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Schweres Zugunglück in Tschechien: Rund 30 Verletzte, mehrere Tote - Zug startete in Deutschland

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Erfolgreiche Studien mit Antikörpern

Wettlauf gegen die Zeit: Rettendes Blut und Hoffnung im Kampf gegen Coronavirus

Coronavirus - China
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Einem Patienten, der sich nach einer Erkrankung mit dem Coronavirus erholt hat, wird nach der Genesung Blut abgenommen. In seinem Blut befinden sich nach der Erkrankung Antikörper gegen das Virus.

Forscher in Deutschland und weltweit suchen mit Hochdruck ein Mittel gegen das neuartige Coronavirus. Doch nun könnte eine andere Methode im Kampf gegen das Coronavirus und der Lungenkrankheit Covid-19 erfolgversprechend sein.

Die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe gegen eine Krankheit dauert in der Regel Jahre, oft Jahrzehnte. Vor allem die klinischen Studien an Menschen sind sehr aufwendig. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie muss es schnell gehen.

"Passive Immunisierung" - Antikörper könnten helfen

Menschen bilden Antikörper gegen verschiedenste Krankheitserreger, die in den Körper gelangen - auch gegen das neue Coronavirus. Eine besondere Rolle spielen dabei neutralisierende Antikörper. "Die neutralisierenden Antikörper patrouillieren praktisch vor der Zelle und fangen das Virus ab, so dass es nicht in die Zelle eintreten kann", erklärt Virologin Brinkmann. Auch nachdem ein Patient genesen ist, bleiben die Antikörper zumindest noch eine Weile im Blut.

Auf der Bildung solcher Antikörper beruht auch die Wirkung der meisten klassischen Impfungen. Eine klinisch etablierte Methode ist es, Antikörper von genesenen Menschen zu nehmen und Erkrankten zu geben. Bei diesen können die Antikörper dann den jeweiligen Erreger bekämpfen. 

Bei Spanischer Grippe und Masern-Epidemie erfolgreich

Eine solche "passive Immunisierung" war schon bei vorherigen Epidemien erfolgreich. Bei der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mehr als 50 Millionen Menschen tötete, konnte die Therapie die Sterblichkeit um ein Fünftel senken, berichtet spiegel.de. Auch bei der Masern-Epidemie in den 1930er Jahren in den USA hat man den kranken Kindern Blutplasma von genesenen Personen als Therapiemaßnahme gespritzt.

Gespendetes Plasma eines geheilten Coronavirus-Patienten wird in einem Plasmabeutel aufgefangen. Patienten, die sich nach einer Erkrankung mit dem Coronavirus erholt haben, wird nach der Genesung Blut abgenommen. In ihrem Blut befinden sich nach der Erkrankung Antikörper gegen das Virus.

Chinesische Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben mehrere Antikörper identifiziert, die für ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 infrage kommen könnten. Die aus dem Blut genesener Patienten isolierten Antikörper könnten „äußerst wirksam“ die Fähigkeit des neuartigen Coronavirus zum Eindringen in Zellen blockieren, sagt Zhang Linqi von der Tsinghua-Universität in Peking.

Erfolgreiche Studie in Shenzhen: Keine Viren mehr nachweisbar

In einer aktuellen Studie im Fachblatt "Jama" beschreiben chinesische Ärzte, wie sie fünf Patienten in Shenzhen mit Spenderblut therapierten. Die Erkrankten waren zwischen 36 und 65 Jahre alt und mussten künstlich beatmet werden. 

Innerhalb von drei Tagen normalisierte sich ihre Körpertemperatur, auch die Lungenfunktion verbesserte sich. Innerhalb von zwölf Tagen konnten keine Coronaviren mehr bei den Patienten nachgewiesen werden, schreibt tagesspiegel.de.

Kliniken suchen Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren

Die Medizinische Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsklinikums Münster und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) suchen zurzeit nach Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren und genesen sind. Mit einer Blutplasmaspende könnten sie demnächst auch Antikörper für Erkrankte abgeben. "Wir wollen unbedingt versuchen, ob wir damit nicht Schwerstkranken helfen können", sagte der MHH-Institutsleiter für Transfusionsmedizin, Rainer Blasczyk.

Auch Kliniken in New York versuchen mit Antikörpern von Genesenen, Leben zu retten, wie die Zeitschrift "Nature" vor wenigen Tagen berichtete. Da Antikörper im Gegensatz zu herkömmlichen Medikamenten körpereigene Stoffe sind, sollten in der Regel auch die Nebenwirkungen gering ausfallen.

Theoretisch ist auch vorstellbar, dass man etwa klinischem Personal solche Antikörper vorbeugend gibt – sie müssten sie dann allerdings alle zwei Wochen neu erhalten, schätzt Brinkmann.

Wirkstoff Remedesivir

Als aussichtsreich gilt der Wirkstoff Remdesivir. Die Substanz, die sich direkt gegen das Virus richtet, wurde ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt. Da sie damals in der klinischen Prüfung keine guten Ergebnisse brachte, wurde die Entwicklung nicht weiterverfolgt.

Weil erste Laborergebnisse im Einsatz gegen Coronaviren aber gut aussahen, wird Remdesivir unter anderem in Deutschland in zwei klinischen Studien getestet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat dies am 10. März genehmigt.

An einer internationalen Studie, bei der die Substanz an 600 Patienten mit moderaten Symptomen und an 400 mit schwerer Symptomatik erprobt werden soll, nehmen unter anderem die München Klinik Schwabing, das Hamburger Uniklinikum Eppendorf (UKE) und die Uniklinik Düsseldorf teil. 

Mittel Ende 2020 auf dem Markt?

Sollte die Studie Erfolge bringen, könnte das Mittel bis frühestens Ende 2020 auf den Markt kommen, sagte der Münchner Chefarzt Clemens Wendtner am Dienstag. Für ausgewählte Einzelfälle setzte unter anderem die Düsseldorfer Uniklinik Remdesivir schon bei Covid-19-Patienten ein.

dpa/mz

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