Lehrerverband will Zwischenzeugnisse abschaffen

München - Am Freitag gibt es für Bayerns Schüler wieder Zwischenzeugnisse. Doch der Lehrerverband will diese bloßen Bewertungs-Zettel abschaffen.

Die Zwischenzeugnisse in der jetzigen Form sollten möglichst bald abgeschafft werden, sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel nach Verbandsangaben vom Dienstag. Wenzel appellierte an die Eltern, ihren Kindern vor den Übertrittszeugnissen an weiterführende Schulen nicht zu viel Druck zu machen: Sie sollten sich klar machen, dass die Schule heutzutage viel von ihren Kindern verlange. In der Zeit der Zwischen- und Übertrittszeugnisse würden die „Kinder krank, Eltern hysterisch und Lehrer verzweifelten an ihrem Beruf“. Jedes Jahr wiederhole sich das gleiche Drama und nichts ändere sich.

Besonders anstrengend seien die vergangenen Wochen für Dritt- und Viertklässler gewesen, aber auch für Schüler, die Eingangsklassen von Gymnasien und Realschulen besuchten. Zwischen- und Übertrittszeugnisse seien jedoch „Instrumentarien eines überholten Lern- und Leistungsbegriffes“. Mit der Vermittlung von Kompetenzen, nachhaltigen Lernprozessen und der Förderung von Motivation hätten sie wenig zu tun. „Die in den Zeugnissen stehenden Ziffernnoten sagen nicht viel über den tatsächlichen Lernfortschritt Heranwachsender aus. Trotzdem entscheiden sie über Bildungsbiografien.“ Zeitgemäß seien stattdessen individualisierte Lern- und Förderpläne, oder Lehrpläne, die auf einzelne Schüler zugeschnitten werden könnten.

Kampf um Übertritt wird immer schlimmer

Es sei zynisch, dass Kultus- und Familienministerium regelmäßig vor der Zeugnisvergabe auf Sorgentelefone und spezielle Notfalladressen hinwiesen, um vermeintlich schlechten Schülern Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen. „Um wie viel sinnvoller wäre es denn, lange Zeit vorher dafür zu sorgen, dass Kinder solche Angebote gar nicht brauchen.“

Der alljährliche Kampf um den Übertritt auf die weiterführenden Schulen sei „zermürbend für alle Beteiligten“ und verschlimmere sich von Jahr zu Jahr. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten sei es verständlich, dass sich Eltern für ihre Kinder möglichst hohe Schulabschlüsse wünschen und im Gymnasium den Königsweg sähen. Überall, wo es gewünscht wird, sollten Schulen gegründet werden, die Kindern längeres gemeinsames Lernen ermöglichen.

Die Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) betonte derweil in einem Brief an Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), die Eltern hätten das Recht auf freie Wahl der Schule für ihr Kind. Anlass seien nicht abreißende Vorwürfe gegen die Eltern, sie seien in dieser Frage nicht kompetent. Lehrer hingegen würden ihr Kind am besten kennen. Ein Blick in das Grundgesetz und in die Bayerische Verfassung zeige, dass der Erziehungsauftrag der Eltern „hoheitliche Züge“ trage.

dpa

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