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Das sagen Verbände und Kliniken in Region

Dutzende Stellenanzeigen: Kündigungswelle der ungeimpften Krankenschwestern?

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„Krankenschwester, ungeimpft, mit langjähriger Berufserfahrung sucht zum 16. März eine neue Arbeitsstelle“ - zahlreiche Stellenanzeigen ungeimpften Krankenhauspersonals sorgen derzeit für Aufruhr. Kommt jetzt die große Kündigungswelle wegen der Corona-Impfpflicht?

Zahlreiche Stellengesuche ungeimpften Klinikpersonals in den Zeitungen sorgen derzeit für Aufsehen. Zieht das Gesundheitspersonal seine Konsequenz aus der baldigen Impfpflicht und kehrt es den Krankenhäusern in der Region den Rücken zu?

Region - „Examinierte Kinderkrankenschwester und Rettungssanitäterin, ungeimpft, sucht ab 15. März eine neue Arbeitsstelle“, „Verwaltungsmitarbeiterin sucht wegen Einführung der Impfpflicht im Krankenhaus neuen Wirkungskreis - ab 15. März“, „Fachkrankenschwester, intensiv, ungeimpft, sucht ab 15. März neue Arbeitsstelle“, „Ungeimpfte Krankenschwester sucht leider eine neue Arbeitsstelle“ - Die Liste könnte man noch lange so weiterführen.

Corona-Impfpflicht in Kliniken: Dutzende Stellenanzeigen ungeimpfter Krankenpfleger

Am 10. Dezember hat die Bundesregierung eine einrichtungsbezogene Impfpflicht beschlossen. Heißt, bis zum 15. März müssen Beschäftigte einen Impf- oder Genesenen-Nachweis vorlegen. Oder ein Arzt bestätigt, dass man von einer Impfpflicht gegen das Coronavirus befreit ist. Die Auswirkungen des Beschlusses werden bereits spürbar. Die OVB Heimatzeitungen und andere regionale Tageszeitungen quellen über mit Stellengesuchen von ungeimpften Pflegekräften, Intensiv-Krankenschwestern oder auch Verwaltungsangestellten aus betroffenen Einrichtungen.

Und dies sind viele: In Krankenhäusern, Pflegeheimen, Einrichtungen für behinderte Menschen, Arztpraxen, aber auch bei Rettungsdiensten oder in Entbindungsstationen müssen Mitarbeiter bald die Corona-Impfung nachweisen. Das Bundesgesundheitsministerium hat bereits eine vollständige Liste erstellt.

Impfpflicht im Krankenhaus: Nur Einzelfälle, eine Kündigungswelle oder gar gefälschte Stellengesuche?

Bei dutzenden Stellenanzeigen ungeimpften Krankenhauspersonals stellt sich die Frage: Kommt jetzt eine große Kündigungswelle auf die Klinken zu? Bei der Gewerkschaft ver.di ist man sich des Problems bewusst. Domingo Heber ist Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Gesundheit im Bezirk Rosenheim. Die RoMed-Kliniken und die Kliniken Südostbayern liegen in seinem Zuständigkeitsbereich.

Bereits seit der Vorweihnachtszeit tauchen in der Rechtsberatung der Gewerkschaft Nachfragen zur Impfpflicht auf, erklärt Heber. „Es gibt zumindest Einzelfälle, in denen der Arbeitsplatzverlust in Kauf genommen wird, um sich der Impfpflicht zu entziehen.“

Doch Heber vermutet bei einigen Anzeigen, dass es sich um Fälschungen „oder zumindest eine koordinierte Aktion“ handelt. Ob es sich bei den Job-Suchenden um heimisches Klinikpersonal handelt, lässt sich auch nicht sagen. Bei den Stellengesuchen in den OVB-Zeitungen sind es unterschiedliche Auftraggeber, was nicht für eine Fälschung spricht. Eine koordinierte Aktion kann hingegen nicht ausgeschlossen werden.

Wegen Impfpflicht: Pärchen aus der Region kehrt Klinik den Rücken zu

Ein Pärchen, wohnhaft im Landkreis Traunstein, hat eines dieser Stellengesuche erstellt und sich für den Jobwechsel entschieden. Auf die Frage, warum man die Anzeige geschalten hätte, kommt ganz klar: „Aufgrund der politischen Entscheidung.“ Eines stellen die beiden gleich klar: Sie seien keine Impfgegner und auch sonst gegen verschiedenste Sachen geimpft. Die Frau habe auch Corona-Patienten gepflegt und es selbst gesehen. Es gehe „um unsere persönliche Entscheidung“. Er arbeitet im Krankenhaus im Verwaltungsbereich, sie direkt am Bett - drei Jahre Ausbildung und dann 23 Jahre auf Intensiv.

