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28-Jähriger wegen tödlichem Unfall auf Miesbacher Straße angeklagt

Tuning-Autos, lautes Überholen, kaum Abstand - Zeugin: „So wie die fährt normal niemand“

Samerberg-Prozess Miesbacher Straße Rosenheim Landgericht Traunstein Revision
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Der 28-jährige Angeklagte aus Riedering vor dem Traunsteiner Landgericht. Er muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten, weil er ein überholendes Auto auf der Miesbacher Straße in Rosenheim laut Staatsanwaltschaft nicht einscheren ließ - bei dem anschließenden Frontalunfall im November 2016 verloren zwei junge Frauen vom Samerberg ihr Leben. Rechts Verteidigerin Iris Stuff.

Rosenheim/Traunstein - Ein knappes Dutzend Zeugen soll heute am Landgericht gehört werden - was können sie zur Wahrheit beitragen, wie sich der tödliche Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim im November 2016 zugetragen hat?

Update, 15.56 Uhr - Überholen Innerorts - „Nicht in die Lücke gelassen“

„Wir haben uns alle gesagt: ‚die spinnen‘.“ So beschreibt eine Zeugin jetzt ihre Gefühle, als sie das Gespann aus den beiden BMW und dem Golf kurz vor dem Unfall durch Rosenheim fahren sah. Sie war kurz auf derselben Strecke unterwegs und wurde von den drei Autos überholt. Immer wieder spricht sie davon, wie auffällig die Drei fuhren. „So wie die fährt normal niemand. Irgendwie hat es nach einem Rennen ausgeschaut.“

Getunte Autos, wenig Abstand, laute Motorengeräusche beim Überholen – so beschreibt die Zeugin die Szenerie. Auch ihren Mitinsassen, die ebenfalls als Zeugen vernommen werden, fiel das „sehr aktive Fahrverhalten“ der drei Autos und ein Überholmanöver innerorts auf. An Nummernschilder oder Karosseriefarben kann sich keiner mehr genau erinnern, aber der zeitliche Zusammenhang legt nahe, dass es sich dabei um die beiden BMW-Fahrer aus dem Rosenheimer Raum und den Ulmer Golf-Fahrer handelt.

Auch die Mutter und die Frau des Golf-Fahrers sagen als Zeuginnen vor dem Landgericht aus. Beim Besuch im Krankenhaus habe der Sohn schrecklich geweint, habe immer davon gesprochen, dass zwei „Mädchen“ bei dem Unfall ums Leben gekommen sind – und: „Die Schweine haben mich nicht reingelassen“, habe der Golf-Lenker laut seiner Mutter im Krankenhaus ebenfalls gesagt. Er sei trotz Beruhigungsmitteln „völlig aufgelöst“ gewesen.

Die Frau des Ulmer Golf-Fahrers trägt wenig Gewichtiges bei: „Er hatte mir nicht viel erzählt. Nur, dass er einen Unfall hatte und dass er beim Überholen nicht in die Lücke hineingelassen wurde.“ Auch, warum der Ulmer überhaupt in Rosenheim war, habe er nicht gesagt. Dass sich der Golf-Fahrer dort mit einer anderen Frau traf und sie Beifahrerin war, erfuhr die Zeugin angeblich erst durch die Polizei.

Verteidigerin Iris Stuff stellt nun gegen Ende des Prozesstages offiziell ihren Antrag, der ein verkehrspsychologisches Gutachten fordert. Denn ihrer Meinung nach könnte sich der Golf-Fahrer auf einer Autobahn oder Schnellstraße gewähnt haben und sei deshalb so stur auf der Überholspur geblieben – auch wenn der Mann im Zeugenstand bereits selbst aussagte, ihm sei bewusst gewesen, dass es sich bei der Miesbacher Straße Richtung Kolbermoor um eine gewöhnliche Landstraße handle.

Das Gericht wird aber nicht mehr heute über den Antrag entscheiden. Der Prozess wird am Mittwoch (9. Juni) fortgesetzt. 

