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Allgäuer Alphirten reagieren: Manche Viehscheide laufen jetzt anders ab

Viehscheide vor dem Aus? Flut von Leserbriefen mit klarer Kritik: „Pseudo-Tierschützer“ „sollen sich zum Teufel scheren“

Collage: Leserin Karin/Ein Hirte steht beim Viehscheid im Ostrachtal neben einer gekränzten Kuh.
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Leserin Karin hat eine eindeutige Meinung dazu, ob Viehscheide Tierquälerei sind.

Seit Jahrhunderten sind sie Tradition in Bayern: Viehscheide oder Almabtriebe. Prächtig geschmückte Kälber und Kühe werden von ihren Hirten nach einem Almsommer ins Tal begleitet - umsäumt von Einheimischen und Touristen, die sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Genau da setzt die Kritik der Tierschützer an: der Viehscheid sei Tierquälerei, Show und Party und unzumutbar für die Tiere. Im Allgäu hat man mancherorts darauf jetzt reagiert - und den Abtrieb von der Alp angepasst oder gar ganz gestrichen. Viele unserer Leser sehen darin eine „Ausmerzung“ der bayerischen Tradition.

Allgäu/Oberbayern - Lärmende Zuschauer, laute Musik und lange Wege: Im Allgäu endet der Alpsommer für rund 10 000 Kühe traditionell mit viel Trubel bei Viehscheid-Feiern. Das war 2019 zuletzt so - danach war coronabedingt erst einmal Pause angesagt. Doch schon damals wurde Kritik von Tierschützern laut an diesem Brauchtum, das es schon viele Jahrzehnte gibt. Die Alphirten seien Tiermörder und Tierquäler, auch Morddrohungen waren dabei, berichtete die Bild-Zeitung.

Auch bei uns in der Region und im benachbarten Österreich gehören die Almabtriebe vielerorts zum festen Programmpunkt in den Gemeinden - Ende September, Anfang Oktober - rund um den Michaelitag am 24. September - ist es soweit. In kunstvoller Handarbeit wird der Kopfschmuck zu Kronen gebunden und die Leitkuh, die sogenannte Kranzkuh wird besonders herausgestellt. Sie führt die Herde ins Tal. Übrigens werden die Tiere nur dann geschmückt, wenn es kein Unglück auf der Alm gegeben hat, andernfalls werden die Tiere ungeschmückt nach Hause geführt. So will es die Tradition bisher. Doch bleibt es auch dabei?

Zu kaum einem anderen Thema haben uns so viele Leserbriefe erreicht

Der Grundtenor fast aller Leserbriefe: Mit Tierquälerei habe diese Art der Tradition nichts zu tun, sie gehört zu Bayern und den Bergen dazu und soll beibehalten werden. Dennoch haben sich im Allgäu die Alphirten die Kritik zu Herzen genommen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie den ruhigen Ablauf während der Pandemie zu schätzen gelernt haben.

In Maierhöfen hat man daher beschlossen, den Viehscheid für dieses Jahr abzublasen. Die 32 Kilometer Hufmarsch können sich die rund 250 Alp-Kühe der Weidgenossenschaft also dieses Jahr sparen - erstmals nach mehr als einem halben Jahrhundert. Die Kühe werden in Tiertransportern zurück auf die Höfe gebracht.
Damit ist die Gemeinde aber nicht allein: Auch Obermaiselstein im Oberallgäu will „zurück zu den Wurzeln“ - und verzichtet beim diesjährigen Viehscheid am 24. September auf große Feste. Die rund 1400 Tiere werden zudem nicht an
einen einzigen Platz im Ort getrieben, sondern an mehrere dezentrale Plätze, von denen es zurück in die Herbst- und Winterquartiere geht. Damit wird das ganze entzerrt und insgesamt ruhiger.

In Oberbayern soll es dazu gar nicht erst kommen, wenn es nach Kaspar Stanggassinger vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern, Bezirk Berchtesgaden geht. Die hiesigen Almabtriebe sind aber bei Weitem nicht so groß wie im Allgäu - wo sie unter den Augen zahlreicher Schaulustiger und Touristen Jahr für Jahr veranstaltet werden. Für Stanggassinger zählt der Aspekt der Tradition: „Auf der einen Seite ist es Brauchtum und eine beliebte Touristenattraktion, für die Almbauern ist es ein Feiertag. Das gehört zu uns dazu. Wenn es wie im Allgäu käme, dass Almabtriebe nicht mehr stattfinden dürfen oder die Tiere gar mit Lkw als Alternative den Berg hinauf und hinab gekarrt werden, dann rebellieren die Bezirksalmbauernschaften, das garantiere ich.“

Ist die Zeit der Viehscheide als Touristen-Spektakel vorbei?

