Wintereinbruch im Anmarsch

Schneechaos adé - So bereitet sich der RVO auf den Winter vor

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Landkreis - "Leise rieselt der Schnee" - wenn es soweit ist, dann ist es für manchen Fahrzeuglenker schon fast zu spät sich auf den Winter vorzubereiten. BGLand24.de wollte wissen, wie sich denn die RVO optimal auf die winterlichen Temperaturen vorbereitet:

Schulbusse, allgemeiner öffentlicher Nahverkehr, Berufspendler - auch im Winter, oder gerade dann möchte kaum jemand auf sein Auto verzichten, um damit von A nach B und C zu fahren. 

Während man als Privatmann natürlich schon mit Winterreifen, Frostschutz und Co ein paar Dinge frühzeitig und vor allem vor dem ersten Wintereinbruch sein Fahrzeug vorbereitet haben sollte, stehen Verkehrsbetriebe wie die RVO vor einer wahren Meisterleistung was die Vorbereitung angeht. 

BGLand24.de wollte wissen, welche logistischen Herausforderungen dabei bewältigt werden müssen und hat Andreas Datz, den Niederlassungsleiter der DB Regio Bus, Region Bayern (Regionalverkehr Oberbayern getroffen). 

Interview mit Andreas Datz, Regionalverkehr Oberbayern

Herr Datz, Sie sind für eine ganze Reihe von Fahrzeugen und somit auch den reibungslosen Ablauf des öffentlichen Verkehrs im Raum Berchtesgadener Land und bis Traunstein und den Chiemgau verantwortet. Wie viele Fahrzeuge, bzw. Kollegen sind das? 

Aktuell haben wir in der Niederlassung Ost 101 eigene Busse und 170 Mitarbeiter im Fahrdienst. 

Wie bekommt man so eine große Flotte rechtzeitig für den Winter flott? 

Alles beginnt mit der Reifenbestellung im Mai/Juni des laufenden Jahres, der Schneekettenüberprüfung und –bestellung aber selbstverständlich die langjährige Erfahrung der Fuhrparkleiter und des eingesetzten Werkstattpersonals. 

Wie bereiten Sie sich auf den Tag "X" vor, wenn der erste große Wintereinbruch kommt, damit trotzdem alles so reibungslos wie möglich funktioniert? 

Bis zum Tag X soll ja alles erledigt sein. D.h. rd. 600 neue Winterreifen müssen im Zeitraum Oktober bis November um montiert werden, die entspr. Menge an „arktischem“, also kälteresistenterem Diesel bestellt sein; bei allen Fahrzeugen wird der Heizungsservice durchgeführt und der Scheibenfrostschutz auf kältere Temperaturen angepasst; die Türdichtungen werden entspr. behandelt; Busse werden mit Schneeketten , Schneekratzern … ausgestattet und sehr wichtig: Fahrer werden im Zuge der jährlichen UVV-Schulung über die Gefahren im winterlichen Fahrbetrieb immer wieder informiert und sensibilisiert. 

Wie viele Tonnen Streusalz und Split werden durchschnittlich (je nach Winter) verbraucht?

Da wir die Räumung unserer Hofflächen an allen Betrieben an Hausmeisterdienste, Fuhrunternehmen oder gemeindliche Räumdienste vergeben wurde, kann ich leider nicht mit Mengenangaben dienen. 

Wie läuft das in den ländlichen Gegenden mit den "Privatstraßen", die ja teils von Bauern oder Privatleuten geräumt werden? 

Es ist schon beachtlich, wie früh hier die genannten an „Schneefalltagen“ mit Fräsen oder ihrem landwirtschaftlichem Fuhrpark die Straßen räumen und für mich eine gute Gelegenheit einmal „Vergelt’s Gott“ zu sagen. 

Welche Kosten laufen durchschnittlich im Winter auf? 

Ist sehr schwer zu beantworten und hängt immer von der Intensität und Dauer des Winters ab. 

Das beginnt bei den Heizkosten für unsere Betriebshöfe und Werkstätten, dem Aufwand für Schneeräumung, dem Verschleiß an Schneeketten, dem Mehrverbrauch der Busse aufgrund Standheizungen etc. – also viele Komponenten, die in Summe die Wintermonate relativ kostenintensiv erscheinen lassen. 

Für die Kinder gibt es ja (fast) nichts größeres, wenn dann doch mal die Busse nicht fahren könnten, vor allem rauf auf den Obersalzberg zum CJD. Warum fahren die Busse immer und es gibt kein "Schulfrei wegen Schnee"? 

Über schulfrei an Wintertagen entscheiden zuerst einmal nicht wir. Dass wir nahezu immer fahren liegt auch meiner Sicht daran, dass die Obersalzbergstraße auch an richtigen Wintertagen sehr gut geräumt wird und unsere Fahrer/Innen große Erfahrung im winterlichen Fahrdienst aufweisen. 

ber nicht die Fahrt auf den Obersalzberg sondern die Rückfahrt stellt eine große Herausforderung dar und fordert von unseren Mitarbeitern höchste Konzentration und Umsicht, da eine Gefälle von bis zu 24% befahren wird. 

Wie läuft die "Alarmierung", es sind ja doch auch viele Saisonkräfte, die mit ihren eigenen Fahrzeugen fahren? 

Fahrer meldet die örtlichen Gegebenheiten an das Betriebspersonal und diese informieren unverzüglich z.B. die entspr. Straßenbaulastträger (staatliches Bauamt und Gemeinden). 

Und - wenn ich mir die Vorbereitung und die Einsätze hier im Berchtesgadener Land anschaue und mit manchen Großstädten vergleiche - wieso verläuft der Winter(dienst) hier wesentlich weniger chaotischer ab wie dort? 

Weil hierbei sehr routiniert aufgrund der Erfahrung gearbeitet wird. 

Schnee- und Eis im Winter, nasse Blätter im Herbst, Hitze und Tourismushochbetrieb im Sommer - welche Jahreszeit birgt die meisten Herausforderungen? 

Sommermonate mit hohem Fahrgastaufkommen und Anschlusssicherung aber auch extreme Wintertage bilden die Herausforderung für Disposition, Fahrdienst und unseren Fuhrpark ab.

Und im Falle eines Falles - wenn es doch mal rummst - wie kommen dann die Fahrgäste von A nach B? 

Dann erfolgt schnellstmöglich die Evakuierung der Fahrgäste mit Ersatzbussen.

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Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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