Prozess vor dem Amtsgericht Laufen

"Die Tat ist eklig, widerwärtig und hat nix mit Brauchtum zu tun"

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Prozeß vor dem Amtsgericht Laufen - Übergriff durch ein Buttnmandl
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Laufen - 9 Neun Monate auf Bewährung, eine Bewährungsfrist von drei Jahren und eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro. So das Urteil im Buttnmandlprozess. So ist es dazu gekommen:

Nach knapp drei Stunden fiel das Urteil im Buttnmandlprozess vor dem Amtsgericht Laufen. Verurteilt wurde der Angeklagte zu neun Monaten auf Bewährung, mit einer Bewährungsfrist von drei Jahren und einer Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro. Verurteilt wurde der Angeklagte wegen sexueller Nötigung in minderschwerem Fall.

Das ist passiert

Am 5.12.2016 besuchte die Bernei Bass eine Jugendeinrichtung in der Schönau am Königssee. Nach dem offiziellen Teil wurden zwei Betreuerinnen nach draußen gezogen. "Da war ja noch alles ok, auch das Busserl auf der Wange". Nicht mehr ok für die Geschädigten, Richter und Staatsanwältin war, dass im weiteren Verlauf beide Frauen nacheinander ein Stück außerhalb des Hofs zu Boden geworfen wurden. 

"Ein Strohbuttnmandl setzte sich auf mich drauf und steckte mir seine Zunge in den Mund. Außerdem hatte ich überall Hände. Mein Hemd war offen und ich fühlte die Hände sogar unter meinem Unterhemd auf meinen Brüsten. Sogar in die Jeans hat man mir gegrapscht". 

Das zweite Opfer berichtete ähnliches. "Erst legte sich ein Buttnmandl auf mich drauf, dann ein Zweites. Ich habe geschriehen, dass ich keine Luft mehr bekomme. Der oberste ist dann aufgestanden. Aber der andere hat sich auf mich gesetzt und versucht mir seine Zunge in den Mund zu stecken. Aber ich habe mich so gewehrt, dass er mir dann nur das ganze Gesicht abgeleckt hat. Dann hat er mir das T-Shirt hochgezogen und in den BH gegrapscht. Unter der Dusche habe ich dann gesehen, dass ich richtig schwarz am Körper war".

Hilfe durch ein Ganggerl der Bernei Bass

Ein Ganggerl aus der Bass ist ihnen zu Hilfe gekommen und stand als Zeuge mit vor Gericht. "Der Heimleiter hat mir gesagt, ich solle mal nach seinen Mitarbeiterinnen schauen", so der Zeuge vor Gericht. Und ergänzt: "Ich weiß nicht, wer das Strohbuttnmandl war, der auf der einen Frau drauflag. Aber das Fellbuttnmandl hatte die Maske abgenommen." Auf den Hinweis des Richters, dass der Angeklagte gesagt habe, dass er sich schützend auf die Frauen draufgelegt hätte und sie nicht geküsst habe, entgegnete der Zeuge "das kann sein, da kann ich nichts zu sagen".

Abschließend wollte der Richter noch wissen: "Sie sind der einzige von der Bass, der eine Aussage macht, alle anderen scheinen unter Gedächtnisverlust zu leiden. Wie kommt es dazu?". 

Eine den Richter befriedigende Aussage gab es nicht: "Ich bin halt mit Abstand der Älteste, wir sehen uns das Jahr über nicht, das weiß ich nicht".

Ein zorniger Nikolaus als Zeuge vor Gericht

Als nächster Zeuge kam der Nikolaus der Bernei Bass. "Ich habe nicht mitbekommen was passiert ist. Ich habe mit den Angestellten noch geratscht, dann sind wir weiter und nach circa 1,5 bis 2 Stunden kam der Heimleiter hinterher und hat mir erzählt, was passiert ist". Und ergänzt:" Er hat mir gesagt, dass er reagieren müsse, weil zwei seiner Damen begrapscht worden seien und sogar deren Unterwäsche schwarz gewesen sei. 

Ich bin dann ziemlich zuwider zur Bass und habe gefragt, was geschehen sei". Ziemlich aufgebracht berichtet der Nikolaus weiter, dass "zunächst alle nur herumgedruckst hätten und keiner etwas sagen wollte. Erst als ich gedroht habe mein Gewand auszuziehen, sei das Ganggerl das dabei war langsam damit herausgerückt, dass er etwas wisse". Und ergänzt: "Ich habe ihnen dann gesagt, dass sie das wieder in Ordnung bringen müssen". 

"Das sind nicht die Unsrigen, das gibt nur Gschiss"

Im weiteren Verlauf erläutert er dem Richter: "Ich bin seit zehn Jahren dabei, man hat immer ein paar dabei, die über die Strenge schlagen, aber der Rest ist in Ordnung

Das merkwürdige ist, dass wenn 5 oder 6 aufhören, auch immer die gleiche Anzahl wieder nachkommt. Aber der Angeklagte hatte vorher schon gemurrt, dass wir nicht zu der Einrichtung gehen sollten. Das sind nicht die Unsrigen, das gibt nur Geschiss hat er zu mir gesagt".

Das hat mit Brauchtum nix zu tun

"Das hat mit Brauchtum nix zu tun. Das sind Auswüchse der besonderen Art", so der Richter zum Zeugen. Und ergänzt: "Mich wundert, dass die zum Entschuldigen hingelaufen sind, obwohl sie eigentlich nichts damit zu tun hatten?"

