"Erschreckende" Probleme an der Mittelschule?

Landrat Walch: "Unterwössen ist kein negativer Hotspot"

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Die Mittelschule in Unterwössen.

Unterwössen/Traunstein - Von "erschreckenden" Problemen an der Mittelschule Unterwössen wurde nun im Kreistag berichtet - die Schulleitung verlangt einen Sozialarbeiter, der sich den Problemen annimmt.

Update 9.50 Uhr:

"In jeder Schule des Landkreises, in Bayern und ganz Deutschland gibt es gewisse Probleme", rückt Traunsteins Landrat Siegfried Walch im Gespräch nun die Situation zurecht - bei der Mittelschule in Unterwössen handle es sich um keinen "negativen Hotspot"

Im Jugendhilfeausschuss des Landkreises am Mittwoch seien lediglich Einzelfälle beschrieben worden. Tatsächlich ist Unterwössen die letzte Schule im Landkreis Traunstein gewesen, die noch keine solche sozialpädagogische Fachkraft angestellt hat: "In Unterwössen haben wir eine kleine Dorfschule, die gut funktioniert", so Walch.

Unser Artikel vom Donnerstagmorgen:

Die Situation an der Schule sei erschreckend aber Realität, bestätigte auch Landrat Siegfried Walch. Im Jugendhilfeausschuss des Kreistages Traunstein stellte die Schulleitung nun einen Antrag auf eine sozialpädagogische Fachkraft für 25 Wochenstunden, die den Problemen Herr werden soll. Im schulischen Alltag kämen die Lehrer nicht mehr ausreichend dazu, die zahlreichen Probleme adäquat zu lösen. 

"Drogenproblem im gesamten Achental"

Nach Angaben von Kreisrätin Sandra Sonntag (FW) aus Unterwössen sei die Situation inzwischen so weit eskaliert, dass regelmäßig der Rettungsdienst vorfahren müsse. „Ich bin froh, dass der Antrag einstimmig mitgetragen wird.“ Auch aus Sicht des Amtes für Kinder, Jugend und Familie ist der Bedarf deutlich nachvollziehbar. 

Aktuell besuchen über 100 Schülerinnen und Schüler in zum Teil großen Klassen die Mittelschule Unterwössen mit einem Migrantenanteil von 15 Prozent. Vom aktuellen Drogenproblem im gesamten Achental seien auch Schülerinnen und Schüler aus Unterwössen betroffen, sagte Jugendamtsleiter Franz Feil. Im vergangenen Jahr seien nach einer Drogenrazzia der Polizei allein im Achental über 100 Jugendliche und junge Erwachsene wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angezeigt worden. 

Wie weit die Probleme reichen

Eine besondere Herausforderung für die Schule stelle auch die Inobhutnahmestelle Litzelau dar. Die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen besuchen in aller Regel auch die Mittelschule Unterwössen. Viele Schülerinnen und Schüler seien traumatisiert und würden im Unterricht ein auffälliges Verhalten zeigen, so dass dieser zum Teil nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen fortgesetzt werden könne. 

Die Bandbreite der Auffälligkeiten, die in der Sitzung aufgelistet wurde, ist groß: Sie reicht vom starken Rückzugsverhalten bis zu erheblichen Aggressionen. Teilweise entfernen sich die Schüler unerlaubt aus dem Unterricht. Konflikte in der Familie mit teilweise körperlicher Gewalt, Verwahrlosung, Mobbing oder Cybermobbing und Diebstähle komplettieren die dramatische Situation. 

40.000 Euro für einen Sozialarbeiter

Die Schule hat nach eigenen Angaben bereits große Anstrengungen unternommen, um mit schulischen Maßnahmen die Situation zu verbessern. Auch das Ausschussgremium vertrat die Ansicht, dass die Einführung einer Jugendsozialarbeit, die von der Mitfinanzierung der Gemeinde Unterwössen in Höhe von 20 Prozent der Gesamtkosten abhängig gemacht wird, unabdingbar ist und genehmigte gleichzeitig die Gesamtkosten von 40.000 Euro

Die jährlichen Folgekosten werden auf 22.000 Euro geschätzt. Beim Freistaat Bayern soll jetzt die Förderung beantragt werden. Außerdem sollen entsprechende Angebote der anerkannten Träger der Jugendhilfe im Landkreis Traunstein eingeholt werden. 

Mehr Jugendsozialarbeit auch in Traunreut nötig

An der Werner-von-Siemens-Mittelschule Traunreut wurde die Jugendsozialarbeit bereits vor zehn Jahren eingeführt. Die Vollzeitstelle der pädagogischen Fachkraft reicht hier insbesondere auf Grund der gestiegenen Schülerzahlen aber nicht mehr aus. Deshalb soll nach dem Willen des Jugendhilfeausschusses die Jugendsozialarbeit um 20 Wochenstunden aufgestockt werden. Durch den Anstieg der Schülerzahlen aufgrund der Schließung der Hauptschule Sankt Georgen, ist der Bedarf an einer pädagogischen Fachkraft gestiegen. 

Verschärft hat sich die Situation durch die schulpflichtigen Kinder von Flüchtlingen, aber auch durch die steigende Zahl von Migrantenfamilien aus Osteuropa. Allein die Zahl der Kinder, die das Unterrichtsfach „Deutsch als Zweitsprache“ besuchen, hat sich nach Angaben der Schulleitung seit 2016 mehr als verdreifacht. Aus diesen Gründen hat das Amt für Kinder, Jugend und Familie dem Ausschuss empfohlen, eine zusätzliche Halbtagsstelle (20 Wochenstunden) zu genehmigen. Auch in Traunreut wird die Stelle von der Mitfinanzierung der Stadt Traunreut in Höhe von 20 Prozent abhängig gemacht. 

ga/xe

Quelle: chiemgau24.de

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