+++ Eilmeldung +++

Mit 49 Jahren

Ehemalige Wimbledonsiegerin Novotna gestorben

Ehemalige Wimbledonsiegerin Novotna gestorben

Mespelbrunn: War es Mord oder Totschlag?

+
Alexander R.

Aschaffenburg/Mespelbrunn - Die Urteilsfindung im Prozess um den Tod einer dreifachen Mutter im Spessart ist schwierig. Der Angeklagte schweigt zu seinem Motiv, Augenzeugen gibt es keine. War es Mord oder Totschlag?

Ist Alexander R. wirklich ein Mörder? Oder hat er die 32-jährige Carmen S. im Streit erstochen - ungeplant, spontan aus einer Gefühlsregung heraus? Wenn das Landgericht Aschaffenburg an diesem Mittwoch (23. Juli) das Urteil für den 38 Jahre alten Angeklagten verkündet, hat die Schwurgerichtskammer eine Woche lang für ihre Entscheidung Zeit gehabt. Verhandelt wird in dem Prozess bereits seit dem 26. April.

62 Zeugen wurden gehört, nur der Angeklagte nicht. Alexander R. sagte bis auf ein paar Mal “Jawoll“ fast nichts. Dass er der Täter war, haben seine Verteidiger eingeräumt. Warum Carmen S. im Juni vor zwei Jahren vor dem Schlosshotel Mespelbrunn (Landkreis Aschaffenburg) getötet wurde, ist aber nach wie vor ungeklärt.

Der Fall sorgt seit fast zwei Jahren über Unterfranken hinaus für Aufsehen. Nicht nur der gewaltsame Tod der dreifachen Mutter erschütterte die Gemeinden vom Spessart bis zum Odenwald. Es waren vor allem die spektakuläre Flucht des Angeklagten und seine kriminelle Vergangenheit, die die Menschen beunruhigten.

Alexander R. arbeitete ab und zu als Aushilfe im romantischen Wasserschloss in Mespelbrunn. Das Anwesen ist aus dem Film “Das Wirtshaus im Spessart“ bekannt. Auch das Opfer war dort beschäftigt. Nach Ansicht von Oberstaatsanwalt Walther Schmidt verliebte sich der 38-Jährige in die verheiratete Frau. “Er schrieb ihr Liebesbriefe und umwarb sie.“ Die 32-Jährige lehnte eine Beziehung ab.

Am 25. Juli 2008 soll Alexander R. seinem Opfer mit dem Auto auf den Schlossparkplatz gefolgt sein - “um sie für die durch die Absage erlittenen Schmerzen zu bestrafen“, sagte der Ankläger in seinem Plädoyer. Eine Zeugin erinnerte sich vor Gericht an einen minutenlangen lautstarken Streit, andere Zeugen sahen ein Auto wegfahren. Die eigentliche Tat hat niemand beobachtet.

Nach der tödlichen Messerattacke begann ein fast einjähriges Versteckspiel des mutmaßlichen Täters mit der Polizei. Alexander R. kommt aus der kleinen Spessartgemeinde Heimbuchenthal. Er kennt sich in der Region bestens aus. Mindestens zweimal tauchte er in der Heimat auf, entwischte den Ermittlern knapp. Die Beamten durchkämmten Scheunen und Jagdhütten, Hubschrauber kreisten über Mespelbrunn.

Am 30. März 2009 wagte sich der verschmähte Liebhaber abermals nachweislich nach Mespelbrunn. Wie er vor Gericht später über seine Anwälte zugab, nahm er drei Verwandte als Geisel, raubte ihnen EC- Karten und PIN-Nummern. “Mit den erbeuteten EC-Karten hob er noch am selben Morgen Bargeld ab“, erläuterte Schmidt.

Alexander R. ist kein unbeschriebenes Blatt. 1993 entführte er seine Ex-Freundin nach Spanien und musste dafür monatelang im Gefängnis sitzen. Bei der Polizei ist er auch wegen Bedrohung, Körperverletzung, Hausfriedensbruchs, Diebstahls, Freiheitsberaubung und fahrlässiger Trunkenheit bekannt.

International fahndeten die Ermittler nach dem Tatverdächtigen. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Bluttat wurde Alexander R. schließlich im französischen Colmar gefasst - bei einer allgemeinen Kontrolle. “Die Geschichte seiner Flucht könnte ein Bestseller werden“, sagte selbst Verteidiger Christoph Jahrsdörfer.

Oberstaatsanwalt Schmidt hat für den Angeklagten wegen Mordes und der anderen Vergehen wie Geiselnahme und schwerer Raub eine lebenslange Haftstrafe mit Sicherungsverwahrung beantragt. Damit würde der 38-Jährige auf unabsehbare Zeit im Gefängnis bleiben. “Die Tat war geplant und gut vorbereitet“, sagte Schmidt.

Die Verteidiger glauben das nicht, obwohl ihr Mandant wenige Tage vor dem Angriff die Tatwaffe gekauft hatte. Alexander R. habe die Frau im Affekt erstochen. Damit kommt ihrer Ansicht nach nur eine Verurteilung wegen Totschlags infrage - 14 Jahre Freiheitsstrafe verlangten die Anwälte in ihrem Plädoyer.

Alexander R. sah während der zehn Verhandlungstage keinen Grund, sich detailliert zu den Vorwürfen zu äußern. Nicht einmal seinen Namen nannte er. Nahezu regungslos und mit starrem Blick verfolgte er den Prozess. Der Ankläger kommentierte am vorletzten Verhandlungstag: “Er benimmt sich wie ein trotziges Kind, so als wollte er das Gericht mit Missachtung strafen.“

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser