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Moderne Kunst im Museumsjuwel: „DasMaximum“

Kunst von Weltrang in Traunreut

Ein Ort der Ruhe: Nur das Oberlicht beleuchtet Walter De Marias „Equal Area Series #14-16“ (1976-82)
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Ein Ort der Ruhe: Nur das Oberlicht beleuchtet Walter De Marias „Equal Area Series #14-16“ (1976-82)

Traunreut hat ein besonderes Museumsjuwel: „DasMaximum“ beherbergt Exponate von Weltrang. Werke von Andy Warhol, John Chamberlain, Dan Flavin und anderen wegweisenden Künstlern der Moderne sind hier zu sehen. Seit wenigen Monaten ist Maria Schindelegger neue Leiterin. Was reizt sie an ihrer Aufgabe? Ein Museumsbesuch.

von Isabella Fiala 

Hier, versteckt hinter einem Drahtzaun, eingebettet zwischen schmucklosen Industriebauten, stehen sie: die heiligen Hallen der Kunst. Durch die bunten Fassaden und blauen Dachziegeln unterscheiden sich die Gebäude des Museums „DasMaximum“ bereits äußerlich von den anderen Häusern. Man ahnt: Hier verbirgt sich Großes. Betritt man die Hallen, ist man in einer anderen Welt, in der Welt der Kunst. An einem Freitagvormittag führt Maria Schindelegger durch die Sammlung, vorbei an 200 Werken, verteilt auf 4.600 Quadratmetern. Seit Oktober vergangenen Jahres ist die 43-Jährige Leiterin des Museums. „Eine großartige Aufgabe, ein Privatmuseum mit einer so herausragenden Kunstsammlung von internationaler Bedeutung leiten zu dürfen.“

Museumsleiterin Maria Schindelegger im Georg-Baselitz-Saal vor den Werken „schwerer weißler ardzad“ (2013), „Frau Ultramarin“ (2004) und „Gelbe Sängerin“ (1982).

2011 eröffnete der Galerist, Kunstsammler und Mäzen Heiner Friedrich „DasMaximum“ in Traunreut. Errichtet wurden die Gebäude 1938 als Teil einer Munitions-Verarbeitungsanlage. Anfang der 50er-Jahre hatte sein Vater, Alzmetall-Gründer Harald Friedrich, das Gelände erworben und hier den Kleinwagen „Spatz” produziert. Bis Ende der 90er Jahre wurden die Hallen industriell genutzt, dann standen sie leer – bis Heiner Friedrich die Kunst nach Traunreut brachte und sich mit dem Museum „DasMaximum“ ein Denkmal setzte. Der heute 84-Jährige schrieb die Geschichte der modernen Kunst mit: 1963 zeigte er mit seiner ersten Frau Six Friedrich und seinem Weggefährten Franz Dahlem in der Galerie „Friedrich + Dahlem“ in der Münchner Maximilianstraße als einer der ersten Galeristen überhaupt Werke der deutschen Künstler Georg Baselitz, Joseph Beuys, Imi Knoebel und Gerhard Richter. Dank seiner engen Kontakte zur amerikanischen Avantgarde stellte Heiner Friedrich Künstler wie Andy Warhol, Dan Flavin oder Walter de Maria teils zum ersten Mal in Deutschland aus. Die Künstler sind heute neben Georg Baselitz, John Chamberlain, Imi Knoebel, Uwe Lausen, Blinky Palermo und Maria Zerres Teil der Sammlung in Traunreut. Es sind Kunstwerke von Weltrang, für die Maria Schindelegger seit wenigen Monaten als Museumsleiterin verantwortlich ist.  

International bedeutsames Museum

Museumsleiterin Maria Schindelegger

Ihre Vorgängerin, Gründungsdirektorin Birgit Löffler, hat „DasMaximum“ zu einem international anerkannten Museum etabliert. 2016 wurde Maria Schindelegger Birgit Löfflers wissenschaftliche Mitarbeiterin. „Erfahrungen im Kunstbereich hatte ich da bereits viele“, erzählt sie später in ihrem Büro. Die gebürtige Wienerin hat in ihrer Heimatstadt, in Hamburg und München Kunstgeschichte studiert und an der Ludwig-Maximilians-Universität promoviert. Nach Stationen in der „Pinakothek der Moderne“ und der „Barbara Gross Galerie“ in München baute Maria Schindelegger die „Walther Collection“ in Neu-Ulm auf, eine Sammlung moderner und zeitgenössischer Fotografie und Videokunst. Fünf Jahre leitete sie die Sammlung. Mit ihrem Mann, einem in Prien geborenen Architekten, zog sie schließlich nach Frasdorf und fing vor sechs Jahren, schwanger mit ihrer zweiten Tochter, im Museum „DasMaximum“ an. Als Direktorin Birgit Löffler vor kurzem als Sachgebietsleiterin für Kultur und Heimatpflege ans Landratsamt Traunstein wechselte, trat Maria Schindelegger ihre Nachfolge an.

