Mit einem Küchenmesser ermordet

Mutter findet Leiche ihrer Tochter hinterm Kachelofen - nun sagt sie aus

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Der wegen des Mordes seiner Freundin angeklagte Dominik R. (M) sitzt beim Prozessauftakt im Landgericht in Passau zwischen seinen Rechtsanwälten Thomas Krimmel (r) und Holm Putzke. Der 23-Jährige soll im Oktober 2016 in Freyung seine Freundin getötet haben.

Drei Wochen lang hat eine 43-Jährige aus Niederbayern keinen Kontakt zu ihrer Tochter, erhält nur ausweichende Handynachrichten. Dann findet sie die Leiche der 20-Jährigen. Der Lebensgefährte ist in Passau wegen Mordes angeklagt. Die Mutter sagte nun als Zeugin aus.

Passau - In einer Nische hinter dem Kachelofen findet sie beim Putzen die Leiche ihrer Tochter: Im Prozess um den Mord an einer jungen Frau aus dem niederbayerischen Freyung hat am Freitag deren Mutter ausgesagt. Angeklagt ist der Lebensgefährte des Opfers. Er soll die 20-Jährige im vergangenen Herbst mit einem Küchenmesser getötet haben. Emotional sichtlich angeschlagen berichtete die Mutter vor dem Landgericht in Passau von der Beziehung ihrer Tochter zum Tatverdächtigen und vom gemeinsamen Sohn der beiden, der nun bei ihr lebt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23 Jahre alten Angeklagten Mord vor. Er soll die Tat aus niederen Beweggründen sowie heimtückisch begangen haben, weil er eine im Raum stehende Trennung nicht habe hinnehmen wollen. Sein argloses Opfer soll er nachts im Schlafzimmer angegriffen haben. Zu dem Tatvorwurf äußerte sich der Angeklagte im Verlauf des Prozesses bislang nicht.

Der Fall hatte vergangenes Jahr bundesweit Schlagzeilen gemacht. Der Verdächtige war mit seinem Sohn nach Spanien geflohen und hatte sich ein Tattoo unter anderem mit dem Namen des Opfers, dem mutmaßlichen Datum der Ermordung und dem Spruch „Gracias por todo“ („Danke für alles“) stechen lassen.

Angeklagter wirkt seltsam unbeteiligt

Die Mutter des Opfers bezeichnete den 23-Jährigen als „überheblich“, „aufgesetzt“, „bequem“ und „uninteressiert“. Auch im Gerichtssaal wirkte der 23-Jährige seltsam unbeteiligt, als ginge ihn die Verhandlung nichts an. Er gähnte, rutschte auf dem Stuhl herum, rieb sich müde die Augen, legte den Kopf zurück. Zwischendurch machte er sich Notizen und sprach mit seinen Anwälten.

In der Beziehung des jungen Paares habe es von Anfang an viel Streit gegeben, mehrmals hätten sich die beiden getrennt, sagte die Mutter. Das Baby sei nicht geplant gewesen, jedoch habe sich die Tochter darüber gefreut und sei fürsorglich gewesen. Der bereits wegen Einbruchs verurteilte Vater des Buben habe sich kaum um das Kind gekümmert. Deswegen habe es Streit gegeben, aber auch, weil der Freund Geld verspielt und aus Eifersucht das Handy der 20-Jährigen kontrolliert habe.

Bei einer erneuten Trennung im vergangenen Sommer habe die Tochter gesagt, ihr Freund solle endlich aus ihrem Leben verschwinden, sie wolle ihre Ruhe haben, berichtete die Mutter unter Tränen. Die 20-Jährige sei eine neue Beziehung eingegangen. „Sie war wieder gut drauf, hat gelacht und war glücklich. So unbeschwert.“ Deswegen, so sagte die Mutter, sei sie überrascht gewesen, als der 23-Jährige wenig später wieder bei der Tochter einzog. Er habe behauptet, nun Verantwortung für sein Leben und für das Kind übernehmen zu wollen.

Ende Oktober sei die Tochter verschwunden, berichtete die Mutter. Zwar habe sie Handynachrichten bekommen, nach denen die Tochter in den Urlaub gefahren sei, jedoch keinen persönlichen Kontakt mehr gehabt. Nach drei Wochen sei sie mit zwei Polizisten in die Wohnung der Tochter in Freyung gegangen, die zwar einen starken Geruch feststellten, jedoch nichts fanden. Einen Tag später sei sie mit ihrem Mann zurückgekehrt, um zu putzen.

„Ich dachte erst, das ist ein alter Teppich.“

Katzenklos, Müll- und Windeleimer seien überfüllt gewesen. Die Wohnung habe ausgesehen, als sei sie fluchtartig verlassen worden, sagte die Mutter. In einer Nische hinter dem Kachelofen habe sie dann die in Plastik verpackte Leiche entdeckt. „Ich dachte erst, das ist ein alter Teppich.“

Der zweieinhalb Jahre alte Sohn habe vor allem in den ersten Monaten nach dem Tod der Tochter nachts viel geweint und nach seiner Mutter gerufen, sagte die 43-Jährige. Mehrmals habe er „Mama aua“ gerufen und einmal beim Anblick eines Kuchenmessers zu schreien begonnen. Was der Bub von der Tat mitbekommen hat, sei unklar.

dpa

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