Nach dem Bombenalarm in Mühldorf

Weitere Bombenfunde nicht ausgeschlossen

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Diese 50 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg löste am Mittwoch einen Großeinsatz aus. War sie nicht der letzte Bombenfund am Mühldorfer Bahnhof?

Mühldorf - "Das Risiko besteht": Zweimal war der Mühldorfer Bahnhof während des Zweiten Weltkriegs Ziel von Bombenangriffen. Weitere Funde sind deshalb nicht auszuschließen.

Zweimal war der Bahnhof während des Zweiten Weltkriegs Ziel von Bombenangriffen, die Südostbayernbahn geht davon aus, dass weitere Blindgänger im Boden liegen. "Das Risiko besteht", sagt Christian Kubasch, der bei der SOB für die laufenden Bauarbeiten im Mühldorfer Bahnhof zuständig ist. "Es könnte wieder passieren".

Sprengmeister: "Es ist ein interessanter Beruf"

Der Ticker zum Bombenfund zum Nachlesen

Weil die SOB aus Luftkarten der amerikanischen Streitkräfte um die Gefahr im Bahnhofsbereich weiß, sind bei Tiefbauarbeiten stets Experten vor Ort, die nach Bomben suchen. Einer dieser Fachleute, Stefan Keemann, hat am Mittwochnachmittag Alarm geschlagen, als sein Sondierungsgerät kurz nach 15 Uhr piepste. Danach lief das Programm zur Bombenentschärfung an, das sich laut SOB-Leiter Kubasch kaum auf den Bahnverkehr ausgewirkt hat. Bis in die Abendstunden konnten alle Züge fahren, lediglich im Bereich der Bombe fuhren die Züge langsamer um Erschütterungen zu vermeiden. Erst zur Entschärfung wurde der Verkehr eingestellt.

Gegen 23 Uhr war Sprengmeister Michael Weiß am Zug. "Jede Bombe hat zwar ihren eigenen Charakter, aber in Mühldorf lief alles zügig und unkompliziert", sagte der Oberpfälzer heute rückblickend. Keine 25 Minuten benötigte er zusammen mit seiner Kollegin Bettina Jurga, um die 50-Kilo-Bombe zu entschärfen. "Für diese Art von Bombe ein ganz normaler Rahmen", erklärte Weiß, der am Vormittag für die Firma Tauber in Neustadt an der Donau bereits die nächste Bombe entschärfen musste. "Es ist nun einmal ein interessanter Beruf. Und die Arbeit geht nicht aus."

Zollner: "Die Organisation war eingespielt"

So erging es den evakuierten Mühldorfern

Auch in Mühldorf könnten seine Dienste in naher Zukunft wieder gefragt sein. Bis 2016 dauern die Bauarbeiten am Bahnhof im Zusammenhang mit dem zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke bis Tüßling, in dieser Zeit sind auch immer wieder Tiefbauarbeiten notwendig, um neue Gleise zu verlegen. Bürgermeisterin Marianne Zollner, die selbst bis Mitternacht mit den Anwohnern zusammen war, schließt weitere Evakuierungen ebenfalls nicht aus. Sie sei deshalb sehr zufrieden, wie schnell und reibungslos die Zusammenarbeit der Hilfskräfte funktioniert habe. "Es ging alles sehr zügig, man hat gesehen, dass die Organisationen eingespielt sind."

Ein positives Fazit der Evakuierung zog auch Kreisbrandrat Harald Lechertshuber, der den Einsatz der über 180 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und Rotem Kreuz leitete; dazu kamen mehr als 70 Polizisten, die überregional zusammengezogen worden waren. Trotz des großen Aufgebots von Hilfskräften habe es sich bei der Aktion allerdings nicht um einen Katastrophenfall gehandelt, teilte das Landratsamt mit.

Kritik an der Informationspolitik der Stadt

Die Anwohner hätten sehr gut mitgearbeitet, es habe nur wenig Widerstand gegen die Evakuierung gegeben, betonte Einsatzleiter Lechertshuber, auch Bürgermeisterin Zollner sprach von "relativ guter Stimmung" unter den Evakuierten. Laut Stadt Mühldorf waren 1500 Menschen betroffen, die ihre Häuser zwischen 20 und 24 Uhr verlassen mussten. Nachdem die Bombe gegen 23 Uhr entschärft war, durften die Anwohner die beiden Turnhallen an der Berufsschule und dem Gymnasium verlassen oder von Freunden und Bekannten in ihre eigenen Wohnungen zurückkehren.

Kritik gab es an der mangelnden Informationspolitik der Stadt, auf deren Internetseite es zu keiner Zeit Hinweise gegeben hat. "Das müssen wir künftig regeln", räumte Zollner ein. Der Landkreis gab auf seiner Internetseite dagegen über die Entwicklungen Auskunft und veröffentlichte eine Informationstelefonnummer.

Weitere ausführliche Berichte über alle Ereignisse rund um den Bombenfund am Mühldorfer Bahnhof lesen Sie in der Freitagsausgabe des Mühldorfer Anzeigers.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Bombenfund am Bahnhof - die Bilder des Tages:

Bombenfund in Mühldorf (1)

Bombenfund in Mühldorf (2)

Ein Videointerview mit der Polizei zur Lage am Mittwochabend:

Das sagen die evakuierten Mühldorfer:

Quelle: innsalzach24.de

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