Was reizt sie an der Leitung des Museums? „Die Sammlung umfasst Werke von modernen Künstlern internationalen Ranges – und das mitten in der Peripherie. Ein solches Museum zu leiten, finde ich extrem spannend.“ Die große Herausforderung sei, die Menschen vor Ort für moderne Kunst zu sensibilisieren, sagt Maria Schindelegger. Großen Anklang finde zum Beispiel die Veranstaltung „Wort:Bilder“, die seit 2016 im Museum stattfindet. Dabei wandeln die Besucher Kunstwerke in Worte und Poesie um. Auch Schulklassen will Maria Schindelegger in das Museum einladen. So wird es dieses Jahr einen Workshop zu Joseph Beuys, den Eichenpflanzungen und der Sozialen Plastik geben. Überhaupt spielt Beuys eine wichtige Rolle für das Museum. Sein Kunstprojekt „7000 Eichen“ setzt „DasMaximum“ seit Jahren mit der Aktion „Eichenpflanzungen zu Ehren von Joseph Beuys“ fort. 64 Bäume – für jedes Lebensjahr des Künstlers einer – sollen dabei bayernweit gepflanzt werden, 31 Bäume stehen schon, weitere Pflanzungen sind geplant.

Auf 4.000 Hektar erstreckt sich das Museum „DasMaximum“ mit seinen bunten Gebäuden.

Und auch für Gäste außerhalb der Region soll „DasMaximum“ als kulturelles Ausflugsziel attraktiver werden. Dabei orientiert sich Maria Schindelegger nicht nur nach München, sondern auch über die Grenzen hinweg nach Salzburg, strebt eine enge Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden an. Denn die Besucher muss man in „DasMaximum“ holen, zufällig kommt hier niemand vorbei. Das ist ein Nachteil gegenüber den Museen großer Städte. Aber zugleich ist es auch die Besonderheit des Museums, die Abgeschiedenheit ist sein Alleinstellungsmerkmal. „Wer ,DasMaximum´ besucht, hat die Möglichkeit der Kontemplation“, so Maria Schindelegger. „Hier erlebt der Besucher Ruhe abseits der medialen Erschöpfung und kann sich ganz auf die Kunst einlassen.“

Ort der Kontemplation

Tatsächlich strahlen die Hallen eine besondere Atmosphäre aus. Das liegt zum einen an der Lichtstimmung. Als Tageslichtmuseum wird „DasMaximum“ nur durch das Licht beleuchtet, das durch die Fenster und zwischen den Dachbalken in das Gebäude dringt. Im wechselnden Licht der Tages- und Jahreszeiten kann der Besucher die Kunstwerke immer wieder neu entdecken. Zum anderen liegt die ruhige, fast kontemplative Wirkung des Museums an der Weitläufigkeit und Großzügigkeit der Gestaltung. Anders als in vielen Museen ist jedem der neun Künstler ein Raum gewidmet, Dan Flavin hat sogar eine eigene Halle. Man taucht ganz ein in die Ideenwelt des Künstlers, ist durch nichts abgelenkt. Es gibt keine Schautafeln, keine Audioguides, noch nicht mal der Künstlername oder Titel ist an den einzelnen Bildern und Skulpturen angebracht. Das reine Erleben der Kunst steht im Fokus.

John Chamberlains Skulptur „BURNTPIANO“ (um 2007) empfängt die Besucher vor der Nordhalle.

Auch wenn „DasMaximum“ dem breiten Publikum weniger bekannt ist, in der internationalen Kunstszene findet die Sammlung große Beachtung. „Wir haben Werke, auf die manche großen Museen neidisch sind“, sagt Maria Schindelegger stolz. Manchmal dürfen die Exponate als Leihgaben „DasMaximum“ verlassen. So wie „Frau Ultramarin“ von Georg Baselitz. Zum 80. Geburtstag des Künstlers 2018 reiste die Holzskulptur zu einer großen Retrospektive nach Basel in die „Fondation Beyerle” und von dort weiter in das „Hirshhorn Museum and Sculpture Garden“ nach Washington. Ein Kran musste die 750 Kilo schwere und fast drei Meter große Zedernholzskulptur aus der Halle heben, in einer speziell angefertigten Kiste trat „Frau Ultramarin“ ihre Reise von Traunreut über Basel in die USA an. Mittlerweile steht sie wieder wohlbehütet im Museum „DasMaximum“ – unter der Obhut von Maria Schindelegger und in bester Gesellschaft der anderen Kunstschätze von Traunreut.

Infos und Öffnungszeiten unter www.dasmaximum.com

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