Volle Konzentration bei drückender Hitze

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Mühldorf - Sie durchkämmen bei brütender Hitze vier Landkreise: Piloten aus Mühldorf suchen vom Himmel aus nach Brandherden. *Video und Fotos*

Weit über 30 Grad bis in die Abendstunden, kaum Wind und tagelang kein Regen - es sind die Wetterverhältnisse der letzten Tage, die die Waldbrandgefahr drastisch steigen lassen. Wie groß die Bedrohung tatsächlich ist, errechnet der Deutsche Wetterdienst tagesaktuell für jede Region in Deutschland. Steigt der Waldbrandgefahrenindex auf die vierte von fünf Stufen, kommen die Piloten der Luftrettungsstaffel Bayern zum Einsatz.

200 Flugstunden sind das Minimum

Einer von mehreren Stützpunkten in Oberbayern befindet sich am Mühldorfer Flugplatz, unweit vom Stadtteil Mößling. Am Dienstagnachmittag ist es wieder soweit. Es gilt die Gefährdungsstufe vier, über das Landratsamt Mühldorf hat die Regierung von Oberbayern den Stützpunkt beauftragt, zwischen 13 und 19 Uhr zwei sogenannte "Waldbrandbeobachtungsflüge" zu fliegen. An Bord sind Leo Möller als Pilot und Martin Wieser als Luftbeobachter. Möller ist wie alle 13 Einsatzpiloten des Stützpunkts sehr erfahren, 200 Flugstunden sowie Gebirgserfahrung sind das Minimum, um für die Regierung von Oberbayern derartige Flüge machen zu dürfen.

Dennoch sind sowohl die Piloten als auch die Luftbeobachter, also die, die aus der Luft nach Brandherden Ausschau halten, ehrenamtlich im Einsatz. Wieser zum Beispiel arbeitet eigentlich beim Landratsamt Mühldorf, Möller beim Finanzamt. Sie und ihre Kollegen investieren Urlaubstage und bauen Überstunden ab, um für die Waldbrandfrüherkennung abheben zu können. Daneben sind zwei der Piloten Rentner. Diese übernehmen vor allem Werktags viele Flüge.

Die Kosten für die in Auftrag gegebenen Flüge übernimmt die Regierung von Oberbayern, die Flugzeuge stellt der Fliegerclub Mühldorf e.V. zur Verfügung. Neben der Zeit in der Luft investiert vor allem Leo Möller, der den Mühldorfer Stützpunkt leitet, viele Stunden Büroarbeit für sein Ehrenamt. "Statistiken, Abrechnungen, Berichte nach jedem Einsatz", zählt Möller auf.

Volle Konzentration bei drückender Hitze

So malerisch der Sonnenschein sein mag, so drückend sind die Temperaturen in dem kleinen, nicht voll klimatisierten Flugzeug. Die Sonne knallt regelrecht durch das Glasverdeck. Da bringt auch die Lüftung, die nach Kräften bläst, nur ein wenig Erleichterung. "Da braucht man schon eine gute Kondition", sagt Martin Wieser. Gerade, wenn einmal der Ernstfall eintritt, man ein Feuer entdeckt und vielleicht sogar den Löscheinsatz anleiten muss, müsse man voll konzentriert sein.

Dies gilt für den Piloten ebenso wie für den Luftbeobachter. Denn der muss freilich nicht nur Brandherde entdecken, sondern auch Meldung machen, wo es genau brennt. Über Funk hält der Luftbeobachter Kontakt zur Integrierten Leitstelle in Traunstein, die im Ernstfall Polizei und Feuerwehr alarmiert. "Wenn wir eine Rauchsäule sehen, müssen wir runtergehen, die Stelle genau ansehen und den Schaden an die Integrierte Leitstelle melden", schildert Möller das Vorgehen.

Beobachtungsflug führt durch vier Landkreise

Am Dienstagnachmittag jedoch ist alles ruhig. Pilot und Luftbeobachter bleibt da auch mal ein bisschen Zeit, die Landschaft zu genießen. Ihre Route führt sie von Mößling aus durch die Landkreise Mühldorf, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land, vorbei an Feldern, Dörfern und Städten, Seen, Flüssen und Bergen - trotz der Hitze im Flugzeug ein zuweilen malerischer Anblick.

Nach über einer Stunde setzt die Maschine sanft in Mößling auf und Möller und Wieser betreten wieder festen Boden. Wieser, der als Flugbeobachter die gleichen Voraussetzungen mitbringen muss wie der Pilot - volle Flugtauglichkeit also - ist in Gedanken noch beim Einsatz und hofft, bald auf Wärmebildkameras zurückgreifen zu können. Damit könne man Hitzequellen nicht nur schneller erkennen, sondern sogar bestimmen, welcher Art die Quelle ist - ob es als wirklich brennt oder nur jemand grillt.

Traumhafter Blick über vier Landkreise

Wie oft Möller, Wieser und ihre Kollegen in den nächsten Wochen und Monaten noch zum Einsatz kommen, kann niemand vorhersagen. Während Hitzeperioden nähmen einen die Waldbrandbeobachtungsflüge voll in Anspruch, erzählt Möller. "Für private Flüge bleibt da keine Zeit mehr", so Wieser.

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © bla

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