Logistisch eingespieltes Team aus Mensch und Maschine

Fit für den Winter - So funktioniert der Winterdienst am Flughafen Salzburg

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So bereitet sich der Flughafen Salzburg auf den Winterdienst vor
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Landkreis - Heiße Maronidüfte, Glühweinstände, Pistenopenings, Schnee bedeckte Berge, der Winter hält mehr und mehr Einzug in unserer Heimat. Und mit ihm, die Zeit der Schneeräumerei. Wie funktioniert das eigentlich auf einem Flughafen?

So bereitet sich der Flughafen Salzburg auf den Winterdienst vor

Der Salzburger Flughafen ist ein Gästezubringer für die Tourismus- und Wirtschaftsregion Salzburg und Bayern. Damit der ankommende und abfliegende Verkehr reibungslos über die Bühne gehen kann, laufen hier schon im Sommer jede Menge Vorbereitungen um sich für den Winter zu rüsten. Neben der Einlagerung von Taumitteln, müssen auch die Gerätschaften während der schneefreien Zeit überholt und auf Vordermann gebracht werden. 

Insgesamt zwei Bereiche sind dafür beim Flughafen verantwortlich. Die Flugzeugenteisung wird von der Abteilung Bodenverkehr durchgeführt. Die Flächenräumung und -enteisung wird von der Abteilung Airside Operations abgewickelt, hier ist Richard Moser verantwortlich, dass alles reibungslos abläuft.

BGLand24.de wollte wissen, wie diese Vorbereitung am Flughafen Salzburg funktioniert.

Interview mit Richard Moser, Winterdienstbeauftragter Fläche, Salzburger Flughafen 

Herr Moser, Sie sind für eine ganze Reihe von Fahrzeugen, Streumittelbeschaffung und für die Diensteinteilung der Winterdienstmitarbeiter für die Fläche zuständig. Sie und Ihr Team stellen sicher, dass die an- und abreisenden Flugzeuge ohne Behinderungen und Verspätungen wegen Schnee auf den Verkehrsflächen den Flughafen nutzen können. Wie viele Fahrzeuge, bzw. Kollegen sind das? 

Aktuell haben wir 20 Fahrzeuge für den Wintereinsatz zur Verfügung. Hier müssen wir unterscheiden, zu welchem Zweck sie eingesetzt werden. Auf der einen Seite haben wir die großen Winterdiensteinheiten, bestehend aus einem Zugfahrzeug, einer Schneefräse und einem Kehrblasgerät. Diese Fahrzeuge werden für die mechanische Flächenreinigung eingesetzt und sind im Bedarfsfall von 00:00 -24:00 ohne Unterbrechung im Einsatz. 

Ein Kehrblasgerätezug besteht aus zehn Kehrblasgeräten, einer Hochleistungsfräse und einem Unimog und wird von einem Räumkommandanten angeführt. Zur Winterdienst-Mannschaft zählen 52 fixe Mitarbeiter, zehn Mitarbeiter als Ersatz sowie vier externe Räumkräfte, von denen zwei Mann aus Bayern stammen. 

Wir legen sehr viel Wert darauf, Flächen möglichst mechanisch, ohne Einsatz von zu viel Taumitteln, zu reinigen. Dann haben wir auch noch große Schneefräsen in Betrieb die uns helfen die „Schneehaufen“, die sich ansammeln, zu verteilen bzw. bei sehr viel Schnee auf LKWs zu verladen. 

Dieser Schnee wird auf Abtauflächen innerhalb des Flughafengeländes verbracht. Für den Einsatz von Taumitteln gibt es ebenfalls spezielle Fahrzeuge – 3 Stück an der Zahl. Diese bringen bei Bedarf Feststoff- und Flüssigstreumittel auf die Verkehrsflächen auf. 

