Die Diskussion unserer Leser

„Kafka“-Schließung: „Rentnerstadt Traunstein“ oder liegt die Zukunft in den Bars?

club kafka traunstein
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Der „Club Kafka“ in Traunstein wird voraussichtlich 2023 schließen.

Traunstein - Zwei der drei Clubs in der Stadt werden in den kommenden Jahren schließen. Wie steht‘s um die Zukunft des Traunsteiner Nachtlebens? Unsere Leser sehen die Lage eher düster.

2023 wird für den „Club Kafka“ in Traunstein Schluss sein und in den nächsten Jahren auch für den „Salon Erika“, ehemals „Metro“. Zwei der drei derzeitigen Discos in der Stadt werden dann verschwunden sein. Betreiber Monta Music wollte sich ohnehin vom „Kafka“ trennen - unabhängig von der Corona-Pandemie. Der Sailer Keller nutzt die Gelegenheit und strebt einen großen Hotel-Ausbau an. Der „Salon Erika“ wird in den nächsten Jahren dem „Campus Chiemgau“ zum Opfer fallen, das Gebäude an der Gabelsberger Straße wird abgerissen.

Dass die Lücke im Traunsteiner Nachtleben geschlossen werden sollte, darüber herrscht aber weitgehend Einigkeit. Drei Viertel der Leser sind in unserer Abstimmung der Meinung, dass die Stadt langfristig einen Ersatz für „Club Kafka“ und „Salon Erika“ braucht. Die Nachfrage ist also da. Über 3000 Leser stimmten ab.

(Das Kafka) hat sich doch viele Jahre gehalten“, kommentierte „Gabriele Gabi“ als eine der wenigen auf unserer Facebook-Seite noch mit Zuversicht. Und tatsächlich: Bleibt der Club wie geplant bis 2023, wird man fast die Volljährigkeit erreicht haben. 17 Jahre wird es das „Kafka“ dann gegeben haben. Für die oft schnelllebige Branche der (Nacht-)Gastronomie eine durchaus lange Zeit. Dass das Nachtleben einer Stadt eng untereinander verstrickt ist, betont Leserin Sandra Lang: „Vor ein paar Jahren war das ganze noch ziemlich okay. Dann ist es drastisch schlechter geworden und nach dem Ende von der Metro ging gar nix mehr.“

Kafka-Schließung: „Rentnerstadt Traunstein“?

Und jetzt? Die vielzitierte „Rentnerstadt Traunstein“? Auch darin sind sich leider viele unserer Leser einig. „In Traunstein gibt es nur noch Casinos und Altenheim“, so Leserin Christine Meyer. Niemand brauche sich wundern, wenn junge Leute vor allem an der Traun oder in Parks feiern, wenn sich die Nachtgastronomie immer weiter ausdünnt. „Frech, dass wir aus Parks und öffentlichen Plätzen gejagt werden, wenn wir eine Sommernacht feiern wollen“, so der dazu passende Kommentar von Fabian Ebert.

„Natürlich kommt auch nix neues nach. Genehmigungen etc. sind kaum zu bekommen“, sieht Leser Chris Rostin die Lage ernst. Seine Einschätzung ist kaum von der Hand zu weisen und wurde 2016 deutlich. Das „Kafka“ hatte damals nur eine Genehmigung als Schank- und Speisewirtschaft. Unter anderem wegen des Lärmschutzes brauchte es aber eine Zulassung als Vergnügungsstätte - und das ist in einem Mischgebiet aus Gewerbe und Wohnen äußerst schwierig. Der Stadtrat stimmte damals mehrheitlich gegen die rechtliche Empfehlung der Verwaltung und hielt den Club somit am Leben.

Zukunft des Traunsteiner Nachtlebens

Wie schaut die Zukunft des Traunsteiner Nachtlebens aus? Dass es Leute mit Freude an der Verantwortung gibt wurde vor zwei Jahren bewiesen, als sich schnell ein Nachfolger für die „Metro“ fand. Viele Hoffnungen ruhen außerdem auf dem „Campus Chiemgau“. „Dadurch kommen hunderte von jungen Menschen in die Stadt, das kann die Stimmungslage verändern“, meinte der jetzige Oberbürgermeister Christian Hümmer bereits im vorigen Jahr. Speziell für die (Nacht-)Gastronomie sieht er dann eine höhere Nachfrage. Bis 2024/2025 soll das ganze Campusgelände westlich des Bahnhofs fertig sein.

Wo die Reise hingehen könnte, muss speziell aber auch Alex Wolff wissen. Er betreibt den „Club Kafka“ und glaubt: „Die Zukunft liegt nicht in den Clubs und Discos. Dieser Zug ist deutschlandweit abgefahren.“ Wolff sieht vielmehr Bars und kleine Kneipen im Aufwind. Auch in Traunstein gibt es dafür Anzeichen, „Gorilla Bar“ oder „Wohnzimmer Bar“ sind noch relativ jung. Auch fürs „Mauracher“ wurde schon ein Nachfolger gefunden, der die Gastro-Szene bereichern will.

Oder wie schrieb Leser Manu Jeromé passenderweise mit Blick auf eine Kneipe der Unteren Stadt? „Do geh i liaba in Griagei“.

xe

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