Der Münchner Polizeieinsatz zum 184. Oktoberfest

Wiesn-Fazit: Mehr Sexualdelikte, weniger Taschendiebstähle

München - Nach erstmals 18 „Festtagen“ auf der Münchner Theresienwiese geht am Dienstag das 184. Oktoberfest und die Oide Wiesn zu Ende. Eine aufgrund ihrer Länge sicherlich ungewöhnliche Wiesn, was einen Vergleich der polizeilichen Eckdaten aus den Vorjahren nicht in allen Bereichen ermöglicht.

Sicherheitskonzept

Die Polizei konnte im Verbund mit allen verantwortlichen Behörden die Herausforderung „sicheres Oktoberfest 2017“ mit gewohnt hoher Motivation und großem Einsatzwillen verwirklichen. Die Weiterentwicklung des Sicherheitskonzepts und die damit verzahnten polizeilichen Planungen und Maßnahmen haben erneut zu einer guten Sicherheitsbilanz auf dieser, in Form und Umfang sicherlich einzigartigen, öffentlichen Veranstaltung geführt. Die nachfolgenden Zahlenangaben sind stets in der besonderen Konstellation zur verlängerten Veranstaltungsdauer in Verhältnis zu setzen.

- eine leicht gestiegene Gesamtstraftatenentwicklung

- leichter Rückgang von Taschendiebstählen

- der erfreuliche Rückgang von Körperverletzungen, jedoch ein leichter Anstieg der Masskrugschlägereien

- vermehrte Anzeigen von Sittlichkeitsdelikten

- mehr Delikte nach dem Betäubungsmittelgesetz

- eine zunehmende Belastung für die Einsatzkräfte der Polizei durch mehr Einsätze

Die hier veröffentlichten Zahlen sind vorläufig und umfassen den statistischen Datenbestand aller registrierten Vorfälle bis zum 03.10.2017; 5.00 Uhr

Gesamtzahlen

Es kam in diesem Jahr im Bereich der Polizeiinspektion 17 (Wiesnwache) zu 1896 polizeilichen Einsätzen (2016: 1806). Dies entspricht einer Steigerung von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr (16-tägige Wiesn). Der Tag mit der stärksten Einsatzbelastung war der mittlere Wiesn-Samstag mit insgesamt 216 polizeilichen Einsatzlagen, gefolgt vom letzten Wiesn-Samstag mit 214 Einsätzen Trotz längerer Wiesn stieg die Gesamtzahl der Straftaten um nur 4,6% auf 1.161 Delikte, gegenüber 1110 Straftaten im Vorjahr. Mit diesen Straftaten gingen 581 (2016: 447) Festnahmen einher.

Taschendiebstahl

Im Gesamtbereich der Taschendiebstähle war ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Insgesamt wurden 226 (2016: 241) Taten erfasst. Die Delikte orientierten sich, in erster Linie als Folge des geltenden Taschen- und Rucksackverbotes, weg vom Diebstahl aus Taschen, hin zu Diebstahl von und aus Jacken. Zivil agierende Fahnder in Verbindung mit einer verstärkten und zielgerichteten Videoüberwachung konnten hierbei 39 Täterfestnahmen durchführen. Als erfolgreich und gewinnbringend bestätigte sich erneut auch die intensive Zusammenarbeit und Präsenz von Fahndern aus dem Bereich der Taschendiebstahlbekämpfung anderer Metropolen aus dem In- und europäischen Ausland.

Körperverletzung

Im Bereich der Körperverletzungen kam es zu einem Rückgang der angezeigten Taten von etwa 10 % auf nunmehr 314 Fälle (2016: 348). Dem entgegengesetzt stiegen die Delikte der gefährlichen Körperverletzungen, insbesondere bei den sogenannten Masskrugschlägereien auf 49 Fälle (2016: 43).

Sexualdelikte

Insgesamt wurden 67 (2016: 34) Sexualdelikte mit Bezug zum Oktoberfest registriert. Dies stellt rechnerisch eine deutliche Mehrung gegenüber den Vorjahren dar. Die Änderung im Sexualstrafrecht umfasst nun alle Delikte mit sexuellem Hintergrund (insbesondere Beleidigung auf sexueller Grundlage „Grapscher“, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung). Damit werden nun auch Vergehen erfasst, welche bislang statistisch nicht mit sexuellem Bezug erschienen.

