Nach Prozess am Amtsgericht Traunstein

Lehrerin verletzte Schülerin (6): Jetzt sprechen die Eltern

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Landkreis Traunstein - Nach einer Zahlung von 3000 Euro wurde das Verfahren gegen eine Lehrerin eingestellt: Sie wurde im Unterricht übergriffig, verletzte eine Sechsjährige - nun melden sich die Eltern zu Wort. 

Wie reagiert man als Mutter, wenn die sechsjährige Tochter weinend und verletzt von der Schule heimkommt - mit Schürfwunden am Hals, und ausgerechnet die Lehrerin wird beschuldigt? "Ich war einfach nur schockiert und wütend. Man fühlt sich im ersten Moment hilflos", erzählt die Mutter gegenüber chiemgau24.de. So geschah es am 15. November 2018, am vergangenen Dienstag landete der Fall aus einer Schule im nördlichen Landkreis Traunstein dann vor dem Amtsgericht.

"Wollten unserer Tochter Aussage vor Gericht ersparen"

Nach der Aussage der 49-jährigen Lehrerin, sie habe das Mädchen am Kragen hochgezogen und sich umgehend vor der Klasse entschuldigt, einigten sich die Gerichtsbeteiligten, das Verfahren wegen Körperverletzung im Amt einzustellen. 3000 Euro muss sie an die Eltern zahlen, ohne Verurteilung. "Wir haben das akzeptiert und wollten vor Gericht nicht aussagen, weil dann auch unsere Tochter als Zeugin vernommen worden wäre. Das wollten wir ihr ersparen", so die Eltern übereinstimmend. 

Eltern schildern Übergriff der Lehrerin drastischer

Doch inzwischen bereuen sie ihre Zurückhaltung: "Das Gericht hat nur die Version der Lehrerin gehört." Die beiden Eltern und ihre inzwischen siebenjährige Tochter schildern den Fall nämlich drastischer. Nicht ein hochgezogener Kragen habe die Schürfwunden hinterlassen, sondern die Finger einer zudrückenden Hand. "Sie hat meine Tochter am Nacken gepackt, zugedrückt und geschüttelt." Auch die Staatsanwaltschaft schrieb im Strafbefehl von einem Zupacken und Schütteln, die Fotos der Abdrücke am Hals des Mädchens scheinen das zu bestätigen.

Noch heute reagiert das Mädchen bei eigentlich harmlosen Berührungen manchmal panisch. Und seit sich die 49-jährige Lehrerin krank meldete - sie ist noch immer in psychotherapeutischer Behandlung und unterrichtet nicht - geht die Siebenjährige auch wieder gern zur Schule. "Aber am ersten Tag nach dem Vorfall hat sie gezittert und wollte nur mit meiner Begleitung rein", erzählt die Mutter. Sie und ihr Mann stellen aber auch klar: "Die Lehrerin brachte den Stoff gut rüber. Sie war streng, das war in Ordnung. Nur solche Methoden gehen halt nicht." Schon der ältere Sohn ging bei ihr in den Unterricht, dort gab es kaum etwas zu beklagen.

Wie sollten betroffene Eltern reagieren?

Wie sollten Eltern, deren Kindern ähnliches widerfährt, am besten reagieren? "Auf jeden Fall erstmal mit der Schulleitung und dem Schulamt sprechen - und natürlich mit der Lehrkraft", so die Eltern. Nur wenn das nichts mehr helfe, dann im nächsten Schritt, mit Fotos und einem Arztbefund, zur Polizei. "Aber bloß nicht die Füße stillhalten und das Kind auf sich alleingestellt lassen." Ja, auch die Eltern der Siebenjährigen hatten Bedenken, die Tochter könnte auf der Schule Nachteile bekommen - doch inzwischen sind sie froh: "Die Lehrerin wird unsere Tochter nicht mehr unterrichten. Es war richtig, zur Polizei zu gehen."

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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