Richter ließ Kreuz in Miesbacher Gerichtssaal abhängen

Angeklagter: "Ob das Kreuz hängt oder nicht, ist mir egal"

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Miesbach - Bei einem Prozess Mitte Januar nahm Richter Klaus-Jürgen Schmid das Kruzifix von der Wand - aus Respekt vor dem afghanischen Angeklagten. Doch der hat sich daran gar nicht gestört.

Es war ein Novum im Miesbacher Amtsgericht. Als jüngst ein Afghane auf der Anklagebank vor Richter Klaus-Jürgen Schmid sitzt, nimmt der kurzerhand das Kreuz von der Wand. Die Botschaft: Im Gericht regiert die Justiz.

Doch nun zeigt sich, dass er 54-Jährige sich die Mühe und die Rücksichtnahme wohl hätte sparen können. "Ob das Kreuz hängt oder nicht, ist mir egal", sagt der 21-jährige An­ge­klag­te nun gegenüber der Bild-Zeitung. Er lebt in einer Gemeinschaftsunterkunft. Als der Richter die Sache mit dem Kreuz ansprach, habe er das Problem nicht verstanden, erklärt er gegenüber der Bild.

Asylantrag wurde abgelehnt

Am 11. Januar wird der Afghane zu einem Jahr auf Bewährung plus drei Wochen in einer Jugendarrestanstalt wegen Bedrohung und versuchter Nötigung. Der 21-Jährige hat einem Landsmann damit gedroht, ihn zu töten, weil dieser zum Christentum konvertiert sein und seitdem sonntags in die Kirche gehen soll.

"Das sind alles Lügen", erklärt der 21-Jährige gegenüber der Bild-Zeitung. "Ich bin ein ganz nor­ma­ler Mensch. Ich bin nicht gläu­big, habe christ­li­che Freun­de." Daher hat er auch Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Denn wenn er vorbestraft ist, hat der Migrant auch noch ein anderes Problem. Sein Asylantrag ist bereits am 16. Dezember 2016 abgelehnt worden. Da­ge­gen klagt er vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen. Er habe fliehen müssen, weil "die Ta­li­ban mei­nen Vater bedrohten".

Auch in anderen Prozessen ist das Kreuzabhängen bereits Thema gewesen, zum Beispiel beim Prozess wegen der schrecklichen Bluttat vor dem Lidl-Supermarkt in Prien am Chiemsee.

ksl

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/David Ebener

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