So viel Regen wie sonst in einem ganzen Monat

Landkreis - Eine ereignisreiche (Wetter-)Woche endete mit zahlreichen Paukenschlägen! Die Niederschlagsmengen erreichten außergewöhnlich hohe Werte.

Der Begriff Unwetter dominierte über Tage hinweg die Medien. Ob Dauer- oder Starkregen, die Niederschlagsmengen erreichten außergewöhnlich hohe Werte. Teilweise fiel in dieser Woche der komplette Monatsniederschlag, örtlich wurde sogar schon die doppelte mittlere Monatsmenge erreicht.

Ausschlaggebend für die starken und teilweise auch länger anhaltenden Niederschläge war ein ausgeprägtes Höhentief, das sich von Island bis in den Mittelmeerraum erstreckte und sich im weiteren Wochenverlauf über dem Balkan von der Höhenströmung abschnürte. An dessen Ostflanke wurden wiederholt kleine Bodentiefdruckgebiete vom Mittelmeerraum über die Ostalpen hinweg nach Deutschland geführt. Im Gepäck führten diese sehr warme und feuchte Luft mit sich, die Deutschland von Nordosten her flutete. In den Süden floss vorab aus Westen kühlere Luft ein. Insbesondere im Grenzbereich der Luftmassen traten dabei stärkere und teils auch länger anhaltende Niederschläge auf. Aber auch in der warmen und sehr labil geschichteten Luft, die sich bis zum heutigen Samstag in die südlichen Landesteile ausbreitete, entwickelten sich zahlreiche heftige Schauer und Gewitter.

Neben einzelnen stürmischen Böen und kleinkörnigem Hagel war der Niederschlag häufig der schadenträchtige meteorologische Parameter. Dabei fielen innerhalb von vier Tagen von Dienstagmorgen bis Samstagmorgen in Balderschwang (Bayern) 164 Liter Regen pro Quadratmeter. Im hessischen Bad Hersfeld waren es im gleichen Zeitraum 142 Liter. Insgesamt meldeten über 25 Stationen Niederschlagsmengen von über 100 mm.

In den betrachteten Regionen setzten sich die Regenmengen vielerorts aus länger anhaltenden Niederschlägen entlang der Luftmassengrenze in der Nacht auf Mittwoch sowie kräftigen Gewittern am Donnerstag und Freitag zusammen. An den Alpen kamen zudem Staueffekte hinzu. Hier wurde die Luft von Norden gegen die Alpen gedrückt, wo sie zum Aufsteigen gezwungen wurde.

Grundsätzlich führten jedoch die ergiebigen Regenmengen, die in kurzer Zeit fielen, zu größeren Schäden. Während länger andauernder Regen meist "nur" die Flüsse füllt und örtlich zum Überlaufen bringt, kann heftiger Starkregen in kurzer Zeit ganze Stadtteile und Straßenzüge unter Wasser setzen. Meist kann das Abwassersystem die hohen Mengen an Wasser nicht fassen. Zudem neigen sie dazu, durch die vom Wasser mitgeführten Äste oder Müll zu verstopfen. In der Folge füllt das Wasser Keller und Unterführungen. Kleine Bäche werden in kurze Zeit zu einem reißenden Strom. Ist das Wasser wieder weg, bleiben häufig nur brauner Matsch, Müll und große Schäden an Häusern und Infrastruktur.

Besonders betroffen waren am Freitag Wiesbaden (Hessen), wo bis zu 48 Liter Regen in nur einer Stunde fielen, sowie Ohlsbach und Durlach (Baden-Württemberg), die bis zu 55 Liter pro Quadratmeter innerhalb von drei Stunden verzeichneten. Jedoch wurden auch dort Stundenwerte von teils deutlich über 40 Liter erreicht. Heftige Gewitter entluden sich gestern zudem auch in NRW, Sachsen oder Bayern. Dabei fielen zum Beispiel innerhalb einer Stunde in Lohr am Main (Bayern) 38 Liter, in Coesfeld (NRW) 39 Liter und in Sankt Egidien-Kuhschnappel (Sachsen) 29 Liter pro Quadratmeter. Am Donnerstag belegten die Stationen Nidderau-Erbstadt (Hessen) und Peterslahr (Rheinland-Pfalz) mit 39 l/qm sowie Essen-Bad Brockhausen (Niedersachsen) mit 38 l/qm die Spitzenplätze in der stündlichen Rangliste. Auf der Zeitskala von 3 bzw. 6 Stunden wurden diese Orte jedoch von Bad Hersfeld deutlich überboten. Dort sorgten gleich mehrere kräftige Gewitterzellen zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter in drei Stunden bzw. knapp 65 Liter innerhalb von 6 Stunden.

Pressemeldung Deutscher Wetterdienst (DWD)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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