Mühldorfer "Flaschenläufer" im Interview

Mühldorf - Am Mittwoch stand der aus "Wetten, dass...?" bekannte Mühldorfer Michael Ortmeier für den Circus Roncalli in der Manege. Der Mühldorfer-Anzeiger hat ihn jetzt interviewt.

Im Interview mit dem Anzeiger spricht der aus "Wetten, dass..?" bekannte "Flaschenläufer" über seinen Auftritt, das Zirkusleben und sechs gemütliche Quadratmeter im Wohnwagen.

Wie lief der erste Auftritt?

Ganz gut, auch wenn ich ein paar Mal von den Flaschen absteigen musste. Aber das hat das Publikum nicht im Geringsten gestört. Ganz im Gegenteil: Die Leute haben mich danach noch lauter angefeuert. Vielleicht weil sie gesehen haben, wie schwierig die Nummer ist.

Wie viele Besucher waren denn da?

Das Roncalli-Zelt war gerammelt voll mit 1500 Besuchern.

Waren Sie nervös?

Eigentlich nicht. Ich war sogar deutlich ruhiger als bei "Wetten, dass..?", weil der enorme Zeitdruck wegfällt. Außerdem habe ich die letzten zwei Wochen ordentlich trainiert. Nur der Boden macht mir ein bisschen Sorgen.

Inwiefern?

Auf das Sägemehl in der Manege wird ein Holzboden gelegt, der aber nicht an allen Stellen ganz eben ist. Da kann es schon sein, dass die eine oder andere Flasche ein wenig wacklig steht.

Wie genau spielt sich denn die Flaschenlauf-Nummer ab?

Die 75 Flaschen werden im Kreis aufgebaut, in der Mitte befindet sich eine Konstruktion aus zwei Uhrzeigern, die von einem Clown bedient wird. Dazu spielt das Orchester eine Musik, die sich immer mehr steigert. Und dann hat sich Roncalli-Direktor Bernhard Paul noch etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Immer, wenn ich eine Flasche weiter bin, leuchtet diese auf. Das sieht dann richtig toll aus. Ohne dass es zu arrogant klingen soll: Ich finde, ich habe das schönste Bühnenbild des ganzen Abends bekommen.

Und das Kostüm?

Ist wirklich toll geworden. Da haben sich die Mitarbeiter in der hauseigenen Schneiderei an dem Kostüm des Franzosen Louis Auriol orientiert, der ja Anfang des 19. Jahrhunderts mit seinem berühmten Flaschentanz durch Europa gezogen ist. Ein alter Kupferstich zeigt ihn in einer Art Harlekin-Kostüm. Und so ähnlich sieht mein Outfit auch aus: naturweiß, mit einer Pluderhose, dazu blaue Zacken und kleine Glöckchen. Einen Hut soll es auch noch geben, der war noch nicht fertig.

Wie fühlt sich das Zirkusleben denn an?

Es ist deutlich weniger romantisch als ich mir das vorgestellt habe. Gerade bei so einem großen Zirkus wie dem Roncalli kann man nicht mehr von einer familiären Atmosphäre sprechen, mit einem gemeinsamen Mittagessen oder so. Dazu kommen die Sprachbarrieren: Viele Artisten sprechen nur russisch oder spanisch, manche können kaum einen Brocken englisch. Und als Neuling ist man naturgemäß ein wenig außen vor.

Heimweh?

Ich muss zugeben, dass die Umstellung am Anfang schon enorm war: von meinem Zimmer zu Hause in Altmühldorf auf das Sechs-Quadratmeter-Abteil, das ich hier in einem Zirkuswagen bewohne. Aber inzwischen habe ich mich ganz gemütlich eingerichtet und mich auch mit meinem Zimmernachbarn angefreundet: er ist Breakdancer, kommt aus Salzburg und ist ebenfalls neu dabei. Aber meine Freundin fehlt mir schon sehr, zumal wir uns in den nächsten Monaten sicher wenig sehen werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Bis 20. April sind wir in Köln, dann ziehen wir um nach Braunschweig. Sogar ein paar Vorstellungen in Luxemburg stehen später auf dem Plan. Das geht dann in meinem Lebenslauf als Auslandserfahrung durch.

ha/Mühldorfer-Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © ha

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