Als nächstes wurde der Buttnmandlmeister der Bernei Bass in den Zeugenstand gerufen. "Es besteht der dringende Verdacht, dass ihr Bruder der Grapscher ist. Sie brauchen Ihren Bruder nicht zu belasten, aber wenn sie Angaben machen, dann müssen diese auch richtig sein".

Buttnmandlmeister mit Gedächtnisverlust?

"Ich weiß nicht mehr", so seine Antwort und dann herrschte großes Schweigen. Der Richter versuchte mehrere Anläufe um eine Antwort zu bekommen: "Es ist doch ganz offensichtlich, dass hier Abreden untereinander erfolgt sind. Von den Zeugen haben wir ganz eindeutige Aussagen. Mit Ausnahme von der Bernei Bass, die leiden anscheinend alle unter Gedächtnisverlust". 

Auch der Hinweis des Richters an den Zeugen: "Ich weiß, dass das hier eine blöde Situation ist, aber solche Auswüchse haben mit Brauchtum nichts zu tun. Wenn Sie hier eine Falschaussage machen, dann wird die wesentlich härter bestraft wie das, was hier im Raum steht. Der Vorfall hat sich auf einer Fläche von zehn Metern abgespielt, Sie können mir nicht weismachen, dass Sie nichts gesehen haben."

"Wollen Sie uns vergackern?"

"Keine Ahnung", "Ich weiß nicht", so lauteten die knappen Antworten des Zeugen. Auch der Hinweis des Richters "Wenn Sie jetzt weiter hier rumeiern, dann müssen Sie das ganz alleine ausbaden" lockten nicht wirklich eine Regung hervor. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit erläuterte der Buttnmandlmeister doch noch, dass "ein Strohbuttnmandl auf der Frau saß, dass ich hinunter gezogen habe. Aber ich weiß nicht, wer es war." Der Richter beendete die Befragung mit dem Hinweis: "Sie können mir nicht erklären, dass Sie als Buttnmandlmeister nicht wüssten, wer derjenige war? Ich beende die Befragung hiermit".

Eindeutige Beweislage?

Es folgte noch die Aussage des Polizisten, der die Anzeige aufgenommen hat und bei dem sich nach Veröffentlichung der Polizeimeldung über diesen Vorfall zahlreiche Mitglieder der Bass telefonisch gemeldet haben, dass sie "nichts mit dem Vorfall zu tun hätten und auch nichts gesehen hätten".

Das forderte die Staatsanwaltschaft

"Ich habe keinerlei Zweifel, dass es nicht der Angeklagte war", so die Staatsanwältin, die nach einer kurzen Wiederholung des Tathergangs eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten für den Angeklagten forderte. 

"Für mich liegt hier kein minderschwerer Fall vor, so wie er auf ihr gekniet hat und auch keinerlei Reue gezeigt hat. Zu seinen Gunsten gilt lediglich, dass er noch nicht vorbestraft ist und alkoholbedingt enthemmt war."

Anwalt

"Ich möchte die Opfer nicht verhöhen, in dem ich hier auf das Brauchtum verweise, auch das rechtfertigt solche Übergriffe nicht. Die Staatsanwältin wirft Ungereimtheiten in der Aussage des Angeklagten vor, aber dieser ist verbal nun mal nicht so geschliffen", so der Anwalt. 

Und ergänzt: "Er hat den Vorfall aus seiner Sicht geschildert, wie zum Beispiel, dass er ein anderes Fellbuttnmandl weg gestoßen hat um zu helfen, auch wenn das Opfer sagt, dass kein Wechsel stattgefunden hätte."

So urteilt der Richter

"Das Verhalten des Angeklagten erfüllt den Straftatbestand der sexuellen Nötigung. Der Paragraph 177 STGB sagt aus, dass es sich um Gewaltanwendung handelt, wenn ein Täter sich auf das Opfer legt. Nach dem Paragraph 177 Absatz 5 gilt bei sexueller Nötigung ein Strafmaß von 1- 15 Jahren", so der Richter.

Und ergänzt: "Strafmildernd ist, dass der Täter nicht vorbestraft ist und eine erhebliche alkoholische Enthemmung vorlag. Aber die Tat ist eklig und widerwärtig und hat mit Brauchtum nix zu tun. Da kein Geständnis vorliegt, wird über das Mindestmaß hinausgegangen und als Denkzettel noch eine Geldbuße von 1.000 Euro verhängt". Abschließend fügt er hinzu:

"Es ist bedauerlich, dass der zweite Täter nicht ermittelt werden konnte. Es besteht zwar ein dringender Tatverdacht, aber es kann leider niemand überführt werden. Ich finde es auch sehr bedauerlich, wie eng die Mitglieder der Bernei Bass zusammenhalten

Es ist davon auszugehen, dass zumindest einige die Tat gesehen haben, stattdessen scheinen alle an Gedächtnisverlust zu leiden. 

Hervorzuheben ist, dass zumindest einer von ihnen den Mut hatte als Zeuge auszusagen, während die Aussage von dem Buttnmandlmeister wahrlich beeindruckend war."

Danach herrschte Stille im Raum - die Verhandlung war beendet.

Quelle: BGland24.de

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