Der Winter in der Region 

Diplom-Meteorologe Dominik Jung im Interview: "Deutlich zu warm!"

Landkreise - Für die Bewohner der Region ist es bis jetzt im Gegensatz zum Schneechaos 2019 ein sehr warmer Winter. Unwetterwarnungen vor Orkanböen prägen die Wetterlage im Februar. Diplom-Metereologe Dominik Jung gibt im Interview mit roenheim24.de Auskunft über das Wetter in der Region.

Der Winter in Südostbayern im Jahr 2020 ist wechselhaft. Temperaturen von bis zu 15 Grad, Unwetterwarnungen vor Orkanböen und kein Schnee. Ab Sonntag sagen die Wetterprognosen weitere stürmische Tage für die Region voraus.


Dominik Jung ist seit 17 Jahren Diplom-Meteorologe und Klimaexperte beim Wetterportal wetter.net. Im Interview mit rosenheim24.de spricht Jung über das Thema Klimawandel, die Abhängigkeit vom Wetter und den Beruf des Meteoreologen.

rosenheim24.de: Herr Jung, gibt es prägnante Merkmale, die den Winter 2020 für Sie im Moment auszeichnen?


Dominik Jung: Deutlich zu warm! Das auf jeden Fall. Der Winter könnte in die Top drei der wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 eingehen.

Vor allen Dingen die plötzlichen Wetterumschwünge machen den Menschen in Südostbayern zu schaffen. In den vergangenen Tagen hat der Deutsche Wetterdienst eine Unwetterwarnung vor Orkanböen herausgegeben, zahlreiche Bäume stürzten auf Straßen und auf Stromleitungen. 2019 gab es ein Schneechaos. Welche Gründe sehen sie für diese schnellen Wetterumschwünge?

Wir haben im Wechsel hohen Luftdruck und dann immer wieder Westwetterlagen. Aktuellen haben wir wieder den Fall, dass ein Hoch für ruhiges Wetter sorgt, ab Sonntagabend drohen schwere Sturmböen und eine neue Westwetterlage erneut mit schwerem Sturm bei uns in der Region! Danach wird es wieder etwas kühler, dann wieder etwas milder. Das Auf und Ab geht weiter.

Meinen Sie, dass sich der Winter in Zukunft weiter in Richtung März verschieben wird? Gibt es dafür triftige Gründe?

Das gab es in den vergangenen Jahren, ich sage aber das war Zufall. Kein Wunder: Nach so einem milden Winter muss der März ja nur Normal ausfallen und man meint, das sei winterlich vom Gefühl her, weil eben der Winter so warm war. Aber ein Märzwinter scheint in diesem Jahr auch nicht wirklich wahrscheinlich zu sein. So zumindest die langfristigen Wettermodelle. An eine generelle Verschiebung glaube ich aber nicht.

"Nicht jede Kleinigkeit dramatisieren"

Ist ein komplett schneefreier Winter ein neues Phänomen, oder gab es das schon einmal? Wie lautet Ihre Prognose in diesem Fall auch im Hinblick auf die kommenden Jahre?

Naja, es gab ja auch in diesem Winter mal hier und da etwas Schnee. Aber es war wirklich wenig. Das gab es schon mal 2006 auf 2007 beim mildesten Winter der Wetteraufzeichnungen. Zukünftig wird sich die globale Temperatur wohl weiter erhöhen, damit werden kalte Winter auch immer seltener werden. So zumindest die Prognose der Klimaexperten. Wissen tut es aber keiner!

Verfallen wir, was das Wetter angeht, zu schnell in Panik? Sind wir möglicherweise durch das omnipräsente Thema “Klimawandel” so sehr sensibilisiert, dass wir die Fakten zum Wetter ignorieren, und es lieber auf den Klimawandel schieben?

Was wir aktuell erstmal erleben ist Wetter. Erst das Wetter über mindestens 20 bis 30 Jahre beobachtet ist Klima. Daher macht es wenig Sinn, jeden Sturm oder jedes Hochwasser direkt mit dem Stichwort Klimawandel in Verbindung zu bringen. Das ist in diesen Tagen aber sehr hip und macht gut Schlagzeilen. Wir sollten nicht jede Kleinigkeit dramatisieren.

“Wenn man nicht mehr Themen zum Reden hat, redet man halt übers Wetter” -  Warum ist das Wetter ein, für unsere Gesellschaft, so zentrales Thema geworden? Wirklich abhängig vom Wetter, mit Ausnahme von Landwirten, sind wir ja nicht mehr.

Natürlich. Schauen wir auf die Deutsche Bahn. Bei jedem größeren Sturm geht da fast nichts mehr. Teile des Landes liegen lahm, das kann beim neuen Sturm am Montag auch wieder der Fall sein. Wir sind sehr wetterabhängig. Die extremer werdenden Sommer, die spüren wir richtig gut. Die Häuser und Wohnungen heizen sich jeden Sommer gefühlt noch mehr auf. Wenn wir mal wieder einen eisigen Winter bekommen würden, wäre hier auch einiges lahm gelegt.

Sie sind ja nun schon länger in dem Geschäft der Wettervorhersage tätig. Sehen Sie eine beständige Veränderung der Wetterlage in Südostbayern in den vergangenen Jahren?

Die kann ich so nicht erkennen. Es ist noch alles im Grunde wie es war. Optisch zumindest. Schaut man sich die Zahlen im Detail an, dann ist die Erwärmung natürlich auch dort angekommen.

Was muss sich in Ihren Augen ändern, um Wettervorhersagen wieder seriöser darzustellen?

Die meisten stellen Wettervorhersagen sehr seriös dar. Leider ist es so, dass sich in unserem Land jeder x-beliebige Wetterexperte nennen kann oder darf. Wenige davon haben sich wirklich mit der Materie im Rahmen einer abgeschlossenen Ausbildung oder eines Studiums beschäftigt. Ich habe manchmal das Gefühl das schürt etwas Neid und Missgunst. Von studierten Meteorologen sollte man alle seriösen Informationen bekommen die man braucht.

Meteorologie ist deutlich komplexer als nur „das Wettervorhersagen zu können“. Das Studium besteht aus viel Mathe und Physik. Ich meine: Keiner käme wohl auf die Idee zu einem ins Cockpit zu steigen, der behauptet, er habe sich das Pilotenwissen selbst angelesen und beigebracht und er könne nun auch direkt das Flugzeug fliegen. Zu so einem würde ich nicht in den Flieger steigen, Sie etwa?

Herr Jung, vielen Dank für das Interview!

fgr

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