Versuchter Doppelmord in Neumarkt-St.Veit

"Skrupellos und ohne Hemmungen": Das Urteil

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Der wegen versuchten Mordes Angeklagte (l) sitzt zu Prozessbeginn im Landgericht in Traunstein neben der Gerichtsdolmetscherin Monika Stahuber-Toth und verbirgt sein Gesicht mit einem Briefumschlag.
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Neumarkt-St.Veit/Traunstein - Wegen versuchten Doppelmordes ist ein 24-Jähriger jetzt zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt worden.

UPDATE, 10.15 Uhr: Das Urteil

Der vorsitzende Richter Erich Fuchs spricht das Urteil: "Der Angeklagte ist schuldig des versuchten Mordes in zwei Fällen." 15 Jahre muss der junge Mann nun ins Gefängnis. Auch wegen versuchten, besonders schweren Raubes und Körperverletzung wird der 24-Jährige verurteilt. Stoisch und scheinbar gedrückt nimmt der gebürtige Ungar das Urteil entgegen.

"In der letzten Zeit haben wir keinen vergleichbaren Fall gefunden", so Erich Fuchs: "Es ist erschreckend, dass ein gesunder, junger Mann, der seine Mutter unterstützt, ein ordentliches Leben mit Arbeit hat, nicht vorbestraft ist, dass so jemand durch die Gegend fährt und in aller Öffentlichkeit in ein Anwesen eindringt, zwei Frauen attackiert und die fast zu Tode bringt."

Weder Skrupel noch Hemmungen habe der Mann bei seiner Tat gezeigt: "Da stellt sich schon die Frage, was in unserer Gesellschaft los ist. Sind es Horrormeldungen im TV schon am Nachmittag? Oder gewisse Computerspiele, die der Angeklagte auch gespielt hat?", fragt der Richter.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

Vorbericht:

Mit einem Rasiermesser mit einer Klingenlänge von sieben Zentimeter soll ein 24-jähriger Ungar am Nachmittag des 27. Juni 2016 in den Garten eines Hauses in Neumarkt-St.Veit eingedrungen sein. Schulden und Beziehungsprobleme plagten ihn. "Der Angeschuldigte trat von hinten an die Geschädigte heran und packte sie mit der linken Hand an den Haaren und hielt ihr das Rasiermesser an die rechte Halsseite", so die Staatsanwaltschaft. Die Frau wurde von dem Angriff völlig überrascht.

Diese Messer hatte der Angeklagte am Tattag dabei - mit dem linken attackierte er die beiden Frauen.

Der bisherige Prozessverlauf:

- Tag 1: Angeklagter schweigt, Opfer sagen aus

- Tag 2: Nachbarn erkennen Angeklagten wieder

- Tag 3: Die Plädoyers

Es kam zum Gerangel, das Opfer habe lebensgefährliche Schnitte an Hals, Schläfe und Brust erlitten - Venen, Arterien und Muskeln wurden teils durchtrennt. Als durch die Schreie die Mutter zu Hilfe kam wurde auch sie vom Angeklagten mit dem Messer attackiert. Die beiden Frauen konnten sich schließlich ins Haus retten, der Angeklagte flüchtete und konnte wenige Stunden später von der Polizei aufgegriffen werden.

Staatsanwaltschaft fordert lebenslänglich

Am heutigen Donnerstag spricht das Landgericht Traunstein das Urteil. Es scheint festzustehen, dass der Angeklagte für viele Jahre ins Gefängnis muss. Die Plädoyers wurden bereits gehalten: Die Staatsanwaltschaft sah einen klaren Tötungsvorsatz mit den Mordmerkmalen Heimtücke, Habgier und niederen Beweggründen - gefordert wurde eine lebenslange Freiheitsstrafe, was mindestens 15 Jahre bedeuten würde.

Der Verteidiger des 24-Jährigen geht dagegen von einer Kurzschlusshandlung aus, sieht die Tat nicht von langer Hand geplant. Er sieht eine Haftstrafe von zwölf Jahren für angemessen.

Um 10 Uhr wird das Landgericht Traunstein unter Vorsitz von Richter Erich Fuchs das Urteil verkünden.

innsalzach24.de berichtet aktuell aus dem Gericht.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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