Und wie es ihnen mit der Entscheidung zum Jobwechsel gehe? „Uns geht es total schlecht damit. Wir würden liebend gerne weiter arbeiten wollen, aber uns lässt ja niemand - nur wegen einer politischen Entscheidung. Dazu kommt der Pflegepersonalmangel und die Bettennot, die derzeit noch herrscht. Das ist nicht nachvollziehbar.“

Kliniken in der Region bemerken keine Kündigungen wegen Impfpflicht

In den Kliniken selbst macht man sich offenbar wenig Sorgen. Die Kündigungen bewegen sich derzeit im Durchschnittsbereich heißt es aus den RoMed-Kliniken und dem Inn-Salzach-Klinikum. Dass ungeimpftes Personal nach anderen Stellen suche, sei im Klinikverbund nicht bemerkbar, heißt es von einer Sprecherin der RoMed-Kliniken.

In den Kliniken Südostbayern (KSOB) gibt es ebenfalls keine Kündigungen wegen der Impfpflicht, heißt es von Klinik-Sprecher Ralf Reuter. Es gebe jedoch Hinweise darauf, „dass der ein oder andere Mitarbeiter mit einer berufs- bzw. einrichtungsbezogenen Impfpflicht nicht einverstanden ist.“

Laut Heber bestehe aktuell auch kein erhöhter Bedarf an entsprechender Beratung, „Einzelfälle kommen aber vor. Insgesamt wird von den Betriebsräten erwartet, dass die große Mehrzahl der bisher noch ungeimpften Kollegen bis zum 15. März die Impfung wohl mit mehr oder weniger starkem Zähneknirschen nachholen wird“.

„Möchten keine Mitarbeiter verlieren“

Bei den Kliniken setzt man auf die Impfung. Deswegen werden in den Häusern auch Infoveranstaltungen und fachärztliche Einzelgespräche zur Impfaufklärung angeboten. „Die RoMed Kliniken möchten keine Mitarbeiter verlieren. Das wird auch so kommuniziert und die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden nochmals angeschrieben“, so Elisabeth Siebeneicher, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit in den Kliniken.

Am kbo-Inn-Salzach-Klinikum sind die Angesellten ebenfalls umfassend informiert worden, heißt es von Sprecherin Franziska Amann. Ein Großteil des Personals habe sich so bereits impfen lassen und erfülle die gesetzlichen Vorgaben.

„Kündigungswelle sieht anders aus“

Man sollte auch die Zahlen „mal ins Verhältnis setzen“, so Heber. „Wir reden über circa 20 Annoncen, bei jeweils mehr als 3500 Beschäftigten in den RoMed und KSOB Kliniken. Also selbst wenn die Anzeigen reale Stellengesuche wären, eine Kündigungswelle sieht anders aus.“

Auch bei den Kliniken Südostbayern hat sich die „überwiegende Mehrheit“ der Mitarbeiter bereits impfen und auch boostern lassen. „Wir haben in unseren Einrichtungen Impfquoten, die über dem Durchschnitt der Bevölkerung liegen. Wir haben mit kontinuierlichen Angeboten an unsere Beschäftigten und mit Aufklärung die Impfquote steigern können, zudem erleben etliche Mitarbeiter hautnah die Konsequenzen einer Erkrankung“, so Reuter.

Allgemeine Impfpflicht die „sinnvollere Alternative“?

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht wird jedoch auch kritisch gesehen. „Unser Ziel ist es nach wie vor, keinen einzigen unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch die Impfpflicht zu verlieren. Eine allgemeine Impfpflicht wäre die sinnvollere Alternative damit endlich die Pandemie überwunden werden kann. Die Impfpflicht nur für unsere Beschäftigten im Gesundheitswesen auszusprechen ist nur bedingt zielführend und belastet das Gesundheitssystem“, heißt es aus den Kliniken Südostbayern, „alle Experten sind sich einig, dass nur mit einer sehr hohen Impfquote die Pandemie eingedämmt werden kann. Die Impfpflicht nur für die in den Gesundheitseinrichtungen noch nicht geimpften Mitarbeitern wird nicht ausreichend sein, um die Infektionszahlen nachhaltig einzudämmen.“

Ab 15. März: Kein Nachweis, keine Arbeit, kein Lohn?

Klar ist jedoch, die Kliniken müssen nach dem 15. März den Gesundheitsämtern melden, wer keinen Nachweis zur Corona-Impfung, einer durchgemachten Infektion oder ein ärztliches Attest zur Ausnahme der Impfpflicht gebracht hat. Die Ämter prüfen die Fälle und sprechen bei Bedarf ein Betretungs- oder Tätigkeitsverbot aus. Bei den RoMed-Kliniken wird man deutlich: „Bei Ausspruch eines Beschäftigungsverbotes durch das Gesundheitsamt erfolgt vonseiten der RoMed Kliniken eine unbezahlte Freistellung.“

Wie viele Angestellte den Kliniken den Rücken zukehren werden, lässt sich kaum abschätzen. Bei den Kliniken Südostbayern geht man davon aus, dass die eigenen Mitarbeiter sich des „besonderen Verantwortungsbewusstseins in den Gesundheitsberufen“ klar sind und „sich letztendlich überwiegend impfen lassen werden“. Doch: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen seit fast zwei Jahren kontinuierlich an und über die Grenze der Belastungsfähigkeit. Bereits dadurch hat die Branche und haben wir etliche Mitarbeiter verloren.“

ce

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