Lieber hinters Häuschen

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Der Selbstreinigungsmodus spielt bei der öffentlichen Toilette am Hammerbach gelegentlich verrückt.

Rosenheim - Vor allem für Familien, die den Spielplatz am Hammerbach besuchen, ist die Toilette im Bootshaus auf dem Landesgartenschaugelände gedacht. Einige weichen aber lieber hinter das Häuschen aus - warum?

Wegen der komplizierten Türöffnung und mangelnder Hygiene im Inneren weichen einige jedoch hinter das Häuschen aus, zur Empörung der Nachbarn, die das anschauen müssen. Nach der Gartenschau betreibt die Stadt das WC weiter. Bis dahin müssen noch mehrere Probleme der modernen selbstreinigenden Anlage gelöst werden.

Von ihren Balkons aus können die Anwohner des LGS-Geländes häufig Besucher beobachten, die ihr Geschäft nicht im, sondern hinter dem Toilettenhäuschen verrichten. Wirft man einen Blick in die Edelstahlkabine, weiß man, warum.

Die Sauberkeit lässt dort zu wünschen übrig. Um das WC herum hat der Boden eine bräunliche Färbung angenommen, die Klobrille klemmt im Reinigungsschlitz in der Wand, der Spiegel ist mit Telefonnummern beschmiert und selbst auf dem Wickeltisch liegt abgerolltes Klopapier. Hinzu kommt der typische Geruch öffentlicher Toiletten.

Das alles sehen und riechen Besucher, wenn sie das System der elektrischen Tür geknackt haben. Prinzipiell ist dazu nur ein Knopfdruck nötig. Aber der Eingang versperrt sich nach jedem Benutzer für etwa 15 Sekunden. In dieser Zeit werden Klobrille und Boden automatisch gereinigt. Draußen leuchtet währenddessen ununterbrochen die grüne Lampe, und die Besucher glauben, der Mechanismus sei defekt, weil sich die Tür nicht öffnet. Der eine oder andere schleicht dann hinter das Klohäuschen, um dort das zu zu tun, was er eigentlich in der Kabine tun wollte.

Dem Projektleiter der LGS, Ralf Seeburger, waren bisher keine größeren Probleme im Zusammenhang mit der Anlage bekannt. Er wusste nur, dass der Münzeinwurf am Eingang für Verwirrung sorgte. Während der Landesgartenschau muss nicht gezahlt werden. Trotz des Hinweises "Benutzung der Toilette kostenfrei" versuchten dennoch immer wieder Besucher, Geld einzuwerfen - oder wählten die aus ihrer Sicht günstigere Alternative hinter dem Häuschen.

Nicht alle, die das wollen, können die Tür des Klohäuschens auf Anhieb öffnen.

"Die Toilette wird mehrmals täglich von einem Putztrupp gereinigt und sollte eigentlich sauber sein", meinte Seeburger auf Anfrage der OVB-Redaktion. Zur Sicherheit machte er sich bei einem Ortstermin selbst ein Bild von der Situation - und war er alles andere als zufrieden. "Weil die Klobrille in der Reinungsluke feststeckt, ist der komplette Selbstreinigungsmodus gestört", entdeckte der Projektleiter. Auch der Boden wird nun nicht mehr regelmäßig gespült. Die Ursache könnte Vandalismus sein. Seeburger ließ das Toilettenhäuschen vorübergehend schließen und ordnete Reparatur sowie Generalreinigung an.

Wenn der Strom ausfällt - keine Panik

Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, müssen LGS-Besucher auf die Toiletten im Gastronomie-Bereich des Mangfallparks Süd ausweichen. Das empfiehlt Seeburger generell. Die Anlage im Bootshäuschen sei ohnehin nur eine Ergänzung zu den WC-Containern auf dem Gelände und für so viele Menschen gar nicht ausgelegt. Sie werde ihren Zweck erst nach der LGS erfüllen, wenn weniger Familien im Spielplatzbereich unterwegs sind.

Wie es dann mit der öffentlichen Toilette weitergeht, ist aber noch nicht vollständig geklärt. Da die Handhabung der hochtechnischen Einrichtung gerade für ältere Menschen schwer verständlich ist, muss "auf jeden Fall nachjustiert werden", meint Robin Nolasco, Leiter des Stadtplanungsamtes. Ob künftig eine Gebühr für den Toilettengang fällig wird, müsse ebenfalls noch entschieden werden. Damit könnten eventuell Randalierer ferngehalten werden.

In Zukunft übernimmt das Liegenschaftsamt die Wartung der Toilette. Leiter Walter Berger versichert, diese werde auch nach Ende der LGS mindestens einmal pro Tag gereinigt. "Es könnte sein, dass es an einem so abgelegenen WC häufiger zu Vandalismus kommt", befürchtet Berger. Außerdem müsse der elektrische Öffungsmechanismus den Benutzern erklärt werden. Ein konventionelles Klo wäre ihm lieber gewesen.

Bei dem modernen Klo-Typ im LGS-Gelände haben manche Benutzer Angst, dass sich die Tür bei einem Stromausfall nicht mehr von innen öffnen lässt oder dass sie sofort aufspringt - eine peinliche Situation. Beides ist nicht der Fall. Die Tür entriegelt lediglich und muss von innen aufgedrückt werden - im Dunkeln.

Beate Winterer (Oberbayerisches Volksblatt)

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