Zusätzlich – dies fällt allerdings nicht in meinen Aufgabenbereich – werden am Flughafen auch die Flugzeuge bei gewissen Witterungsbedingungen durch Spezialfahrzeuge, sogenannte Elephanten, enteist. Beläge aus Schnee, Schneematsch, Raureif und Eis auf Rumpf und Tragflächen der Luftfahrzeuge müssen vor dem Start entfernt werden, eine Enteisung der Luftfahrzeuge bei winterlichen Bedingungen ist somit unerlässlich.

Bilder: So funktioniert der Winterdienst am Flughafen Salzburg

Wie bekommt man so eine große Flotte rechtzeitig für den Winter flott? 

Nun vor dem Winter ist nach dem Winter wie man so schön sagt. Unsere Fahrzeuge werden während der Winterdienstperiode stark beansprucht. Sämtliche anfallende Reparaturen werden umgehend durchgeführt. Wie bei jedem Auto, Motorrad oder auch Flugzeug müssen diese Fahrzeuge nach dem Einsatz generalüberholt, gereinigt und technisch auf 1A Standard gebracht werden.

Wir achten sehr genau darauf, dass mit den Gerätschaften sorgsam umgegangen wird und der Lebenszyklus der Fahrzeuge über den vom Hersteller genannten Termin gezogen werden können. Da müssen neben uns Winterdienstfahrern auch unser Kollegen in den Werkstätten auf Zack sein, denn Wartung und Reparaturen wird von uns selbst durchgeführt. 

Wie bereiten Sie sich auf den Tag "X" vor, wenn der erste große Wintereinbruch kommt, damit alles so reibungslos wie möglich funktioniert? 

Die Vorbereitung auf den Winter erfolgt nach einem genauen Schema. Was kann während der schneefreien Zeit erledigt werden? Brauche ich Ersatzteile für meine Gerätschaften? Wie viel Streumittel werden benötigt? Wie viele Mitarbeiter habe ich zur Verfügung? 

Es gibt so viele Fragen die in einer Checkliste aufgeführt sind und mit „Erledigungsdatum“ hinterlegt sind, dass der Tag X getrost kommen kann, denn wir sind bestens vorbereitet! Wir sind ein alpiner Flughafen und Schnee bedeutet für uns nicht in Panik zu verfallen, sondern die Abarbeitungen von genauen Verfahren, die über die letzten Jahrzehnte entwickelt und jedes Jahr adaptiert werden, durchzuführen. 

Sämtliche Abläufe sind für uns eng verbunden mit dem Beginn der Wintersaison am Airport. Hier sind wir mit allen Beteiligten ein bestens eingespieltes Team, egal ob es Vorfeldkontrolle, Sicherheitsoffiziere, Mitarbeiter in der Bodenabfertigung oder unsere Kollegen am Kontrolltower des Flughafens sind. Abläufe werden im Vorfeld immer besprochen, damit der Tag X kommen kann. 

Wie viele Tonnen Streusalz und Split werden durchschnittlich (je nach Winter) verbraucht? 

Gerade in den sensiblen Bereichen der Bewegungsflächen am Flughafenvorfeld darf nicht mit Split oder mit Salz gearbeitet werden. Diese Materialen sind auf der einen Seite recht umweltschädlich und auf der anderen Seite würden sie die Flugzeuge unserer Airlinekunden eventuell beschädigen. 

Am Airport werden je nach Bedarf Kaliumacetat (Harnstoff) in geringen Mengen - vergleichbar mit dem Naturdünger der von Bauern auf den Feldern aufgebracht wird - und ein biologisch zu beinahe 100% abbaubares Taumittel auf Basis von Natriumformid (Feststoff) verwendet. Der Verbrauch ist absolut wetterabhängig und kann von Jahr zu Jahr sehr variieren. 

Wie läuft das mit der Reinigung der Lande- und Startpiste ab? 

