Eure Erfahrungen mit Corona

Die ganze Familie von Tanja hatte Corona: „Bei uns setzte Panik ein“

Wie ist es eigentlich, wenn man an Corona erkrankt ist? Unsere Leserin Tanja teilt ihre persönlichen Erfahrungen.
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Wie ist es eigentlich, wenn man an Corona erkrankt ist? Unsere Leserin Tanja teilt ihre persönlichen Erfahrungen.

Landkreis - Täglich liest man von steigenden Corona-Zahlen und neuen Fällen in unserer Region. Dennoch kennen viele Menschen niemanden, der direkt betroffen war oder ist. Wir möchten die Geschichten derer aufgreifen, die Corona hatten oder noch erkrankt sind. Ihr habt uns Eure Erfahrungen geschickt.

Seit Anfang des Jahres gibt es kaum ein anderes Thema also Corona. 773.556 Deutsche sind bislang an Covid-19 erkrankt, 12.378 starben leider (Stand: 14. November, 0 Uhr, Quelle: RKI). Seit Montag, 2. November, befindet sich Deutschland wieder im Lockdown. Auch hier in der Region steigen die Zahlen seit Monaten wieder, so ging das Berchtesgadener Land am 20. Oktober als erster Landkreis Deutschlands wieder in den Lockdown Light. Und trotzdem kennen viele Leute niemanden, der Corona hatte oder hat.

Berichten nach kann die Erkrankung sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Menschen bemerken von der Infektion gar nichts, obwohl sie bereits im gehobenen Alter sind. Andere landen im Koma, obwohl sie keine Vorerkrankungen haben. Eine einzige Erfahrung der Krankheit gibt es nicht.

Wir wollen Eure Geschichten erzählen und haben Euch nach Euren Erfahrungen mit dem Virus gefragt.

Das sind die Erfahrungen unserer Leser mit dem Corona-Virus:

Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und spiegelt nicht die Ansicht(en) der Redaktion wieder.

Goran aus Wasserburg

Meine Geschichte mit dem Corona-Virus ist sehr interessant. Denn wir haben es irgendwie geschafft, dass, obwohl ich mich mit Corona infizierte, sich meine Frau und Kinder (acht und eins) nicht angesteckt haben. Ich habe mich damals (Anm. der Redaktion: nach der Diagnose) sofort im Kinderzimmer isoliert, weil das zuständige Gesundheitsamt uns sagte, dass Corona hoch ansteckend ist und mit größter Wahrscheinlichkeit alle andere Familienmitgliedern auch Corona bekommen.

Wir benutzen im Haushalt alle dieselbe Toilette, deswegen haben wir diese immer desinfiziert. Wenn zukünftig erste Symptome (wie bei Erkältungen etc.) auftreten sollten, werde ich mich wieder sofort isolieren. Das habe ich auch damals gemacht, was am Ende gut war. Ich hatte insgesamt über 30 Kontakte in der Arbeit und privat, habe aber Gott sei Dank niemanden angesteckt.

Insgesamt war ich 23 Tage isoliert. Damals war sich beispielsweise niemand sicher, wie lange das Virus noch auf Oberflächen überleben kann. Ich arbeite im medizinischen Bereich und habe mich mit dem Virus bei einem Patienten angesteckt.

Ich hatte erst Gliederschmerzen und danach drei Tage lang Fieber. Am fünften Tag habe ich Augenentzündung bekommen, am siebten Tag kam Abgeschlagenheit dazu. Am elften Tag war ich wieder gesund. Also ich hatte gar keine Probleme mit der Lunge, ich habe zum Glück nur sehr leicht gehustet. Das Ganze ist nun sieben Monate her.

Markus aus Oberaudorf

Ich wurde vor etwa drei Wochen positiv auf Corona getestet. Ich hatte außer einem leichten Schnupfen vor dem Test keinerlei Symptome und habe mich nur testen lassen, da sich in meinem näheren Umfeld jemand mit Corona infiziert hatte.

Ich begab mich, wie vom Gesundheitsamt angeordnet, zehn Tage lang in Quarantäne. Im Verlauf dieser Zeit hatte ich auch weiterhin, außer eben dem leichten Schupfen und einem leichten Husten, keinerlei Krankheitssymptome. Ich hatte in meinem Leben schon eine Vielzahl von Erkältungen, welche wesentlich unangenehmer und hartnäckiger waren.

Der einzige große Unterschied zu einer Erkältung (von einer Grippe mag ich gar nicht reden, wer mal eine wirklich schwere Grippe hatte, weiß wie deren Verlauf ist) war, dass ein tatsächlich kompletter Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes eintrat. Die Sinne kamen nach etwa zehn Tagen wieder langsam zurück und sind jetzt wieder völlig ausgeheilt.

