Marx äußert sich zu Reformvorschlägen

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Dialog hieß das Zauberwort in der katholischen Kirche nach dem Missbrauchsskandal. Im Erzbistum München-Freising bat Kardinal Marx bereits 2008 zum Zukunftsforum. Nun zeigt er exemplarisch auf, wo die Grenzen des Dialogs liegen.

München - Dialog hieß das Zauberwort in der katholischen Kirche nach dem Missbrauchsskandal. Im Erzbistum München-Freising bat Kardinal Marx bereits 2008 zum Zukunftsforum. Nun zeigt er exemplarisch auf, wo die Grenzen des Dialogs liegen.

Nein, Reinhard Marx scheut sich nicht, auch heiße Eisen anzusprechen. Kirchliche Sexualmoral. Frauenweihe. Zölibat. Homosexuelle. Wiederverheiratete Geschiedene. 2008 hat der Kardinal in seinem Erzbistum München-Freising einen Dialogprozess unter dem Titel “Dem Glauben Zukunft geben“ angestoßen. Damit war er schneller als die Deutsche Bischofskonferenz, die den offiziellen Dialog mit den Laien erst nach dem Missbrauchsskandal 2010 suchte. Marx hat nun seine Kommentierungen zu den 61 Zielen, die das aus Geistlichen und Laien zusammengesetzte Forum formuliert hatte, veröffentlicht. Er zeigt exemplarisch auf, wie weit Dialog in der katholischen Kirche gehen darf. Das letzte Wort gehört den Bischöfen. Zölibat und Verbot der Frauenweihe sind unverhandelbare Themen.

Aber immerhin ist Marx kein Kirchenmann, der einsam gefällte Entscheidungen durchdrückt. Mit dem Zukunftsforum hat er seine Pläne, Pfarreien wegen des Priestermangels zu Seelsorgeeinheiten zusammenzulegen, verhältnismäßig transparent gestaltet und eine große Protestwelle verhindert. So schreibt er beispielsweise in der Kommentierung: “Die partizipativen Elemente sind wichtig für unsere Kirche, sonst säßen wir nicht hier und hätten auch kein Zukunftsforum gebraucht. Dann hätte ich das für mich alleine überlegt.“ Das Wort Demokratie lehnt er für die Kirche ab, das sei ein politischer, kein theologischer Begriff.

Bemerkenswert ist, dass er einen Schritt auf Homosexuelle und wiederverheiratete Geschiedene zu macht. Diese Gruppen grenze die Kirche nicht aus, betont er. Zugleich kündigt Marx an, dass er das Thema der Wiederverheirateten stärker in den Blick nehmen will. Wer sich nach einer katholischen Trauung scheiden lässt und standesamtlich erneut heiratet, darf nach katholischer Lehrmeinung nicht zur Kommunion gehen, weil er dauerhaft gegen die Unauflöslichkeit der Ehe verstößt.

Marx räumt Defizite in der Kommunikation ein: “Auch bei diesem Thema müssen wir bekennen, dass wir das nicht hinreichend gut vermitteln, dass wiederverheiratet Geschiedene dazugehören, dass es nicht um Ausgrenzung geht.“ An der Ehe werde die Amtskirche nie rütteln. “Die Kirche wird sicher niemals die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe ändern. Das kann ich voraussagen. Die Frage ist: Wie gehen wir mit einem Scheitern um? Wie können wir diese zweite Beziehung sehen?“ Homosexuellen erklärt er, dass die Kirche ihre Partnerschaft nicht der Ehe zwischen Mann und Frau gleichstellen werde. Aber sie würden nicht ausgegrenzt, könnten sogar in der Pfarrei mitarbeiten.

Auch bemüht er sich darum, die Sexualmoral der Kirche zu erklären, ihr den Ruch des hoffnungslos Altmodischen zu nehmen. “Man sollte nicht ständig sagen: “Die Sexualmoral der katholischen Kirche ist vorsintflutlich.“ Nein, ist sie nicht! Sondern, sie hat als Ziel: Sexualität ist nicht wie Essen und Trinken, sie ist eine personale Verbindung von Mann und Frau, die verbindlich ist, nicht heute so, morgen so. Und diese Verbindung ist grundsätzlich offen für Leben.“

Das Echo auf den Münchner Dialogprozess ist schon seit Monaten gespalten. Bei der Versammlung des Diözesanrates im vergangenen Herbst ermunterte Hans Tremmel, der Vorsitzende des Laiengremiums, die Delegierten zum weiteren Engagement im Dialog - wenn auch nicht alles rund laufe: “Nicht alles ist rosig, nicht alles war zufriedenstellend.“ Dennoch rief Tremmel dazu auf, keine kirchenpolitischen Grabenkämpfen zu führen, sondern “in gegenseitiger Achtung und Respekt weiter im Gespräch zu bleiben und die Pluralität von Überzeugungen als einen Mehrwert zu betrachten und nicht als Manko“.

Die kirchenkritische Laienbewegung “Wir sind Kirche“ stört sich vor allem daran, dass Marx die Kommentierungen erst jetzt veröffentlicht. Tatsächlich hatte er sie eigentlich bereits für Pfingsten 2011 versprochen. Diese Haltung könne kein Vorbild für den bundesweiten Dialogprozess sein, moniert die Organisation.

“Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner kritisiert zudem viele Aussagen als “sehr vage und unverbindlich. Dies wird viele Menschen im Erzbistum enttäuschen, die sich mehr von diesem aufwändigen Prozess versprochen hatten.“ Bei heiklen Themen wie dem Eheverbot für Priester und dem Weiheverbot für Frauen bestehe Marx auf der klaren Linie der Kirche und zeige keine Bereitschaft, diese Dinge in der Bischofskonferenz oder gar in Rom zur Sprache zu bringen.

dpa

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