Hektische Szenen am Bahnhof Mittenwald

"Menschenverachtende Zustände" - Deutsche zurück aus Tiroler Quarantänegebiet

Mittenwald: Hunderte Deutsche wurden Anfang der Woche aus den Tiroler Quarantänegebieten zurückgeholt. Dabei kam es zu kurzer Hektik am Bahnhof. Grund dafür war ein Informationschaos. 

Hunderte deutsche Saisonarbeitskräfte sind Anfang der Woche aus Tiroler Quarantänegebieten in Bayern angekommen. Organisiert wurde die Rückholaktion von der deutschen Botschaft in Wien. "Normalerweise helfen wir unseren Landsleuten, aus Krisengebieten wegzukommen, diesmal aber ging es um eine Ausreise aus einem Nachbarland, nämlich Österreich", sagt der deutsche Botschafter, Ralf Beste, im Vorfeld zum österreichischen "Standard".Viele der Betroffenen hätten sich bei der Botschaft gemeldet. Auch wurden in Österreich Berichte über miserable Behandlung von Saisonarbeitskräften laut. Der Präsident der Tiroler Arbeiterkammer, Erwin Zangerl, weiß sogar von "Notrufen" von Saisonarbeitern zu berichten. Viele sollen einfach vor die Tür gesetzt worden sein. Zangerl spricht von "menschenverachtenden Zuständen".


Kurze Hektik am Bahnhof Mittenwald

Am Montag kamen die deutschen Saisonarbeitskräfte dann, transportiert von fünf Bussen, am bayerischen Bahnnhof Mittenwald an. Von dort aus sollte die Reise eigentlich weitergehen. Doch zunächst hieß es warten für die aus Galtür, Ischgl, Kappl und See Angekommenen. Denn ihnen wurde von der Polizei vorerst das Einsteigen in den wartenden Regionalzug nach München verwehrt, wie der "Standard" weiter ausführt. Den Saisonarbeitern war in Tirol gesagt worden, dass die Reise von Mittenwald aus organisiert sei - was aber nicht der Fall gewesen sei. 

Zudem gingen die Polizisten in Mittenwald offenbar davon aus, dass die ankommenden Personen aus Tirol dort auf Corona getestet worden seien, und nur negativ Getestete ankommen würden. Dies traf aber nicht zu, die Saisonarbeiter wurden nicht getestet. Man habe lediglich unterschreiben müssen, dass man sich gesund fühle, wie einer der Saisonarbeitskräfte berichtet. Zwar habe man darum gebeten, getestet zu werden. Aber in Tirol habe es geheißen: Ohne Symptome kein Test. Auch Bitten, länger bleiben zu dürfen, seien abgelehnt worden. 


Saisonarbeiter durften weiterfahren

Aufgrund der Informationslage wiesen die Polizisten den Zugsführer zunächst an, nicht loszufahren. Nach ein paar Telefonaten gaben sie aber ihr "OK". 

Der deutsche Botschafter sagt zum "Standard", er sei froh, dass ein Großteil der Deutschen schon ausreisen konnte. Entscheidend sei, dass sie über zwei Wochen in Quarantäne gewesen seien. Überdies hätten sie versichert, keine Symptome zu haben und fieberfrei zu sein. 

(dp/Red.)

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