Vorwürfe bestätigt

Missbrauchsprozess Förster: Zwei Prostituierte sagen aus

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Der Angeklagte Linus Förster (l.) im Landgericht Augsburg neben seinem Verteidiger Walter Rubach.

Vor rund einem Jahr gehörte Linus Förster noch zu den führenden Köpfen der SPD in Bayern - nun droht ihm wegen mehrerer mutmaßlichen Sexualverbrechen eine langjährige Haftstrafe.

Augsburg – Zwei frühere Augsburger Prostituierte haben am Freitag im zweiten Anlauf im Prozess gegen den ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten Linus Förster ausgesagt. Die Zeuginnen sollten eigentlich bereits am Donnerstag vom Landgericht Augsburg gehört werden, doch sie waren nicht erschienen.

Die 36 und 27 Jahre alten Frauen sind inzwischen in den Taunus in Hessen und nach Mannheim umgezogen. Ihnen war zunächst die Anreise zu dem Prozess zu weit. Erst als sie von der Polizei über ihre Pflicht zum Erscheinen informiert wurden, reisten sie am Freitag per Bahn nach Augsburg.

Die Frauen hatten die Ermittlungen gegen Förster in Gang gesetzt. Der Politiker wollte die ältere der beiden beim bezahlten Sex heimlich filmen, doch die Frau bemerkte dies, nahm die Kamera und riss die Speicherkarte heraus. Dann holte sie ihre Bekannte zu Hilfe. Die beiden Asiatinnen hatten wegen ihrer nur eingeschränkten Deutschkenntnisse Probleme, in dem Verfahren auszusagen. Grundsätzlich bestätigten sie aber die Vorwürfe aus der Anklage. Allerdings hatte Förster diese auch bereits eingeräumt.

Förster droht mehrjährige Haftstrafe

Förster hat gestanden, zwei schlafende Frauen missbraucht und dabei teilweise auch Videoaufnahmen gemacht zu haben. In weiteren Fällen soll er einvernehmlichen Sex mit Freundinnen heimlich gefilmt haben, zudem ist er wegen Besitzes von Kinderpornografie angeklagt. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. Am nächsten Donnerstag sollen die Plädoyers gehalten werden, das Urteil könnte dann am Freitag verkündet werden.

Im Prozess musste der Vorsitzende Richter einer ehemaligen Prostituierten das Nacktsein erklären. Die aus Asien stammende Frau verstand wegen ihrer eingeschränkten Deutsch-Kenntnisse aber viele Fragen von Richter Lenart Hoesch nicht richtig. So konnte die 36-Jährige auch nicht gleich sagen, ob Förster bei dem Vorfall, um den es im Prozess geht, nackt war. „Was ist nackt?“, fragte sie Hoesch. Dieser antwortete, damit sei das Ausziehen der Kleidung gemeint: „Deswegen geht man ja meist zu einer Prostituierten, weil man sich da auszieht.“

lby/mm

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