Mordprozess gegen Schweizer Schläger: Gericht tagt in Zürich

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Reinhold Baier, Vorsitzender der Jugendkammer am Landgericht München.

München - Im Mordprozess gegen drei jugendliche Schläger aus der Schweiz reisen die Beteiligten am 16. Juni nach Zürich, um dort zwei Zeugen zu befragen. Diese hatten sich geweigert, nach München zu kommen.

Der Anhörungstermin sei bestätigt und gegen die Anwesenheit der deutschen Prozessbeteiligten kein Einwand erhoben worden, teilte der Vorsitzende Richter Reinhold Baier vom Münchner Landgericht am Dienstag mit. Die drei zur Tatzeit 16-jährigen Schüler werden des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung bei einem Gewaltexzess in der Münchner Innenstadt vor knapp einem Jahr beschuldigt.

Die Zeugen - zwei Mitschüler der Angeklagten - waren nach dem Vorfall selbst vorübergehend festgenommen worden. Ihrer Vorladung vor die Jugendstrafkammer in München folgten sie aber nicht. Eine zunächst erwogene Vernehmung der beiden per Videokonferenzschaltung lehnten die Schweizer Behörden ab.

Nun wird eine Jugendanwältin in Zürich die Zeugen vernehmen. Die Verfahrensbeteiligten aus München - Richter, Staatsanwältin, Nebenklagevertreter und Verteidiger - werden an der Anhörung teilnehmen. Ein Fragenkatalog wurde vorgelegt, die Gäste aus München können darüber hinaus Ergänzungsfragen stellen. Die jugendlichen Zeugen werden vorsichtshalber belehrt, dass sie Fragen nicht beantworten müssen, wenn sie sich dadurch selbst belasten könnten.

Baier rechnet mit einer ganztägigen Vernehmung der Schüler. Über die Anhörung ihrer Klassenkameraden wird in München bei Fortsetzung des Prozesses in München am 23. Juni berichtet.

Die Angeklagten besuchten eine Berufsaufbauschule in Küsnacht. Während einer Klassenfahrt im Juni 2009 kam es nach dem Konsum von Alkohol und Drogen zu dem Exzess. Die Schüler sollen fünf Menschen grundlos angegriffen und zwei von ihnen lebensgefährlich verletzt haben.

Am schwersten betroffen war ein 47 Jahre alter Versicherungskaufmann aus Nordrhein-Westfalen, dessen Gesicht zertrümmert war und nur durch mehrere Operationen einigermaßen wiederhergestellt werden konnte. Dem Familienvater stehen weitere Eingriffe bevor. Gegen die Angeklagten wird seit 8. März verhandelt, ein Ende des Prozesses ist nicht abzusehen.

mm

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