Konsequenzen nach der Bluttat von Solln:

Staatsanwalt droht Wiesn-Schlägern

+
Oberstaatsanwalt Manfred Nötzel will auf der Wiesn härter gegen Gewalttäter vorgehen.

München - Die tödlichen Schläge am S-Bahnhof in Solln kurz vor dem Oktoberfest ruft nun die Staatsanwaltschaft München I auf den Plan.

Die Polizei ­appelliert an ­Augenzeugen von Schlägereien, ­sofort die Wachdienste der Zelte zu alarmieren oder die Notrufnummer 110 zu wählen.

Die Ermittler kündigen an, dass sie während des größten Volksfestes der Welt konsequent gegen Wiesn-Schläger vorgehen werden. „Diese Täter haben von uns keinerlei Toleranz zu erwarten, auch Alkohol ist keine Entschuldigung“, kündigt der Leitende Oberstaatsanwalt Manfred Nötzel an. „Wir werden im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrages dazu beitragen, die Bevölkerung und alle Wiesnbesucher vor brutalen Gewalttaten zu schützen.“

Das S-Bahn-Drama habe gezeigt, wie notwendig es ist, dass die Staatsanwaltschaft konsequent gegen Gewalttäter vorgehe. Die in der Ermittlung schwerster Gewaltdelikte erfahrenen Staatsanwälte, die sogenannte „Mordbereitschaft“, stünde während des Oktoberfestes rund um die Uhr der Polizei zur Verfügung. Nötzel: „Gewalttätern muss bewusst sein, dass Fußtritte gegen Kopf und Oberkörper, Masskrugschläge auf den Kopf, Würgen, Stiche mit abgebrochenen Krügen und Flaschen sowie anderen gefährlichen Gegenständen unter dem Gesichtspunkt versuchter Mord oder Totschlag geprüft werden.“ Dabei hätten die Täter mit langjährigen Hafstrafen zu rechnen.

Nötzel weist darauf hin, dass die Münchner Justiz Masskrugschläger schon mit 12 Jahren Haft bestraft hat, andere Urteile lauteten auf viereinhalb oder vier Jahre Haft. Zum Vergleich: Die U-Bahnschläger vom Arabellapark wurden zu 12 Jahren bzw. achteinhalb Jahre Gefängnis verurteilt.

Peter Reichl, Sprecher der Polizei München, begrüßt das Vorgehen der Staatsanwaltschaft: „Wir arbeiten auf der Wiesn schon immer sehr eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Es ist immer gut, wenn Sanktionen schnell umgesetzt werden.“ Er hofft, dass das harte Vorgehen der Staatsanwaltschaft auf potenzielle Wiesn-Schläger abschreckend wirkt: „Allein im letzten Jahr wurden 60 Menschen mit Masskrügen verletzt. Vielen ist gar nicht bewusst, dass das sogar als versuchter Mord gewertet werden kann.“

Auch Wirte-Sprecher Toni Roiderer findet die harte Linie gut: „Ich habe großen Respekt vor der Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft auf der Wiesn. Wir müssen gemeinsam ein Zeichen setzen, damit so etwas dort nicht passiert. Jedem Besucher muss klar sein: Die Wiesn ist ein Volksfest, keine Schlägerveranstaltung!“

Johannes Welte, Christina Schmelzer

Quelle: Oktoberfest live

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser