Er betrog zwei Brüder um 132.000 Euro

"Gnadenlos ausgenutzt": Haftstrafe gegen Laufener Ex-Stadtrat verschärft

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Traunstein/Laufen - Betrug in 13 Fällen: Ein ehemaliger Laufener Stadtrat wurde bereits im Juni verurteilt - nun wurde der Fall in einem Berufungsprozess neu aufgerollt. Der Mann muss nun noch länger ins Gefängnis.

"Sie haben den beiden ihr gesamtes Erspartes aus dem Kreuz geleiert und sie gnadenlos ausgenutzt", so die Richterin in der Urteilsbegründung: Im Juni wurde der frühere Laufener SPD-Stadtrat bereits zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt, nun wurde der Fall in einem Berufungsprozess neu verhandelt - mit schwerwiegenden Folgen für den Angeklagten: zwei Jahre und sechs Monate muss der Mann nun ins Gefängnis, entschied das Landgericht Traunstein am Montag.

"Meine Ehe und mein Leben sind kaputt"

Die beiden Brüder aus dem Landkreis Traunstein vertrauten dem Handelsvertreter insgesamt 132.000 Euro an um das Geld anzulegen - doch der Ex-Stadtrat ließ das Geld über drei Jahre in die eigene Tasche fließen: "Meine finanzielle Not war so groß, ich habe mich nicht mehr hinausgesehen", so der Mann vor Gericht. Immer wieder zeigte er sich reuig: "Mir tut das furchtbar leid und bereue das zutiefst. Meine Ehe und mein Leben sind kaputt."

Betrogener noch immer sauer: "Das ist dem scheißegal"

"Der hat uns voll ins offene Messer laufen lassen", zeigte sich einer der Geschädigten im Gericht noch immer aufgebracht, konnte seine Wut kaum zurückhalten. Er hatte zwischenzeitlich mit dem Hausbau begonnen, die Baufirma wollte Geld sehen: "Als ich das Geld dann wieder haben wollte, hat er es immer wieder hinausgeschoben. Ich habe eine Lüge nach der anderen zu hören bekommen. Bis heute habe ich keinen Cent gesehen, keine Entschuldigung bekommen. Das ist dem scheißegal." Auch sein Bruder, der zweite Geschädigte, zeigte sich vor Gericht "total enttäuscht": "Ich hatte ihm mein gesamtes Erspartes überlassen."

Von seinem Posten als Stadtrat in Laufen trat der Angeklagte erst während des ersten Prozesses im Juni zurück: "Ich war mir damals nicht über die Folgen klar", so der Mann heute, sonst wäre er schon früher als Stadtrat zurückgetreten. Seine Frau und sein Anwalt hatten ihm ohnehin schon zu diesem Schritt geraten.

Ex-Stadtrat arbeitete zuletzt als Tankwart

Der Angeklagte wohnte zuletzt in Österreich, arbeitete nur noch als Tankwart in Salzburg: "Ich habe ständig Bewerbungen geschrieben um mir ein zweites Standbein aufzubauen und den Schaden wiedergutzumachen." Dazu wird es nun wohl nicht mehr kommen. Verteidiger Udo Krause plädierte auf eine Bewährungsstrafe, auch weil der Ex-Stadtrat sich davor nie etwas zu Schulden kommen ließ.

"Sie haben die Drucksituation erst aufgebaut, dass die beiden Brüder das Geld bei Ihnen anlegen sollen. Sie waren die Triebfeder und haben die beiden gnadenlos ausgenutzt", so das Gericht in der Urteilsbegründung. Die Verteidigung kündigte nach dem Prozess an, in Revision gehen zu wollen. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / David-Wolfgan

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