Über Jahrzehnte waren die Veranstaltungen im Allgäu, wie auch in Oberbayern, mit geschmückten Rindern, Blaskapellen und teilweise auch Festzelten ein Publikumsmagnet für Zehntausende Besucher. Doch schon während der Corona-Zwangspause hatten einige Allgäuer Alpwirte betont, ohne die großen Feiern sei das Ende des Alpsommers für Mensch und Tier entspannter. „Es gibt Behinderungen des Verkehrs durch die Menschenmassen, die Unfallgefahr steigt, und beim Treiben und Verladen des Viehs müssen sich Landwirte ständig rechtfertigen“, sagt der Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, Michael Honisch. „Viele Beschläger und Älpler haben es in den Corona-Jahren geschätzt, als es ruhig und stressfrei vonstattenging. Die Feiern haben mancherorts Volksfestcharakter erhalten“.

Dennoch sollen Almabtriebe und Viehscheide weiterhin ein wichtiger Programmpunkt in vielen anderen Gemeinden bleiben. So haben sich einige daher wieder für Viehscheide wie vor der Pandemie entschieden. Darunter auch beliebte Urlaubsorte mit großen Feiern wie Oberstaufen, Oberstdorf, Bad Hindelang und Pfronten. Auch in Berchtesgaden und Mittenwald wird es Almabtriebe geben.

Das sagen unsere Leser:

Olga Winter aus Freiburg

Meiner Meinung nach ist der Almabtrieb nicht als Tierquälerei zu sehen. Eine Quälerei sind aber die zentnerschweren Glocken, welche die Tiere um den Hals ins Tal schleppen müssen, ganz abgesehen vom Geräuschpegel. Es würde reichen, die Tiere einfach nur mit Blumenkränzen zu schmücken. Die Landwirte tragen ja auch nicht zusätzliches Gewicht mit sich.

Sonja Sieber

Da sieht man mal wieder, dass angebliche Tierschützer keine Ahnung haben von Tierquälerei. Ist es besser, sie in Lkw zu sperren, als sie frei laufen zu lassen? Diese Rinder haben ein gutes Leben und dass ein Rind ein Nutztier ist, weiß man auch. Man sollte die riesigen Haltungsbetriebe und Schlachthöfe verbieten. Ich würde so ein Stück Rind gerne kaufen und essen - weniger ist mehr.  

Vreni Egli aus St. Gallen, Schweiz

Da läuft das Vieh den ganzen Sommer auf der Alp umher, kann frisches Gras essen und frische Luft atmen. Freiheit pur nenne ich das. Wenn es im Herbst nach Hause geht, dürfen sie nicht ins Tal laufen, sondern müssen in den Lkw gepfercht werden, um sich auf engstem Raum durchschütteln zu lassen. Das nenne ich Tierquälerei. Da ist die Freiheit vom ganzen Sommer dahin in kurzer Zeit. Nebst Tierquälerei ist das auch noch umweltschädlich. Wo führt das noch hin mit der Menschheit?

Marietta Schmidt aus Blaustein

Ich kann die Behauptung der Tierschützer, dass ein Almabtrieb für die Tiere gefährlich sei, in keinster Weise nachvollziehen. Die Kühe sind den ganzen Sommer teils auf sehr steilen Grashängen zu sehen und sind ausgesprochen trittsicher. Zudem wirken sie völlig entspannt und zufrieden. Auch bei den traditionellen Almabtrieben hatte ich nie den Eindruck, dass es Stress für die Tiere ist. Ganz im Gegensatz zu der vorgeschlagenen Verladung in Transporter. Schon das Verladen über die Rampe bedeutet Stress, ganz zu schweigen von dem holprigen und kurvigen Weg runter ins Tal.

