Hunderte Schreiben an das Landratsamt

Schlachthof Ampfing: Das sagt das Landratsamt

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Ampfing - Bei einem Erörterungstermin ist das Landratsamt auf alle Einwände zur Erweiterung des Ampfinger Schlachthofs eingegangen. Kritiker waren nicht vor Ort.

Die geplante Aufstockung der Kapazität des Ampfinger Putenschlachthofs hat in den letzten Wochen hohe Wellen geschlagen. Grund dafür war in erster Linie eine Petition der Mühldorfer Tabea Matt. Die junge Frau ist eine Kritikerin von Massentierhaltung und hat, als sie von der geplanten Aufstockung im Ampfinger Schlachthof hörte, spontan eine Petition dagegen ins Leben gerufen. Schnell gingen die Unterstützer in die Zehntausende, und auch die Zahl der Einwände, die beim Landratsamt eingingen, befeuerte die Petition offenbar. Wie Hermann Renoth, Leiter der Landratsamtsabteilung Umwelt, Natur und Wasserrecht, bei einem Erörterungstermin im Landratsamt erläuterte, seien hunderte Einwände in unterschiedlichster Form, etwa per E-Mail oder Fax eingegangen. Jedoch konnte das Landratsamt nur 22 Schreiben berücksichtigen.

Lediglich 22 Schreiben wurden sowohl form- als auch fristgerecht eingereicht. Einwände per E-Mail oder Fax, ohne Unterschrift und teilweise sogar anonym, konnten nicht berücksichtigt werden. Einige Kritiker verliehen in ihrem Schreiben ethischen Bedenken Ausdruck oder wandten sich direkt an Landrat Georg Huber oder den Ampfinger Bürgermeister Ottmar Wimmer. Auch derartige Einwände konnten keine Berücksichtigung finden.

Landrat und  Bürgermeister haben keinen Spielraum

Der Betreiber des Schlachthofs benötigt schließlich nur eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung. Das Landratsamt muss also beispielsweise prüfen, ob der Schlachthof nach der Aufstockung zu viel Lärm, Luftschadstoffe oder Schmutz produziert. Moralische Aspekte oder politische Fragen, ob etwa große Betriebe der regionalen Landwirtschaft schaden könnten, stehen nicht zur Debatte. "Wir werden hier keine politischen Grundsatzfragen diskutieren", stellte Renoth bei dem Erörterungstermin am Dienstag klar. Ganz im Gegenteil: Das Landratsamt führt ein Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz durch. Ist in dieser Hinsicht nichts zu beanstanden, muss die Behörde sogar die Genehmigung erteilen. "Weder der Landrat noch der Bürgermeister haben hier einen Entscheidungsspielraum", so Renoth.

Der Erörterungstermin im Landratsamt war nicht obligatorisch, aufgrund der 22 form- und fristgerechten Einwände hat die Behörde sich aber dazu entschlossen, den Termin abzuhalten. Jeder, der einen Einwand vorgebracht hatte, hätte sich bei dem Termin dazu äußern können. Moralische oder politische Debatten wären logischerweise nicht möglich gewesen. Ihre immissionsschutzrechtlichen Bedenken hätten die Kritiker der Aufstockung aber vorbringen können. Hätten - denn abgesehen von einem einzigen Zuhörer war nicht ein Bürger im Landratsamt erschienen. Dabei wäre, wie Renoth erläuterte, sogar eine Diskussion möglich gewesen. Vertreter der Antragsteller - Georg Kirchmeier, bei der Süddeutschen Truthahn AG Leiter des Qualitäts- und Sicherheitsmanagements, sowie ein Vertreter der Presseabteilung - waren erschienen.

Keine Beschwerden seit der Inbetriebnahme

Punkt für Punkt arbeiteten die Mitarbeiter des Landratsamts die 22 Einwände ab, wobei ergänzend immer wieder Georg Kirchmeier von der Süddeutschen Truthahn AG Erläuterungen beisteuerte. Zur erhöhten Lärm- und Verkehrsbelastung durch ein mit der Aufstockung verbundenes höheres Lkw-Aufkommen etwa erklärte Renoth, dass bis zu 22 Lastwagen in 24 Stunden "von eher untergeordneter Bedeutung" seien. Bezüglich der Lärmbelastung durch den Schlachthof selbst gebe es Auflagen, zudem erklärte Renoth: "Wir haben seit der Inbetriebnahme 2002 keine einzige Beschwerde über Lärm- oder Geruchsbelästigung erhalten." Auch eine erhöhte Nitratbelastung des Grundwassers ist nach Einschätzung des Landratsamts nicht zu befürchten. Dies sei eher ein Problem von Tierhaltungsbetrieben.

Die Einwände enthielten zum Teil aber auch heftige Vorwürfe zum Thema Tierschutz. So würden die Tiere angeblich bei vollem Bewusstsein in ein Brühbad getaucht. Georg Kirchmeier erklärte dazu, die Tiere würden in einem Zweiphasensystem mit CO2 betäubt. Nach Ankunft im Schlachthof wird den Puten zuerst Zeit gegeben, sich zu beruhigen. Anschließend würden sie in Schlaf versetzt und erst dann betäubt. "Der Vorteil bei dem Zweiphasensystem ist, dass die Tiere die CO2-Erhöhung nicht bewusst wahrnehmen", so Kirchmeier. Zudem werde von den - extra dafür geschulten - Mitarbeitern kontrolliert, ob die Tiere tatsächlich betäubt sind. Wie Dr. Robert Kirmair vom Veterinäramt ergänzte, überprüfe ein Tierarzt vor Ort das Abladen und Betäuben der Tiere. Getötet werden die Tiere dann mit einem Schnitt durch die Kehle.

Bis zu 100 zusätzliche Arbeitsplätze

Gegenwärtig können im Ampfinger Schlachthof bis zu 19.000 Tiere täglich geschlachtet werden. Durch eine Verlängerung der Betriebszeiten will die Süddeutsche Truthahn AG die Kapazität von 304 auf 480 Tonnen täglich erhöhen. Damit könnten bis zu 30.000 Puten geschlachtet werden. Grund für die Aufstockung ist nach Angabe des Unternehmens die gestiegene Nachfrage nach regionaler Ware seitens Kunden aus dem süddeutschen Raum. Die Süddeutsche Truthahn AG betreibt den Schlachthof, Grundstück und Gebäude gehören der VTE-Beteiligungs GmbH und Co. KG. Wenn der Schlachthof die Kapazität voll ausschöpft, entstehen nach Unternehmensangaben am Standort in Ampfing bis zu 100 neue Arbeitsplätze. Allerdings soll die Kapazität - im Falle einer Genehmigung durch das Landratsamt - in den kommenden Monaten nur langsam erhöht werden.

Gegenwärtig sind in Ampfing mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. Seit gut zwölf Jahren läuft der Betrieb, vor dem Start im Jahr 2002 gab es einen Bürgerentscheid über die Ansiedlung eines Schlachthofs in Ampfing. Ungeachtet des Umstands, dass die Bevölkerung bei der aktuellen Entscheidung über die Erhöhung der Kapazität nicht mitreden kann, hatten die Bürger also bereits vor Jahren die Wahl - und haben sich für den Schlachthof entschieden.

Tatsächlich scheint trotz der Online-Petition das Interesse der Bevölkerung nur gering zu sein. Von 10. November bis 9. Dezember lagen die Unterlagen zum Antrag des Unternehmens zur Einsicht aus. Wie Renoth erklärte, habe keine einzige Person Einsicht in die Unterlagen genommen.

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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