"Da hab ich nicht lange nachgedacht"

Lebensretter vom Inn bleibt bescheiden

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Der Lebensretter wollte nicht mit auf's Foto. Von der Innbrücke in Gars sprang am Donnerstag ein Mann in Höhe der zweiten Laterne, ein Gemeindemitarbeiter rettete ihn ohne groß nachzudenken
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Gars – Ein 56-jähriger Mitarbeiter der Kläranlage in Gars hat einen Mann gerettet, der von der Innbrücke sprang. Im Interview erzählt er, warum er das Risiko nicht scheute.

„Ich habe nicht lange überlegt, ich wusste, da geht es um jede Sekunde“, erklärt Manfred Vaas seine Reaktion. Er fuhr vom Klärwerk in Richtung Hauptstraße, als er den Mann plötzlich von der Brücke in den Inn springen sah.

„Ich hab sofort einen Kollegen angerufen, eine Meldung abgesetzt und dann bin ich gleich zu dem Mann hingeschwommen“, erklärt der Lebensretter.

Das Wort Lebensretter gefällt ihm gar nicht so gut, bescheiden erklärt er, dass ihm großes Aufsehen nicht besonders liege. „Ich habe das für dieses Menschenleben gemacht und nicht, um hier als Held gefeiert zu werden“, so Vaas im Interview.

Ungefähr bei der zweiten Laterne am Gelände der Innbrücke sei der Mann gestanden, bevor er sprang, erzählt der mutige Gemeindemitarbeiter.

„Wenn ich länger gewartet oder das Risiko abgewogen hätte, dann wäre es vielleicht schon zu spät gewesen, da muss man sofort handeln“, zeigt sich der 56-Jährige überzeugt. „Hätte ich den Mann nicht springen gesehen, das hätte womöglich niemand bemerkt“. Ungefähr zehn Meter sei er bis zu dem im Wasser treibenden Mann geschwommen. „Jetzt bin ich froh, dass alles soweit gut gegangen ist. Der Mann war kopfüber im Wasser, er hat sich nicht gewehrt, als ich ihn ergreifen konnte und ans Ufer gebracht habe“, so Vaas gegenüber unserer Redaktion.

Angst vor dem mächtigen Inn hatte er nicht. „Bei Hochwasser ist der relativ friedlich“.

Für ein Foto stand Manfred Vaas nicht zur Verfügung. „Ich war klatschnass nach dieser Rettungsaktion und hab mich kurz umgezogen, dann gleich weitergearbeitet. So wichtig nehme ich mich selbst nicht. Darum brauch ich mich auch nicht in der Öffentlichkeit darstellen“, findet Vaas.

"Ich ziehe den Hut vor allen Lebensrettern"

Lob und Tadel zugleich kommt vom Bürgermeister aus Gars. „Als ich davon gehört habe, bin ich zu Manfred gefahren und habe ihm gedankt, dass er den Mann aus dem Wasser gerettet hat“, erzählt Norbert Strahllechner im Interview mit unserer Redaktion.

Bürgermeister Norbert Strahllechner dankt seinem Mitarbeiter, der am Donnerstag einen Mann aus dem Inn gerettet hat, zugleich mahnte er das enorme Risiko an, in das sich Manfred Vaas mit der Rettungsaktion auf sich genommen hatte.

„Aber gleichzeitig habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht, in welche Gefahr er sich gebracht hat“, so der Rathauschef. Strahllechner selbst hätte den Einsatz einer Rettungsleine vorgezogen, Manfred Vaas habe sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, glücklicherweise sei alles gut gelaufen, so das Gemeindeoberhaupt weiter. „Manfred Vaas hat mir erzählt, dass es wie ein Reflex gewesen sei, und er einfach handeln haben wollen, bevor es zu spät gewesen wäre“, berichtet Strahllechner weiter. „Manfred ist ein bescheidener und sehr angenehmer Mensch“, bestätigt der Bürgermeister.

Als Manfred Vaas den Mann ans Ufer gezogen hatte, half ihm sein Kollege Peter Mangstl, diesen bis zum Eintreffen des Notarztes mit ersten Maßnahmen zu versorgen. „Der Verletzte war wohl zunächst nicht ansprechbar, aber die beiden konnten ihm helfen, Mangstl beispielsweise konnte hier seine Erfahrung als Feuerwehrmann einbringen“, erzählte Norbert Strahllechner weiter. „Ich ziehe meinen Hut vor Manfred Vaas und allen, die anderen Menschen so selbstlos das Leben retten“, betont das Gemeindeoberhaupt.

Der Mann, der am Donnerstagmorgen von der Innbrücke in Gars ins Wasser gesprungen ist, wird aktuell im Krankenhaus behandelt. Sein Lebensretter Manfred Vaas zeigt sich absolut bescheiden. „Ich bin einfach froh, dass ich ihn lebend aus dem Inn ziehen konnte“, so Vaas abschließend.

Quelle: innsalzach24.de

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