Hier müssen wir uns immer sehr eng mit der Austro Control, also der Flugsicherung, und dem OAD (Betriebsleiter) akkordieren. Der OAD unternimmt regelmäßige Testfahrten auf der Piste und prüft mit einem Skidometer, ob eine Räumfahrt erforderlich ist. Zusätzlich verfügt der Salzburger Flughafen über eine Gefrierfrühwarnanlage die mittels 3 eingebauter Sonden im Pistenbereich über Gefrierpunkt, Taupunkt, Boden- und Lufttemperatur informiert. Da stimmen wir uns natürlich mit Austro Control über Räumvorgänge auf den Bewegungsflächen der Flugzeuge, die für die Landung benötigt werden. 

Da ist auf alle Fälle eine Freigabe von der Towercrew nötig. Bei einer Räum- und Sprühbreite von 40 Metern nimmt ein Räumvorgang der Piste etwa 10 Minuten in Anspruch. Der Tower informiert uns auch sofort, wenn die Zeit drängt, weil ein Flugzeug im Landeanflug ist. Dann heißt es runter von der Piste. 

Welche Kosten laufen durchschnittlich im Winter auf? 

Das ist nur sehr schwer zu beantworten und wenn immer erst im Nachhinein. Je nachdem wie sich das Wetter entwickelt und je nachdem wie viele Einsätze gefahren entwickeln sich auch die anfallenden Kosten. 

Das fängt von den verwendeten Taumitteln, Reparaturen der Fahrzeuge, Neuanschaffung von Winterdienstfahrzeugen & Gerätschaften und Personalkosten an und hört bei den Wartungskosten, der Menge der Verschleißteile und den Personalkosten auf.

Was tun wenn‘s schneit? Wie läuft die Alarmierung der Winterdienstkräfte ab?

Die Alarmierung der Winterdienstkräfte wird über Fakt24 (online Informationstool- Botsystem) per automatischen Anruf durchgeführt.

In vielen Großstädten oder auf Inlands-Flughafen verläuft der Winterdienst oft recht chaotisch wenn es stark schneit. In Salzburg wirkt das wesentlich entspannter. Warum?

Wie schon erwähnt wir sind ein alpiner Flughafen und Schnee ist nicht neu für uns. Dort wo bei anderen 5cm Schnee auf der Piste ein Problem bedeutet ist es für uns reine Routine. Schnee gehört zu Salzburg wie Mozart oder die Festspiele. 

Die Winterbedingungen planen wir in den Abläufen ein. Die Abarbeitungen von Einsätzen sind genauen Verfahren unterlegen. Diese sind aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte entwickelt worden und wir verbessern unsere Abläufe von Jahr zu Jahr.

 Es gibt immer Bereiche wo man noch besser werden kann – aber ich weiß genau, dass ich mich bei jeder Wettersituation auf ein tolles und eingespieltes Team verlassen kann, die genau wissen was zu tun ist.

Und im Falle eines Falles wenn doch einmal alles steht? 

Wir sind allen Eventualitäten positiv gegenüber eingestellt. Wir haben viele strenge Winter erlebt. Wir haben Schneestürme oder Eisregen erlebt, Wintergewitter und vieles mehr und haben alle Situationen gemeistert. 

Unsere Aufgabe ist es die Bewegungsflächen für die Flieger und Bodenfahrzeuge Eis- und Schneefrei zu halten – diesen Job beherrschen wir und lassen kein Chaos aufkommen. 

Würden Sie sich manchmal wünschen, dass der Winter „Schneefrei“ abläuft? 

Ein klares NEIN! Schnee macht Salzburg und das benachbarte Bayern für unsere Gäste interessant und attraktiv. Wir leben von diesen Menschen, die in unsere Region kommen um einen entspannten Winterurlaub genießen zu können. Ich hoffe, dass Salzburg und Bayern noch sehr lange vom Schnee und vom Winter partizipieren können. Am Ende des Tages tragen diese Urlaubsgäste immer tatkräftig zum wirtschaftlichen Wohl der Region bei und sichern viele tausend Arbeitsplätze – vor allem im Tourismus.

Lesen Sie ebenfalls auf BGLand24.de - So bereitet sich der RVO auf den Winter vor

Quelle: BGland24.de

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