Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frühling ist Hauptgeschäftszeit

Gärtnereien im Chiemgau bangen um ihr Geschäft

Philipp Rother und seine Blumen warten auf Kundschaft.
+
Philipp Rother und seine Blumen warten auf Kundschaft.

Der Frühling naht und somit auch die Hauptsaison für die Gärtnereien im Chiemgau. Doch wenn sie nicht bald öffnen dürfen, wird aus ihrer Ware Kompost.

Chiemgau – „Wenn wir im März nicht öffnen können, dann wird das eine Pleitewelle geben“, sagt Franz Glanz aus Unterwössen, der eine Gärtnerei betreibt. Gärtnereien und Hofläden dürfen in Bayern derzeit nur öffnen, wenn überwiegend Lebensmittel auf aktueller Verkaufsfläche angeboten werden.

Diese Option kann Glanz immerhin in seiner Grassauer Filiale nutzen, nicht jedoch an seinem Hauptstandort in Unterwössen.

Ein logistischer Albtraum

Sowohl Glanz als auch die Priener Gärtnerei Rother bieten click&collect wie auch call&collect an. „So richtig durchgesetzt hat sich der Webshop noch nicht, die Leute wollen lieber bei uns durchgehen und Blumen sehen und riechen“, sagt Inhaber Philipp Rother.

Erfahrung habe er damit schon im ersten Lockdown gemacht und es klingt eher bittersüß, wenn er davon erzählt: „Wir waren einerseits froh, dass wir verkaufen konnten. Aber es war ein logistischer Albtraum, wir haben bis zehn Uhr abends gearbeitet.“

Am Telefon zu beschreiben, wie eine Blume aussieht oder Rechnungen zu ändern, weil ein Kunde zu seinen bestellten drei Salatpflanzen dann doch noch etwas zusätzlich haben wolle, das sei einfach wahnsinnig aufwendig. Auch wenn er den Kunden einen guten Service bieten wolle.

Abgesehen davon sei es nicht immer rentabel: „Im ersten Lockdown haben wir über Facebook Frühlingsblüher in Kisten angeboten, das ging durch die Decke.“ Aber wenn von Prien aus bis nach Bad Aibling ausgeliefert werde, lohne sich das nicht wirklich.

Kurzarbeit oft nicht möglich

„Der Januar und der Februar hat unserer Branche nicht so weh getan, da wir da nicht so viel Umsatz haben“, sagt Jörg Freimuth, Geschäftsführer des Bayerischen Gärtnereiverbands. Nun stehe aber die Zeit an, in der die Gärtner rund die Hälfte ihres Jahresumsatzes machen.

Die Gefahr sieht auch Rother. Seine Mitarbeiter konnte er bislang nur teilweise in Kurzarbeit schicken. Einerseits, weil sie traditionell im Winter die Überstunden des Sommers abbauen und bei noch vorhandenen Überstunden rechtlich keine Kurzarbeit möglich ist.

Hinzu kommt, dass Rother sie schlicht braucht: Schließlich haben er und seine Leute in den vergangenen Wochen und Monaten Frühjahrsblüher und Gemüse zogen. Ranunkeln, Hornveilchen, Bellis und Stiefmütterchen müssen im Frühjahr bereit stehen für die Kunden. Entsprechend habe die Gärtnerei auch die Gewächshäuser beheizt, berichtet der Priener Gärtner. „Von weniger Kosten im Lockdown kann also nicht die Rede sein“, sagt Rother.

Kompost statt Beeten?

„Wir stehen in den Startlöchern. Wenn aber nichts passiert, können wir die Pflanzen alle in den Kompost tun“, sagt Rother. „Pflanzen lassen sich nicht einfach aufbewahren, die entwickeln sich weiter“, sagt Freimuth und appelliert an die bayerische Staatsregierung, die Gärtnereien ab März 2021 zu öffnen. „Sonst geht es an die Existenz“, sagt der Branchenvertreter.

Thüringen öffnet, Bayern zögert

Und das womöglich, während die Supermärkte all diese Pflanzen verkaufen dürfen – allerdings auf deutlich kleinerer Fläche, mit schlechterer Belüftung als in einer Gärtnerei es der Fall wäre.

Angesichts des Infektionsrisikos zweifelt Glanz an den politischen Entscheidungen: „Unsere Gärtnereien sind doch äußerst weitläufig, da ist der Abstand kein Problem.“

Thüringen macht auf

Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder hat den Gärtnern zwar in Aussicht gestellt, dass sie möglicherweise ab 1. März 2021 öffnen dürfen, aber nach wie vor hängt diese Entscheidung vom aktuellen Infektionsgeschehen in Bayern ab. Anders in Thüringen: Dort steht schon jetzt fest, dass Gartencenter, Floristen und Baumschulen öffnen dürfen.

„Uns halten die Stammkunden die Treue, worüber wir uns sehr freuen“, sagt Bernhard Häusler von der gleichnamigen Siegsdorfer Gärtnerei. Das habe sich auch am Valentinstag bemerkbar gemacht. Bei der Trauerfloristik sei der Umsatz nahezu gleich, trotz Corona.

Garteln als Trend?

Alle drei Gärtner aus dem Chiemgau hoffen, dass die Corona-Krise immerhin den Effekt hat, dass Garteln weiter ein Trend bleibt. „So viele Menschen haben im ersten Lockdown entdeckt, wie schön das ist, auch auf kleiner Fläche“, sagt Häusler. Sein Unterwössner Kollege Glanz ergänzt: „Wenn die Leute eh nicht fortfahren dürfen, sollen sie es sich zuhause mit Blumen schön machen dürfen.“

Kommentare