AKG-Turnhalle bietet Platz für 50 Menschen

Asylbewerber: Notfallplan für den Winter

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Landrat Siegfried Walch hat im Landratsamt den Winternotfallplan für die Erstaufnahme von Asylbewerbern vorgestellt
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Traunstein - Jeder Landkreis muss zur Unterstützung der Erstaufnahme von Flüchtlingen Notfallunterkünfte bereitstellen. Welche Gebäude könnten im Landkreis Traunstein belegt werden?

Der Landkreis Traunstein sieht sich gut gerüstet - und rechnet zugleich damit, dass sein "Winternotfallplan" vielleicht nie Anwendung finden wird. Um bei der Erstaufnahme von Asylbewerbern auf Nummer sicher zu gehen, verlangt die Regierung von jedem Landkreis einen Winternotfallplan. Für 200 bis 300 Asylbewerber sollen kurzfristig verfügbare, provisorische - und vor allem auch winterfeste - Unterkünfte gefunden werden. Wie Landrat Siegfried Walch bei der Präsentation des Traunsteiner Notfallplans im Landratsamt betonte, diene dies dem Zweck, sich auf einen "Extremfall" vorzubereiten. Mit 300 Flüchtlingen, die quasi von heute auf morgen im Landkreis kurzfristig einquartiert werden müssen, rechnet Walch nicht.

Turnhalle wird in 48 Stunden zur Unterkunft

Eine eigens dafür gebildete Arbeitsgruppe aus Experten von Landratsamt, Kliniken, Polizei und Hilfsorganisationen, darunter das BRK, die Malteser und das THW, haben ein konkretes Gebäude als Notunterkunft ausgewählt: die Turnhalle des alten Annette-Kolb-Gymnasiums in Traunstein an der Herzog-Friedrich-Straße. Dort ist im Notfall Platz für 50 Personen, ein konkreter Plan für den Fall der Fälle ist bereits erstellt.

"Aktuell ist die Turnhalle nicht blockiert", betonte Walch. Die Halle erfüllt den ganzen Winter über ihren ursprünglichen Zweck als Sportgebäude und soll nur im Bedarfsfall zu einer Unterkunft umfunktioniert werden. Meldet die Regierung von Oberbayern einen Bedarf beim Landkreis an, kann die Turnhalle binnen 48 Stunden entsprechend hergerichtet werden. Konkret heißt das: Turngeräte raus, Betten rein, die Geräteräume würden zu Aufenthaltsräumen umfunktioniert und draußen würden die Helfer Zelte für die Gesundheitsuntersuchungen und die Verpflegung der Flüchtlinge aufstellen.

Gesundheitsuntersuchung so schnell wie möglich

Innerhalb kürzester Zeit, in etwa ein bis zwei Tagen, könnte die Turnhalle dann schon wieder freigeräumt werden. Derartige Unterkünfte dienen der Entlastung der Erstaufnahme, weshalb die Flüchtlinge nach Registrierung und Gesundheitsuntersuchung bundesweit weiterverteilt werden. Die Traunsteiner Arbeitsgruppe hat Walch zufolge großes Augenmerk darauf gelegt, binnen weniger Tage die Gesundheitsuntersuchung sicherstellen zu können. Deshalb fiel die Wahl auf die Turnhalle des AKG, das Gymnasium befindet sich schließlich neben dem Gesundheitsamt.

Die Gesundheitsversorgung habe oberste Priorität, betonte Walch, der zugleich klarstellte: "Da sind Leute einquartiert, die nicht hochansteckend sind." Bereits in München würden alle Flüchtlinge "gescreent", so Walch. Bei ihrer Ankunft in Traunstein gebe es dann sofort eine vollständige Untersuchung. "Alle 50 schaffen wir an einem Tag", sagte der Landrat. Sollten dann doch Krankheiten festgestellt werden, kommen die Flüchtlinge sofort ins Klinikum. Gegenwärtig sucht der Landkreis noch nach Dolmetschern, vor allem Menschen mit Arabischkenntnissen werden gebraucht.

Walch hält Worst Case für unwahrscheinlich

Dieser Fall, auf den sich der Landkreis gut vorbereitet fühlt, ist aber nur ein "Worst Case": "Wir glauben nicht, dass es tatsächlich so weit kommt", so Walch. Auch auf die von der Regierung genannte Zahl von 200 bis 300 Flüchtlingen hat sich der Landkreis eingestellt. "Im Bedarf hätten wir andere Gebäude zur Verfügung", betonte der Landrat. Dass wirklich einmal 200 oder gar 300 Flüchtlinge auf einmal zur Erstaufnahme in den Landkreis kommen, schließt Walch aber faktisch aus. Selbst die Regierung halte eine Zahl von 300 Flüchtlingen mittlerweile für zu hoch.

140 Plätze sind frei im Landkreis

Auch unabhängig vom Winternotfallplan sieht sich der Landkreis in Sachen Asylbewerber gut aufgestellt. In 19 dezentralen Unterkünften und drei Gemeinschaftsunterkünften in insgesamt 12 Gemeinden sind derzeit 600 Asylbewerber untergebracht. Alle Unterkünfte zusammengenommen sind dennoch aktuell noch rund 140 Plätze frei. Der Landkreis bleibt aber auf der Suche nach Unterkünften. "Wir reagieren nicht auf das, was wir gerade brauchen, sondern orientieren uns an den Prognosen", so Walch. Für 2015 sind für den Landkreis 1104 Asylbewerber prognostiziert. Plätze für 416 Menschen fehlen derzeit noch.

"Wir wollen möglichst breit streuen", kündigte Walch an. Konkret heißt das: Gemeinden, die noch gar keine oder vergleichsweise wenige Asylbewerber unterbringen, sind die ersten Anlaufstellen des Landkreises. "Jeder hat seinen Anteil zu leisten", betonte der Landrat. Immerhin 23 Gemeinden im Landkreis beherbergen noch gar keine Flüchtlinge, andere wiederum haben nur fünf oder sechs Asylbewerber aufgenommen. Auch Städte wie Traunstein (24 Asylbewerber) oder Traunreut (22 Asylbewerber) sind noch vergleichsweise gering belastet. Die meisten Flüchtlinge beherbergt gegenwärtig Grassau. Dort gibt es eine Gemeinschaftsunterkunft mit 145 Asylbewerbern.

Immer Rücksprache mit dem Bürgermeister

An den Bürgern vorbei soll aber keine Unterkunft geschaffen werden. So entstehe keine Unterkunft, "ohne dass man mit dem Bürgermeister Rücksprache gehalten hat", so Walch. Besteht seitens der Gemeinde Interesse, kommen zudem Mitarbeiter des Landratsamts zu der entsprechenden Bürgerversammlung. "Wir wollen es auf möglichst breite Beine stellen", sagte der Landrat.

Mitglieder der Arbeitsgruppe "Winternotfallplan" im Landratsamt:

Die Traunsteiner Arbeitsgruppe Winternotfallplan

Quelle: chiemgau24.de

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