Luftschlösser im Wüstensand

Luftschloss unter Wasser? Das Hydropolis vor der Küste Dubais ist eine Vision, die bisher nicht Wirklichkeit wurde. In das Projekt soll die Neubeurer Schwindelfirma Akzenta AG viel Geld gesteckt haben. Jetzt erlitten Anleger aus dem Chiemgau mit ihrer Beteiligung an einem weiteren Hotelvorhaben in dem arabischen Emirat Schiffbruch. Foto re

Eggstätt/Dortmund (OVB) - Dubai - das Mekka für Baulöwen und Investoren. Riesen-Türme wachsen in den Himmel, Märchenschlösser schießen aus dem Boden. Aber längst nicht jedes mit großem Tamtam angepriesene Großprojekt wird auch verwirklicht.

Eine bittere Erfahrung, die schon viele Kunden der Neubeurer Schwindel-Firma Akzenta zähneknirschend machen mussten. Jetzt zeichnet sich ein neues Desaster am grauen Kapitalmarkt ab - zum Leidwesen von Anlegern aus dem Chiemgau.

So hat ein Ehepaar aus Eggstätt 50 000 Euro in einen mit Hochglanz-Broschüren beworbenen Dubai-Fonds gesteckt - und vermutlich in den Wüstensand gesetzt. Dabei müsste im Luxushotel mit 1000 Zimmern und 50 exklusiven "Owner-Suiten" schon längst der Champagner fließen. Schon 2007 sollte der Palast eröffnet werden. Aber aus dem 143 Millionen Euro teuren Prachtbau ist bis heute nichts geworden.

Noch schlimmer für das Ehepaar aus dem Chiemgau: Auch ihre 50 000 Euro sind weg. Denn der aus Hamm in Nordrhein-Westfalen stammende Initiator des "Dubai 1000"-Fonds wird von der Staatsanwaltschaft Dortmund per Haftbefehl gesucht. Von den rund 25 Millionen Euro, die deutsche Anleger für das angeblich geplante Hotel eingezahlt haben, konnten Ermittler nur eine Million sicherstellen.

Jetzt versucht das Paar, die 50 000 Euro über den zivilrechtlichen Weg zurückzubekommen. Rechtsanwalt Dr. Jürgen Klass aus Prien, der die Eggstätter in dem Prozess vertritt: "Die Staatsanwaltschaft wirft dem Fondsinitiator vor, er habe den Anlegern vorgegaukelt, sie könnten mit satten Gewinnen am Boom des Wüstenstaates teilhaben. Stattdessen sei das Geld aber woanders hingewandert."

Wegen Betrugsverdachts wird der Anlageberater von der Staatsanwaltschaft Dortmund per Haftbefehl gesucht. Der 36-jährige ehemalige Finanzbeamte soll sich in Dubai aufhalten. Er gilt als Neuling auf dem zuletzt boomenden Markt mit Dubai-Fonds. Um so erstaunlicher, dass sich über 1000 deutsche Anleger von der Goldgräberstimmung, die Bauprojekte im Wüstenemirat verbreiten, blenden ließen. Sie werden in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft nun als Geschädigte geführt.

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Die vielen Opfer wurden nicht nur mit der Aussicht auf traumhafte Renditen von jährlich zehn bis zwölf Prozent geködert. Drei freie Übernachtungen im größten Vier-Sterne-Hotel im arabischen Raum sollte es pro Einlage von 25 000 Euro noch dazu geben. Um den Investoren hektische Betriebsamkeit auf der Großbaustelle vorzugaukeln, sollen sogar Billigarbeiter aus Asien angeheuert worden sein. Bis heute ist das 1000-Zimmer-Luxushotel aber ein Luftschloss. Mehr als eine Baugrube mit Bodenplatte ist nicht daraus geworden.

Der "1000 Hotel"-Fonds weckt bei vielen Akzenta-Anlegern unangenehme Erinnerungen ans Dubai-Engagement der Neubeurer Firma. Drei Millionen Euro pumpte das Neubeurer Unternehmen eigenen Angaben zufolge per Darlehen ins Hydropolis-Projekt. Das futuristische Unterwasserhotel mit einer gläsernen, aus dem Meer ragenden Halbkuppel sollte sogar 520 Millionen Euro kosten und spätestens 2008 eröffnet werden.

Für das Hydropolis-Darlehen interessiert sich nun Rechtsanwalt Dr. Axel W. Bierbach, Insolvenzverwalter im laufenden Akzenta-Insolvenverfahren. Zu holen dürfte für die vielen Akzenta-Gläubiger allerdings nichts mehr sein. Bierbach musste feststellen, dass das Hotel bis heute nicht gebaut wurde und die Gesellschaft, die das Darlehen erhielt, über ein Vermögen nur in Form des Know-hows zum Bau eines Unterwasserhotels verfügt...

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

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