In meinem Umfeld kenne ich circa 20 Personen, die sich in den letzten sechs Monaten mit Corona infiziert haben. Hiervon ist mir ein Fall mit einem schweren Verlauf, sprich zwei Wochen starke grippeähnliche Symptome, Fieber etc. bekannt. Die anderen Personen hatten wie ich nur leichte Symptome und es haben sich einige über 60 und 70 Jahre alte erkrankte Personen unter selbigen befunden.

Dass Corona keine „gewöhnliche“ Grippe ist, ist wohl jedem mittlerweile bekannt, aber bei einem Virus, dass laut WHO bei rund 80 Prozent der Infizierten einen milden Verlauf nimmt, einen Großteil der Wirtschaft nachhaltig zu schädigen, eine Welle von Betriebsschließungen im Gastronomiebereich, Kultur, Freizeiteinrichtungen etc. mit den damit zusammenhängenden persönlichen Schicksalen einfach in Kauf zu nehmen, mit Maßnahmen, die mittlerweile auch von führenden Organisationen wie der KVB dem RKI usw. als nicht förderlich bezeichnet werden, halte ich für mehr als fragwürdig.

Wie oft will man noch in den Lockdown gehen oder einen Lockdown light, oder vielleicht gibt’s ja bald auch einen Lockdown medium oder eine Corona-Ampel mit zehn Farben? Ich hoffe, es findet bald ein Umdenken in der Politik im Umgang mit diesem Virus statt.

Tanja Sazonov

Ich bin Tanja Sazonov und das ist meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Corona. Immer wieder stellten wir uns die Frage: Wie ist es eigentlich, wenn man das Coronavirus hat? Denn nicht jeder Infizierte leidet unter einem schweren Verlauf. Meine Familie und unsere Freunde haben die Tradition, am Sonntag zusammen Mittag zu essen. Ein paar Tage später hatte mein Mann typische Symptome, wie Kopfschmerzen und Husten. Mein Sohn hatte keine Symptome und auch kein Fieber.

Ich wollte aber auf Nummer sicher gehen und habe einen Abstrich bei der ganzen Familie machen lassen. Ich selbst bin negativ getestet worden, mein Mann und Sohn haben aber einen positiven Test gehabt. Wir haben uns nach dem Ergebnis in Quarantäne begeben und unsere Wohnung nicht mehr verlassen.

Zum Glück haben wir eine Cousine und eine Nachbarin, die uns Lebensmittel an der Treppe abstellten. Mein Mann hat neben den anderen Symptome auch Fieber von 38.7 bis 38.9 Grad, Gliederschmerzen, rote Flecken im Gesicht und blutunterlaufene Augen gehabt. Er fühlte sich „als ob ein Zug über mich gefahren wäre.“ Typisch tapferer Mann!

Mein Sohn, der zunächst vier Tage lang keine Symptome hatte, verlor dann den Appetit und bekam Fieber. Das sprang über Nacht von 39.9 bis 41 Grad hoch. Da setzte Panik bei uns ein. Wir haben nasse Handtuchwickel gemacht und versucht das Fieber zu senken, das ging aber nicht runter.

Die Kontaktbeschränkungen momentan find ich ganz wichtig, man sollte sie so gut es geht einhalten, auch wenn es schwerfällt. Das gilt auch für den Mindestabstand von 1.5 Metern, besser noch zwei Metern. Aber meine Frage ist: Wie soll ich von meinem Kind Abstand halten? Die Antwort ist: Es ist unmöglich! Ich hatte Angst, als ich hörte, dass mein Mann und Kind Corona haben. Ich hoffe, meine Erfahrung erreicht jemanden, zumindest wissen Sie, dass Sie nicht allein sind. Ich wünsche Ihnen alles Gute und bleiben Sie gesund!

Wie ist es eigentlich, wenn man an Corona erkrankt ist? Wir möchten Eure Geschichten lesen!

Erkrankt an Corona - Wie habt Ihr das erlebt?

  • Wie hast Du von deiner Erkrankung erfahren? War das rein zufällig, oder hattest Du deutliche Symptome?
  • Wie hat dein soziales Umfeld auf deine Covid-19-Erkrankung reagiert?
  • Welche Konsequenzen hatte die Erkrankung für die Arbeit?
  • Wie stark bist Du erkrankt? Musstest Du ins Krankenhaus?
  • Welche Herausforderungen musstest Du in deiner Quarantänezeit bewältigen?
  • Was hat dich belastet und was hat Dir geholfen in dieser schweren Zeit?

Wenn Ihr von Euren Erfahrungen berichten möchtet, schickt uns einen Leserbrief zum Thema per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: „Meine Erfahrung mit Corona“ im Betreff). Wir sind gespannt auf Eure Geschichten und Erfahrungen. Neben Euren Zeilen könnt Ihr uns auch ein Foto von Euch mitschicken. Wir veröffentlichen eure Leserbriefe anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

jv

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