Seit zwei Jahren ist das Inselladl über die Sommersaison hinweg sogar sonntags geöffnet: „Wir brauchen die Einnahmen von den Touristen, um damit die Wintersaison mitzufinanzieren“, erklärt Mayer. Die Öffnungszeiten möchten die Damen für die Insulaner nämlich auch in der ruhigen Zeit an sechs Tagen die Woche aufrecht erhalten können. Und das, obwohl die Frequenz und die Einnahmen im Winter gering sind.

Aber im Inselladl geht es nicht darum, großen Gewinn zu machen, erzählt Mayer. Der Tante-Emma-Laden muss sich tragen und die Versorgung für die Insulaner übers ganze Jahr sicherstellen, und da hilft das Geschäft im Sommer mit den Touristen.

Die Gemeinde stellt den Laden als auch das kleine Lager im Gebäude mietfrei zur Verfügung, übernimmt einen großen Teil der Nebenkosten. Vergangenes Jahr spendierte sie neue Pflastersteine vor dem Laden. Andere Kosten wie Strom, Einkauf und Personalkosten sind von der kleinen Unternehmergesellschaft (UG) zu bestreiten. Besonders stolz ist das Team auf das Sortiment. 1500 Artikel stehen in den Regalen, darunter ein großes Bio-Angebot. „Das haben sich die Insulaner gewünscht“, erzählt Geschäftsführerin Evi Mayer. Auch die auswärtigen Kunden schätzten das qualitative Angebot. Frisches Brot, Obst und Molkereiprodukte mehrmals die Woche mit der Fähre, im Sommer ist tägliche Anlieferung.

Die Übernachtungsgäste vom Kloster kommen zum Frühstücken:

Neben Bürgermeister Armin Krämmer ist auch Schwester Scholastika McQueen, Leiterin des Kloster-Bildungszentrums auf der Fraueninsel, ein großer Fan vom Inselladl, wie sie gegenüber den OVB-Heimatzeitungen erzählt. „Es ist absolut notwendig für die Insel“, betont sie. Die Gäste und Teilnehmer vom Bildungszentrum gingen gerne hinüber auf einen Kaffee und ein Croissant, Kinder kauften dort Schokolade und Eis. Da sich die Gäste vom Bildungszentrum selbst versorgen, könnten sie im Inselladl einkaufen und seien stets begeistert vom Charme und vom Angebot: „Die bestellen schon vorher auf der Homepage und holen sich dann ihre Sachen ab.“ Freilich auch deshalb, weil ihnen Schwester Scholastika das Inselladl warm ans Herz legt, damit ersparen sich die Besucher das mühsame Heranschleppen bei der Anreise. „Das Inselladl ist ein Treffpunkt“, beschreibt Schwester Scholastika. Schwester Scholastika besitzt ein kleines Golfcar. Damit saust sie über die Insel und fährt vom Haupthaus im Kloster zum Beispiel Projektoren zur ehemaligen Turnhalle, die heute als Seminarraum genutzt wird. Jeden Samstagmorgen um 7.30 Uhr aber steht Schwester Scholastika am Anlegesteg der Fähre und wartet auf die Mitarbeiterin vom Inselladl. Die geht mit einem Handwagen vollgepackt mit Brot und Backwaren vom Schiff. „Sie setzt sich bei mir hinten aufs Golfcar und zieht den Handwagen hinter sich her – wie eine kleine Prozession fahren wir über die Insel“, erzählt Schwester Scholastika mit einem Lachen.