Vorbericht, 7 Uhr - Viele Zeugen kommen: Bringt vierter Tag im Prozess „Miesbacher Straße“ mehr Klarheit?

War die Lücke für einen überholenden Golf-Fahrer aus Ulm groß genug oder machte sie ein 28-jähriger Riederinger absichtlich zu, so dass ein Frontalunfall erst wahrscheinlich wurde? Das ist die Frage, um die sich der Prozess am Landgericht Traunstein dreht. Noch immer geht es um den tragischen Unfall am 20. November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim. Zwei junge Frauen vom Samerberg kamen ums Leben, zwei Unfallbeteiligte wurden bereits rechtskräftig verurteilt - nun wird zum dritten Mal gegen den Riederinger verhandelt.

Vierter Tag im Prozess „Miesbacher Straße“: Elf Zeugen werden erwartet

Am vierten Prozesstag am Dienstag (8. Juni) sollen ab 9.30 Uhr elf Zeugen gehört werden. Es sind Verwandte des Golf-Fahrers, der frontal ins entgegenkommende Auto der Samerbergerinnen krachte, sowie Zeugen, die die drei Autos schon zuvor durch Rosenheim fahren sahen. Denn die beiden jungen Männer aus Riedering und Kolbermoor in ihren BMW kannten den Ulmer Golf-Fahrer nicht, sie trafen an einer Kreuzung nur zufällig aufeinander. Erst dann hätten Überholmanöver begonnen, mit dem bekannten, tragischen Ausgang.

Am jüngsten Prozesstag vorigen Mittwoch brachte Verteidigerin Iris Stuff eine neue Version ins Spiel: Ihrer Meinung nach könnte sich der Golf-Fahrer während des Überholens auf der Miesbacher Straße auf einer Autobahn gewähnt haben und sei deshalb so konsequent auf der linken Fahrbahnseite geblieben. Er sei schließlich zum ersten Mal auf jener Straße unterwegs gewesen und die Lärmschutzwände links und rechts könnten den Eindruck vermitteln, man sei auf einer Autobahn oder Schnellstraße. Stuff forderte deshalb ein verkehrspsychologisches Gutachten. Noch ist offen, ob das Landgericht ein solches zusätzliches Gutachten zulässt.

Der Angeklagte schwieg im Prozess bisherAm ersten Verhandlungstag waren die emotionalen Aussagen der Nebenklage zu hören - nämlich von der Schwester der verstorbenen 15-Jährigen und vom Vater der 21-jährigen Verstorbenen. Er warnte vor illegalen Autorennen, aber ob es sich bei den Geschehnissen auf der Miesbacher Straße in Rosenheim überhaupt um ein solches gehandelt hat, ist fraglich. Der andere der beiden BMW-Fahrer, ein 27-jähriger Kolbermoorer, sagte am zweiten Prozesstag aus. „Kein normaler Mensch überholt an so einer Stelle. Ich bin bis zum Schluss davon ausgegangen, dass er noch einschert“, sagte er aus. Die Lücke zum Einscheren zwischen den Autos habe etwa 50 Meter betragen.

Bereits im März 2019 fiel ein Urteil am Amtsgericht Rosenheim, gegen das Berufung eingelegt wurde. Das Urteil im Berufungsprozess vom 12. November 2019 am Landgericht wurde dann jedoch vom Bayerischen Obersten Landesgericht wegen eines Formfehlers kassiert. Zu zwei Jahren und drei Monaten Haft sowie Führerscheinentzug wäre der Riederinger damals verurteilt worden. Die Urteile gegen die beiden anderen Unfallbeteiligten wurde dagegen bereits rechtskräftig. Der überholende Fahrer des VW Golf bekam eine Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten. Der andere BMW-Fahrer erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten, weil er den Überholenden nicht einscheren ließ.

Für den Prozess am Landgericht in Traunstein sind weitere Verhandlungstage sind für 9., 10. und 15. Juni vorgesehen. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

xe

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