Was geschieht eigentlich mit der Kirchensteuer?

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Soziale Einrichtungen wie Altenheime profitieren von der Kirchensteuer.
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Landkreise - Altenheime, Schüler-Coachings und Sensenmäh-Kurse: Die Kirchensteuer dient auch der Finanzierung des bunten Angebots der sozialen Einrichtungen in der Region.

Mehr als jeder dritte Deutsche, der aus der Kirche austritt, nennt die Kirchensteuer als einen seiner Beweggründe – immerhin einen Betrag in Höhe von acht Prozent der Einkommenssteuer müssen Katholiken und Protestanten in Bayern entrichten. Im Erzbistum München und Freising summierten sich die Kirchensteuereinnahmen 2012 auf 463,37 Millionen Euro. Damit ist die Kirchensteuer die mit Abstand bedeutendste Einnahmequelle des Bistums, dessen Gesamtbudget sich auf rund 642,9 Millionen Euro beläuft.

Bistum beschäftigt 8701 Menschen

Mehr als die Hälfte davon, rund 362,95 Millionen Euro, benötigt das Bistum zur Deckung der Personalkosten, wobei jedoch keineswegs nur Pfarrer, Mesner und Organisten bezahlt werden wollen. Lediglich 2665 der 8701 Mitarbeiter sind in den Pfarreien im Einsatz, davon wiederum 1288 im pastoralen Dienst, wie zum Beispiel Priester, Diakone und Pastoralreferenten. Die größte Gruppe der Beschäftigten stellen die 3548 Mitarbeiter in den kirchlichen Kindertageseinrichtungen. Daneben arbeiten 1226 Menschen für das Bistum an diözesanen Schulen und 449 als Religionslehrer. Auch die Geistlichen sind nicht auf die Arbeit in einer Pfarrgemeinde beschränkt. Viele arbeiten als Seelsorger in Gefängnissen, Behinderteneinrichtungen, bei der Polizei und beim Militär.

Caritas betreibt 1400 Einrichtungen im Bistum

Im sozialen Bereich sind kirchliche Einrichtungen ein wesentlicher Baustein. Die katholische Caritas finanziert sich ebenso wie das Diakonische Werk der evangelischen Kirche zu zwei Prozent über Kirchengelder, was sich bundesweit auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag summiert. Alleine im Erzbistum München-Freising betreiben die Caritas und ihre Fachverbände zirka 1400 soziale Einrichtungen, darunter mehr als 200 Behinderteneinrichtungen, 58 Alten- und Pflegeheime sowie über 40 Kinderheime.

Die Finanzierung sozialer Einrichtungen der Kirche speist sich aus verschiedensten Quellen. Aus den Finanzmitteln des Erzbistums München-Freising erhalten karitative Verbände und Organisationen rund 28,57 Millionen Euro. 6,1 Millionen Euro fließen in Beratungsdienste. Weitere Einnahmequellen sozialer kirchlicher Einrichtungen sind staatliche Zuschüsse, Spenden sowie Teilnahmegebühren für angebotene Veranstaltungen und Kurse.

Mühldorf: Kostenlose Beratungsangebote für Eltern

Alleine im Landkreis Mühldorf betreibt die Caritas zwei Altenheime, eines in Mühldorf und eines in Haag. Die Beratungsangebote der Caritas umfassen die unterschiedlichsten Bereiche, wie zum Beispiel Schulden, Sucht und familiäre Probleme.Familien bietet das Caritas-Zentrum Mühldorf zudem Beratungen, Kurse und Vorträge zu Themen wie kindliche Entwicklung, Legasthenie und Umgang mit Scheidung an. Dieses Angebot diplomierter Pädagogen und Psychologen ist völlig kostenlos.

Bad Reichenhall: Mit der Sense Mähen lernen

Im Berchtesgadener Land bietet die katholische Jugendstelle ein umfassendes Freizeitangebot – wenn auch mit religiös-spirituellem Schwerpunkt. Das katholische Bildungswerk Bad Reichenhall hingegen beschränkt sich nicht auf religiöse Inhalte. Neben Computer-Kursen und kulturellen Angeboten können Interessierte einen Sensenmäh-Kurs für Anfänger belegen.

Rosenheim: Beratung bei schulischen Problemen

Ein pädagogisches Angebot verbunden mit christlichen Inhalten bietet das Schüler- und Stundentenzentrum Rosenheim. In der sogenannten Schulpastoral will die Einrichtung "alle Dimensionen von Lernen, Lehren und Leisten" mitgestalten, wie es auf der Internetseite des Zentrums heißt. Neben spirituellen Aktivitäten wie Meditationen, Abschlussklassen-Gottesdiensten und religiösen Besinnungstagen bietet die Einrichtung Lehrern, Eltern und Schülern Beratungen an. Dazu gehören ein Kommunikationstraining für Lehrer und ein mehrtägiges Coaching für Schüler mit schulischen Problemen.

Traunstein: Koran und Bibel im Vergleich

Caritas-Zentrum, katholische Jugendstelle und Schulpastoral gibt es auch im Landkreis Traunstein. Daneben richtet sich das Bildungs- und Exerzitienhaus St. Rupert ganz klar an Menschen mit spirituellem Interesse, was das Veranstaltungsangebot jedoch nicht auf christliche Inhalte festlegt. So lernen die Teilnehmer des Kurses "Bibel und Koran" Unterschiede und Gemeinsamkeiten der jüdischen, christlichen und muslimischen Gebetstradition kennen.

Alexander Belyamna

Quelle: innsalzach24.de

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