Nach fast 10 Jahren an der Spitze

Streit in Pittenhart: Sebastian Stöcklhuber tritt aus der Ortsgruppe der Freien Wähler aus

Sebastian Stöcklhuber
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Sebastian Stöcklhuber

Fast zehn Jahre war Sebastian Stöcklhuber Vorsitzender der Freien Wähler Pittenhart. Jetzt ist er von seinem Amt und damit auch als Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat zurückgetreten. Zu tief waren die Gräben, die sich während der Vorbereitungen für den Wahlkampf zur Kommunalwahl aufgetan haben.

Pittenhart– „Seitdem hat es keine kompetente Zusammenarbeit und nur schlechte Stimmung gegen mich als Vorsitzenden gegeben“, erklärt er auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Ein Rückblick: Im August 2019 habe er eine Vorstandssitzung zur Bestimmung des Kandidaten, der für die Freien Wähler Pittenhart ins Rennen gehen sollte, einberufen.

Kontrahentin setzte sich durch

Denn eigentlich dachte er, dass er der Bürgermeisterkandidat wird. „Doch es hat sich angedeutet, dass auch andere auf den Posten spekulieren“, sagt er. Womit er Recht behalten sollte. Denn Fraktionskollegin Monika Lex bewarb sich ebenfalls – und gewann die Wahl zur FW-Bürgermeisterkandidatin der Pittenharter.

Für Stöcklhuber kam die Kandidatur von Lex damals überraschend. Plötzlich hätten sich Grüppchen gebildet, Lex habe einige auf ihre Seite gezogen, sagt er. Bei einer zweiten Versammlung sei die Situation dann eskaliert, berichtet er, ohne weitere Details nennen zu wollen. Seitdem herrsche „schlechte Stimmung“.

Kontrahentin weist Vorwürfe zurück: „So ist Politik.“

Monika Lex hingegen bleibt pragmatisch: „Im Wahlkampf wird niemand mit Samthandschuhen angefasst. So ist Politik“, sagt sie auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Gruppenbildung habe aber auch sie überrascht. Die Vorwürfe gegen sie, sie hätte absichtlich einzelne Mitglieder beeinflusst, weist sie zurück.

Weiterer Ärger bei Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters

Ein weiterer Vorfall habe Sebastian Stöcklhuber dann endgültig zum Rücktritt von seinen Ämtern bewegt: die Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters in Pittenhart. Auch diese sei seiner Ansicht nach nicht gerecht ausgegangen. Da er bereits in der vorherigen Amtsperiode Zweiter Bürgermeister war, habe er sich wieder für das Amt beworben – so wie auch seine Fraktionskolleginnen Monika Lex und Christa Vodermaier.

CSU hatte die Fäden letztlich in der Hand

„Die Freien Wähler haben drei Kandidaten vorgeschlagen und wir als CSU mussten dann wählen“, sagt Pittenharter Bürgermeister Josef Reithmeier (CSU). Eine Entscheidung, die seine Fraktion eigentlich nicht treffen wollte, sagt er. Also habe man sich bei der Wahl zum Zweiten Bürgermeister für Reinhard Schreiner aus den eigenen Reihen entschieden. Dritte Bürgermeisterin wurde schließlich Christa Vodermaier mit neun Stimmen gegenüber drei Stimmen für Sebastian Stöcklhuber und einer Stimme für Monika Lex. „Die Überlegung war, sich für eine Frau zu entscheiden, und so ging die Wahl dann aus“, so der Bürgermeister.

Bürgermeister: Rücktritt hat keine Auswirkungen auf Gemeinderat

Dass die ganze Situation mit einem Austritt endete, findet Reithmeier „im Grunde schade“. Für die Politik im Gemeinderat und Stöcklhuber als fraktionslosen Gemeinderat sollte der Schritt aber keine negativen Konsequenzen haben: „Wir führen keine parteigeprägte Politik. Jeder steht für sich.“

Die Freien Wähler müssen nun also einen nun Vorsitzenden wählen. Nach Stöcklhubers Rücktritt hat sein Stellvertreter Engelbert Buchner den kommissarischen Vorsitz der Gruppierung und den Fraktionsvorsitz im Gemeinderat übernommen. „Sobald es die Corona-Situation erlaubt, wird es Neuwahlen geben“, erläutert er. Wer sich letztlich zur Wahl stellen würde, darüber könne man zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben.

Weiterhin Streit in der Gruppierung

Monika Lex wird sich voraussichtlich nicht zur Wahl stellen. Denn in einem Punkt stimmt sie mit Stöcklhuber überein: „Die Streitigkeiten innerhalb der Gruppierung sind weiterhin ziemlich festgefahren.“ Daher könne sie sich nicht vorstellen, für das Amt der Vorsitzenden zu kandidieren. „Ich konzentriere mich jetzt lieber auf meine Arbeit als Gemeinderätin.“

Kein konkreter Ausblick auf die Zukunft

Auch Sebastian Stöcklhuber blickt verhalten in die Zukunft. Er wolle jetzt seine sechs Jahre hinter sich bringen. „Sollte sich eine Bürgerliste formieren, dann würde ich diese unterstützen.“

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