Lawinen-Drama: Nur ein Sohn konnte sich retten

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Christian Küblbeck (42, links) kam bei dem Unglück in der Schweiz ums Leben. Sepp Küblbeck (46) gelang es, sich aus der Lawine zu befreien, er überlebte.

Bad Aibling/Graubünden - Bei dem Lawinenunglück am vergangenen Wochenende in Davos waren zwei Aiblinger Brüder unter den vier Verschütteten. Jetzt erzählen die Eltern der Verunglückten.

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Es sollte ein vergnüglicher Skitouren-Ausflug in die Schweiz werden. Doch es endete in einer Tragödie. Bei dem Lawinenunglück am vergangenen Wochenende in Davos waren zwei Aiblinger Brüder unter den vier Verschütteten. Während sich Sepp Küblbeck (46) nach stundenlangem Kampf aus dem Schnee befreien konnte, kamen die anderen ums Leben – darunter sein Bruder Christian (42).

Von dem Wochenend-Ausflug ihrer Söhne im Gebiet Gorigrad am Flüelpass wussten Hildegard und Fritz Küblbeck nichts. Umso größer der Schock für die Eltern, als am Sonntagabend die Polizei vor ihrer Haustür in Bad Aibling stand. „Wir konnten nicht glauben, was uns die drei Beamten sagten“, erinnert sich die Mutter. Für die Eltern sind die dramatischen Ereignisse nur schwer zu verstehen. „Unsere Söhne und ihre Freunde waren erfahrene Bergsteiger. Seit Kindestagen sind sie sommers wie winters in den Alpen unterwegs.“

Die Lawine, in der die Küblbeck-Brüder verunglückt sind

Vater Fritz Küblbeck sieht eine Verkettung von Fehlern als Ursache für das Lawinenunglück, welches die vier Männer vermutlich selbst ausgelöst haben: „Die Gruppe war anscheinend noch eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit auf 2700 Meter Höhe und musste auf 1600 Meter hinabfahren. Die Zeit drängte also“, so Küblbeck. Einhergehend mit der drohenden Dunkelheit sei dann wohl auch der nächste Fehler passiert. „Statt einzeln abzufahren, fuhren sie auf dem nassen Neuschnee direkt hintereinander. So erwischte die Lawine alle, keiner konnte den anderen retten“, so der Vater, der immer wieder den Hergang zu rekapitulieren versucht.

Für die Region galt an diesem Tag die Lawinengefahrenstufe „erheblich“ (Stufe 3 von 5, Auslösung bereits bei geringer Zusatzbelastung).

Für die Eltern besonders unverständlich: Wie kam es zu den Fehleinschätzungen? Schließlich hatte Christian erst vor kurzem einen Lawinenkurs besucht. Sohn Sepp, einziger Snowboarder der Gruppe, gelang es, sich nach acht Stunden aus den tonnenschweren Schneemassen zu befreien und per Handy die Bergwacht zu alarmieren.

„Innerhalb einer Viertelstunde waren zwei Rettungshubschrauber mit 20 Einsatzkräften vor Ort“, weiß der Vater. Doch für die drei Skifahrer kam jede Hilfe zu spät. „Sepp wurde mit Erfrierungen an den Fingern ins Krankenhaus nach Davos gebracht. Mittlerweile ist er wieder zu Hause bei seiner Familie in Baden-Württemberg und wird psychologisch betreut“, so Fritz Küblbeck.

Zur Beerdigung von Bruder Christian am Donnerstag werde er aber kommen, ebenso Schwester Heidi, die in Peru lebt.

Christian Küblbeck arbeitete als Diplom-Physiker in Erlangen. „Den Kontakt zu seinen Freunden aus der Aiblinger Schulzeit hat er aber nie verloren. Er hat mit ihnen oder mir immer wieder Touren unternommen“, so der Vater.

Silvia Mischi/Oberbayerisches Volksblatt

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