Droht uns eine zweite Flutkatastrophe?

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Ob und wann sich ein Jahrhunderthochwasser in der Region (wie hier in der Schwaig in Rosenheim) wiederholt, kann nicht gesagt werden.
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Landkreise - Die Angst ist groß! Wir haben mit Meteorologe Andy Neumaier über Wetterextreme, den Klimawandel und die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Jahrhunderthochwassers noch in diesem Jahr gesprochen:

Ein weiteres flächendeckendes Hochwasser, das weite Teile Deutschlands bedroht, hält Andy Neumaier, Meteorologe bei der Bundeswehr und Betreiber eines Online-Wetterportals, für so gut wie ausgeschlossen. "Das ist rein statistisch unlogisch und unwahrscheinlich." Ein Jahrhunderthochwasser ereigne sich eben nicht alle paar Monate. "Das müsste schon mit dem Teufel zugehen", so Neumaier.

Deiche könnten am Wochenende brechen

Für den Meteorologen Andy Neumaier sind Langzeitprognosen nicht seriös.

Eine weitere Bewährungsprobe steht den Deichen aber trotzdem schon in den nächsten Tagen bevor. "Es wird am Wochenende punktuell heftige Gewitter geben", so Neumaier. Diese könnten überall dort zur Gefahr werden, wo die Pegelstände noch hoch sind. "Auf aufgeweichten Deichen könnten Sommergewitter zum Problem werden", erläutert der Meteorologe. Dann drohe sogar ein Deichbruch.

"Sommergewitter kann Rosenheim immer mal fluten"

Langfristigere Prognosen möchte Neumaier aber nicht wagen. Zwar machen die sommerlichen Temperaturen ab Dienstag weitere Hochwasser höchst unwahrscheinlich, "lokale Hochwasser kann es aber immer geben". So könnte eine schweres Sommergewitter "Rosenheim immer mal fluten".

Langzeitprognosen, die etwa für die nächsten Jahrzehnte Hochwasser voraussagen sollen, bezeichnet Neumaier als unseriös. "Kein Wissenschaftler kann dazu eine seriöse Aussage treffen." Ja sogar Prognosen, die lediglich drei Wochen in die Zukunft blicken, sind für den Meteorologen "völliger Schwachsinn".

Tief war über Deutschland gefangen

Die aktuelle Hochwasserkatastrophe ist laut Neumaier auf eine ungünstige Tiefdruck-Hochdruck-Konstellation zurückzuführen. So war ein Tief über Südostdeutschland gefangen, weil es in West wie Ost von Hochdruckgebieten umgeben war. Das Tief hat über Deutschland kontinuierlich kalte Luft von der Nordsee und warme, und damit auch feuchte Luft vom Mittelmeer angesaugt, was zu schier unaufhörlichem Regen geführt hat.

Deutschland hatte wohl sogar noch Glück, dass ein Großteil des Niederschlags in den Alpen als Schnee gefallen ist. Die Zugspitze zum Beispiel verzeichnet mit fünf Metern Schnee einen 40-jährigen Rekord für Anfang Juni. "Wenn jetzt noch mal was käme, würde es den Schnee wegspülen", befürchtet Neumaier. Allerdings wäre dies "trotzdem von der Heftigkeit her keine Bedrohung".

Extremes Wetter wegen des Klimawandels

In einem größeren Kontext sieht Neumaier vor allem die Erderwärmung als Ursache für die Hochwasserkatastrophe. "Die Luft wird wärmer und warme Luft kann mehr Wasser speichern. Dann fällt mehr vom Himmel." Auch die auftretenden Wettererscheinungen würden extremer. "Das merkt man schon an einzelnen Gewittern im Sommer oder dem kalten Mai in diesem Jahr", erklärt der Meteorologe.

Verlangsamt sich die Erderwärmung?

Neumaier hat allerdings die Hoffnung, dass der Klimawandel die Wetterextreme nicht weiter verschärfen wird - und zwar, weil er sich schlicht verlangsamen könnte. "Die Erderwärmung hat in den letzten fünf Jahren gebremst." Es gebe Wetterstationen in der Arktis, die seit zehn Jahren sogar sinkende Temperaturen messen.

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