Roland Hauer

Die, die solchen Blödsinn von sich geben, sind meistens solche, die nichts, aber auch gar nichts im Leben erreicht haben. Und die sich auf irgendeine Art und Weise profilieren müssen. Die sonst nichts zu sagen haben. Ich habe schon so viele Viehscheide gesehen. Nie ist irgendwas passiert. Aber es sind solche Leute, die dann auch erzählen, dass sie von einer Kuh angegriffen wurden, die Kuh sich mit ihren mehreren 100 Kilos Gewicht auf sie geworfen hat - und sie überlebt haben … Ich verbringe seit Jahrzehnten meine Freizeit in den Bergen und in der Natur. Nutze schon seit Jahren erneuerbare Energien, betreibe strikte Mülltrennung und versuche möglichst wenig Plastikmüll zu verursachen. Aber ich treffe oft irgendwelche Pseudo-Naturschützer, die genau das nicht machen, aber am lautesten schreien. Nur damit sie mal etwas sagen dürfen. Und genauso ist es wohl mit diesen Pseudo-Tierschützern. (...)

Auch auf unseren Facebook-Portalen wurde diskutiert

Karin Scha (rosenheim24)

Die Tiere müssen ja irgendwann mal wieder von der Alm ins Tal kommen. Sommer-Erholung auf der Alm beenden und dann in den warmen Stall. Ein ganz normaler Vorgang, der mit Sicherheit keinen Tierschutz benötigt. Diese besagten Tierschützer sollen sich zum Teufel scheren. 

Petra Brandt (BGLand24)

Irgendwo ist mal Schluss! Deutschlands jahrhundertealte Traditionen sollen systematisch ausgemerzt werden. Die Kühe kommen sehr gemütlich und entspannt daher und stören sich auch nicht an den Glocken. Nur die „Tierschützer“ stört es. P.S.: Ich liebe auch Tiere über alles.

Silvia Pavic (chiemgau24)

Leserin Silvia Pavic

Diese Kälber oder Kühe hatten das schönste Leben überhaupt auf dem Berg. Freiheit pur! Selbst wenn der Almabtrieb Stress ist, gehört diese Tradition nicht abgeschafft! Übrigens: War denn irgendjemand von den Tierschützern überhaupt schon mal dabei? Die Alm-Leute kennen jedes Tier beim Namen, sind sehr liebevoll mit ihnen und würden beim Abtrieb nichts tun, was sie den Kühen nicht zutrauen würden! Der Schmuck wird angepasst an die Stärke der Kuh - auch die Glockengröße. Natürlich ist der Abtrieb Stress! Der Weg ist unbekannt und zum Teil steil. Auch die Bergleute sind aufgeregt, wünschen sich immer, dass alles gut geht. Es ist ein unglaublich schöner Brauch mit tiefen Wurzeln. Ich komme aus Bad Reichenhall - da wird das auch noch betrieben!

Katharina Gehmacher (chiemgau24)

Besser kann eine Kuh ihr Leben im Sommer nicht verbringen! Und auch das „Kranzen“, wie die Berchtesgadener sagen, gehört dazu, wenn der Sommer ohne Unglück verlaufen ist. Keiner der Bauern würde eine Kuh, die den Strapazen nicht gewachsen ist, abtreiben. Die werden sowieso gefahren. Die kennen ihre Tiere noch alle! Da stell ich mir die Frage, was ist besser: ein Sommer mit Abtrieb auf der Alm oder ein Leben im Stall mit 30 Kilometer und mehr bis zum nächsten Schlachthof im Lkw …

Antonella Pipilotta (rosenheim24)

Die Tierschützer fordern also das Hochkarren und Runterkarren mit Lkw, in denen die Rinder zusammengepfercht werden. Und zeitgleich kleben dann die Grünen am Asphalt der Bergstraße fest, um auf die Klimaerwärmung „hinzuweisen“. Diese Pseudo-Political-Correctness geht mir so auf den Zeiger!

Was haltet Ihr von einem Verbot der traditionellen Almabtriebe? Schickt uns Eure Meinung

Aufgrund vehementer Proteste von Tierschützern, die die Almbauern als Tierquäler beschimpfen und sogar Morddrohungen schicken, wurde in einigen Bergregionen jetzt die Tradition gekippt und Viehscheide abgesagt. Tierschützer sehen den Fußmarsch der Rinder kritisch, weil er zu belastend sei. „Schmarrn“, sagen viele Almerer, denn die Rinder würden schließlich den ganzen Sommer auf der Alp verbringen und seien das Laufen im Gelände gewohnt.

Schreibt uns Eure Meinung zum Thema per E-Mail an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort: „Almabtrieb“ im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort – und am besten auch ein Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

si/dpa

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