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Traunsteiner Infektiologe: „Infektiöser und leichter übertragbar“

Corona-Mutationen auf dem Vormarsch - wie sollen wir uns verhalten?

Infektiologe Professor Prof. Dr. med. Thomas Glück zu Virus Mutationen
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Infektiologe Professor Prof. Dr. med. Thomas Glück von den SOB Kliniken Traunstein beurteilt im Gespräch mit chiemgau24.de die Lage der derzeitig grassierenden Virus-Mutationen von Corona.

Die Virus-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika sind auch in Bayern angekommen. Müssen wir nun Bedenken haben? Infektiologe Professor Dr. med. Thomas Glück von den Kliniken Südostbayern weiß mehr über Virus-Varianten - und schätzt die Entwicklung aus epidemiologischer Sicht ein.

Traunstein - „Es ist normal, dass sich Viren im Laufe der Zeit verändern, dadurch Varianten sowie Mutationen entstehen - gerade bei den RNA-Viren, zu denen auch Corona zählt“, erklärt Professor Glück im Gespräch mit chiemgau24.de. „Wahrscheinlich entstehen bei einer Infektion innerhalb eines Menschen schon verschiedene Varianten, die sich aber vielleicht nicht so gut vermehren können als andere.“

Manche Veränderungen allerdings besäßen besondere Eigenschaften und könnten sich durchaus leichter verbreiten, spannt Professor Glück den Bogen zu den britischen und südafrikanische Mutationen des Coronavirus, die derzeit auf dem Vormarsch sind.

„Die beiden Varianten reagieren allem Anschein nach sehr gut mit Antikörpern von Geimpften oder Menschen, die eine Infektion durchgemacht haben. Bei diesen Mutationen lässt sich die Veränderung einer Aminosäure an einer bestimmten Stelle des Oberflächenstrukturproteins dieses Virus erkennen - und die bewirkt, dass sich das Coronavirus besser an den Rezeptoren auf den Zellen binden kann. Dadurch wird es infektiöser und leichter übertragbar.“

Inwiefern sind die Mutationen dann gefährlicher als der Erreger SARS-CoV-2? Um diese Frage ausreichend beurteilen zu können, bräuchte man wissenschaftliche Erkenntnisse, die noch nicht vorhanden seien: „Zumindest von der britischen Variante weiß man in der Epidemiologie, dass sich in jenen Bereichen, in denen das Virus vermehrt auftritt, mehr Menschen als bisher anstecken. Dies lässt darauf schließen, dass es leichter übertragbar ist. Es ist jedoch nicht sicher, ob es beim Einzelnen auch einen schwereren Verlauf auslöst oder sogar eine höhere Sterblichkeit hervorruft.“

Folgen der Virus-Mutationen für die aktuelle Situation

Im Moment sind die Sieben-Tages-Inzidenzen rückläufig. Gerade im Berchtesgadener Land und auch im Kreis Traunstein fallen die verhältnismäßig hohen Zahlen der vergangenen Wochen peu à peu. Durchaus hoffnungsvoll in den Augen des Professors, der jedoch gleichzeitig mahnt: „Was uns in Deutschland weitestgehend fehlt, ist ein Überblick über die aktuelle Verteilung dieser Varianten - weil diese bisher zu wenig untersucht wurden.“

Inzwischen seien die Labore zwar auf den Zug aufgesprungen und führen bei jedem positiven Fall Analysen auf diese Varianten durch. Wie sich das aber konkret in der Region auswirke, das bleibe abzuwarten.

Die Politik indes verfolgt die sich ausbreitenden Mutationen mit Sorge, es herrscht eine gewisse Unsicherheit in der Bevölkerung. Um dem entsprechend zu begegnen, werden Daten benötigt, die laut Professor Glück jedoch nicht von heute auf morgen offenbart werden könnten: „Ich bin sicher, dass es nicht bei der britischen und südafrikanischen Mutation bleiben wird - die ein oder andere Variante wird in Zukunft gewiss noch identifiziert. Welche Auswirkungen diese dann mit sich bringen, ist ungewiss. Die brasilianische Variante beispielsweise, die es schon gibt, scheint weniger gut zu reagieren mit Antikörpern, die durch eine Infektion entstanden sind oder durch eine Impfung hervorgerufen wurden.“

Das Problem bei der Austestung stelle grundsätzlich die Dauer dar, weiß der Professor der Kliniken Südostbayern: „Ein Virus braucht seine Zeit um in der Zellkultur zu wachsen. Da sind komplexe Analysen vonnöten, um zum einen überhaupt herauszufinden, welche Varianten bereits existent sind und zum anderen wie diese mit den Antikörpern von Genesenen oder Geimpften reagieren.“

Daher könne man derzeit keine verbindliche Aussage treffen, wie die bereits auf dem Markt vorhandenen Impfstoffe bei neuen Virus-Mutationen oder solchen, die möglicherweise erst noch entdeckt werden, wirken. „Für die südafrikanische oder britische Variante aber scheint es zu klappen mit der Immunität geimpfter Personen.“

Impfung der Bevölkerung einziger Ausweg aus der Krise?

Panik oder Angst wegen der Mutationen seien unbegründet, da ist sich der Professor abschließend sicher: „Die bisherigen Regeln reichen aus, es gibt nichts Besseres als die Einhaltung der Hygiene-, Maske-, Abstands- und Kontaktbeschränkungs-Regeln. So wird sich auch ein infektiöseres Virus nicht leicht verbreiten können.“

Alternativen sieht Professor Glück, der sich bereits zur Wirkungsweise von FFP2-Masken geäußert hat, nicht: „Wir tun bereits was sinnvoll ist. Letztendlich aber können wir wohl erst zu einem einigermaßen normalen Leben zurückkehren, wenn wir nur mehr sehr sehr wenig Virusvermehrung und einen hohen Anteil an Geimpften in der Bevölkerung haben. Das ist nach wie vor die einzige Möglichkeit.“

Solange es keine ausreichende Durchimpfung gebe, werden die Kontaktbeschränkungen in irgendeiner Form erhalten bleiben, lautet die Einschätzung des Professors: „Die große Herausforderung für Politik und Behörden wird sein, mit Augenmaß vorzugehen. Dinge, die weniger riskant sind, müssen wieder erlaubt werden - auch in Hinblick auf davon abhängigen Existenzen. Anderes aber, wie große Massenveranstaltungen, auf die leichter verzichtet werden kann, werden in naher Zukunft, denke ich, eher nicht stattfinden.“

mb

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