Planung einer Kommunalen Strategie

Regionales Energiekonzept schreitet voran

Landkreise - Seit Anfang 2016 wird in der Planungsregion Südostoberbayern ein landkreisübergreifendes Energiekonzept erstellt, das vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie mit einem Zuschuss in Höhe von 75 Prozent der Kosten gefördert wird.

Das Konzept entwickelt einen konkreten Leitfaden für die zukünftige Energieversorgung. Die umfassende Datenaufnahme ist abgeschlossen und der elektrische und thermische Energiebedarf in der Region wurde ermittelt.

Die einzelnen Fachbüros haben damit begonnen, die möglichen Einsparungen sowie die Ausbaupotenziale der Erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme- Kopplung für die Region zu bestimmen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird gemeinsam mit allen Kommunen eine Energiestrategie entwickelt.

Gesamtenergiebilanz und Effizienzbetrachtungen

Zur Bewertung der möglichen Einsparungen wurden zwei verschiedene Modelle betrachtet, eines mit geringeren Einsparungen und ein weiteres, bei dem größere Anstrengungen nötig sind. Im Bereich des thermischen Energiebedarfs sind Einsparungen zwischen 19 % und 50 % möglich. Im Bereich der elektrischen Energie reicht die Spannbreite von 5 % bis 35 %.

Sowohl im Energiekonzept der Bundesregierung als auch im Pariser Klimaabkommen wurden Zielwerte für die CO 2 -Emissionen je Einwohner definiert. In der gesamten Planungsregion sind aufgrund der hohen Ausstöße der Industrie noch Anstrengungen notwendig, um diese Ziele zukünftig zu erreichen. Dabei sind große Unterschiede zwischen den einzelnen Landkreisen festzustellen.

Solarenergie

Bei der Solarenergie wird der Solarthermie auf Dachflächen Vorrang gegenüber der Photovoltaik gegeben. Weiterhin stehen zur Stromerzeugung Flächen entlang von Bahnlinien und Autobahnen sowie eine Konversionsfläche im Landkreis Rosenheim zur Verfügung. 10 % des Wärmebedarfs der privaten Haushalte können zusätzlich noch durch Solarthermie und weitere knapp 25 % des Stromverbrauchs durch den Ausbau der Photovoltaik gedeckt werden. Aufgrund der aktuellen Fördersituation hat der Ausbau im Bereich der Photovoltaik jedoch stark abgenommen.

Windenergie

Die Windenergie kann nur einen geringen Beitrag leisten. In der relativ dicht besiedelten Region sind kaum Flächen vorhanden, bei denen ausreichende Abstände zu Wohngebäuden gewährleistet werden können oder entsprechende Windgeschwindigkeiten vorherrschen. Ein wirtschaftlich sinnvoller Einsatz ist daher nur in den Landkreisen Mühldorf am Inn, Rosenheim und Traunstein denkbar.

Wasserkraft

Die Wasserkraft ist bereits eine tragende Säule der Energieversorgung in der Region. Ein Ausbau ist eigentlich nur an bestehenden Querbauwerken möglich, die noch nicht oder nicht mehr energetisch genutzt werden. Darunter fallen beispielsweise Wehre oder stillgelegte Wasserkraftanlagen. Des Weiteren können bestehende Anlagen optimiert werden, um den Stromertrag der Anlagen zu erhöhen. Durch diese Maßnahmen könnte die Stromerzeugung aus Wasserkraft um 10 % gesteigert werden. Da fast die Hälfte des Ausbaupotenzials an der Salzach liegt, nimmt diese eine Sonderrolle in der Wasserkraft ein. Aus naturschutzrechtlichen Gründen wird jedoch nur ein Teilausbau möglich sein, damit weiterhin frei fließende Streckenabschnitte verbleiben.

Biomasse

Durch die sogenannten festen Biomassen, wie Altholz, Grüngut, Waldholz und Kurzumtriebspflanzen, sowie Biogas kann Strom von insgesamt 3,9 Millionen MWh pro Jahr produziert werden. Die Analyse ergab, dass die Bedeutung von Biogas und Kurzumtriebspflanzen von Nord nach Süd abnimmt, während Waldholz von Nord nach Süd an Bedeutung gewinnt.

Etwas mehr als die Hälfte der gesamten Biomasse wird bereits für die Energieerzeugung in Biogasanlagen, Biomasseheizkraftwerken und Altholzverwertungsanlagen genutzt. Ziel ist es, die Biogasanlagen der Region zur gemeinsamen Erdgasaufbereitung und Einspeisung ins Erdgasnetz zu bündeln und zusammenzuschließen. Insgesamt konnten im Planungsverband 6 Bereiche bestimmt werden, die geeignete Eckdaten aufweisen.

Geothermie

Die Analyse zeigt, dass die tiefe und die oberflächennahe Geothermie nahezu im gesamten Planungsverband zur Stromerzeugung und/oder zur Wärmeversorgung genutzt werden können. Die in den Gemeinden unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten sind dabei sowohl auf die Tiefenlage des Thermaltiefengrundwasserleiters (hier der Malm-Aquifer), als auch auf regionale Unterschiede des geothermischen Gradienten (Höhe der Zunahme der Temperatur über die Tiefe) zurückzuführen. Ortslagen im alpinen Gebiet befinden sich vorwiegend in geologisch günstigen Tälern. Heizen und Kühlen mit oberflächennaher Geothermie ist im gesamten RPV 18 möglich.

Kraft-Wärme-Kopplung

Die Kraft-Wärme-Kopplung nimmt im Vergleich zu den aufgeführten Erneuerbaren Energien eine Sonderrolle ein, da es sich hierbei um eine Effizienztechnologie handelt. Zur Bestimmung der Potenziale wurden zum einen die Ergebnisse aus dem Fachbereich Biomasse verwendet. Zum anderen wurden kommunale Liegenschaften und der gewerbliche Bereich betrachtet, um herauszufinden, ob der Einsatz eines Blockheizkraftwerks sinnvoll sein kann. Auch bei energieintensiven Unternehmen wird davon ausgegangen, dass die Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung noch weiter ausgebaut werden kann.

Weitere Schritte

Alle Kommunen entwickeln anhand eines online-Fragebogens eine gemeinsame Energiestrategie, die die Ziele der einzelnen Kommunen und der gesamten Planungsregion darlegt. Außerdem werden konkrete Beispielprojekte erarbeitet, um zu zeigen, welche Möglichkeiten im Bereich der Erneuerbaren Energien vorhanden sind.

Dazu zählt zum Beispiel die Konzeption eines Nahwärmenetzes mit der Integration einer großen Solarthermieanlage. Des Weiteren soll eine regionale Strommarke eingeführt werden, um eine regionale Identität zu schaffen und um Vermarktungsmöglichkeiten für erneuerbaren Strom auch außerhalb des EEG beziehungsweise Post-EEG zu entwickeln.

Der Regionale Planungsverband Südostoberbayern hat ein Expertenteam mit der Durchführung des Projektes beauftragt. Dieses besteht aus der "Team für Technik GmbH", dem "Institut für Systemische Energieberatung" an der Hochschule Landshut, dem "Ingenieurbüro Planung Gutachten Analytik GmbH", der "Hochschule Rosenheim" sowie der "bifa Umweltinstitut GmbH", der "Green City Energy AG", der "Steinbacher Consult Ingenieurgesellschaft mbH & Co. KG" und der "Erdwerk GmbH".

Pressemeldung Regionaler Planungsverband Südostbayern

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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