Die Gesetztesanpassung führte zur Sensibilisierung der Bevölkerung, aber auch der Angestellten in den Zelten, und unterstützte die Bereitschaft zur Anzeigenerstattung. Streifengänge durch zivile und uniformierte Einsatzkräfte und vor allem die gezielte Videoüberwachung konnten dazu beitragen, bereits sich abzeichnende Straftaten in diesem Deliktfeld rechtzeitig zu erkennen. Konsequentes und schnelles Einschreiten der Einsatzkräfte verhinderte schlimmere Taten. Das spiegelt sich in der hohen Zahl von 46 Täterfestnahmen wieder.

Drogendelikte

Bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz liegt die Gesamtzahl bei 297 Strafanzeigen und 293 Festnahmen (2016: 241/234). Die deutlich höhere Deliktszahl begründet sich auch hier mit der höheren Kontrolldichte durch die Einsatzkräfte und der weiter verbesserten Videoüberwachung. Konsumenten konnten dabei nahezu live durch Videobeobachter beim Konsum beobachtet werden.

Gewalt gegen Polizeibeamte

Nach wie vor auf hohem Niveau liegen Aggressions- und Gewalthandlungen gegen Polizeibeamte. Aktuell wurden 23 Taten wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gezählt (2016: 22). Bei den erfassten Sachverhalten wurden insgesamt neun Polizeibeamte verletzt. Die immer wieder festzustellende Rücksichtslosigkeit, Aggressivität und Gewalt einzelner Wiesnbesucher gegen Polizeibeamte ist ein Phänomen, das im deutlichen Widerspruch zur sonstigen Stimmungslage auf dem Oktoberfest steht.

Gewahrsam

Die Philosophie der Münchner Polizei auf der Wiesn zielt auf ein ruhiges und besonnenes Herangehen an Einsatzsituationen. Frühzeitigem Erkennen von aggressionsbereiten Besuchern folgt ein Ansprechen, Beruhigen und gegebenenfalls ein präventiver Platzverweis. Die rechtzeitige und aktive Intervention unterbindet zuverlässig den ungehinderten Verlauf zu erwartender Straftaten. Weiterhin auffällige und aggressive Personen werden jedoch konsequent in Gewahrsam genommen.

Bei identifizierten Wiederholungstätern strebt die Münchner Polizei zusammen mit dem Kreisverwaltungsreferat die sofortige Verfügung dauerhafter Betretungsverbote des Festwiesengeländes für diese Personen an. In der Gesamtbetrachtung wurden diesjährig 304 (2016: 322) aggressive Personen in Gewahrsam genommen, noch bevor sie Sicherheitsstörungen, oder Straftaten begehen konnten. Dies entspricht einem Rückgang um -5,6%.

In besonderen Härtefällen kann es auch zu einem mehrtägigen Gewahrsam bis hin zum Ende der Wiesn kommen. Wie im Fall eines 28-jährigen Wiederholungstäters, der trotz Platzverweisen und vorübergehenden Gewahrsamnahmen weiterhin im Bereich der Sittlichkeitsdelikte auffällig war. Das Amtsgericht München ordnete auf Antrag der Polizei den erweiterten Sicherheitsgewahrsam bis 04.10.2017 an.

Videoüberwachung

Die Videoüberwachungsanlage, bei der 37 Kameras über das Festwiesengelände verteilt im Einsatz sind, leistete in diesem Jahr bei 81 Sachverhalten wieder wertvolle Unterstützungsarbeit. Allein in 65 Fällen kam es dabei zu Einsatzlagen, welche überhaupt erst aufgrund der Videobeobachtung durch Polizeibeamte bekannt wurden. Insbesondere konnten Sexualstraftaten verhindert und Taschendiebe verfolgt werden.

Oide Wiesn

Auf der „Oidn Wiesn“ ging es aus polizeilicher Sicht erheblich ruhiger zu. Insgesamt 18 Straftaten (2016: 12) wurden bislang bei der Polizei bekannt (9 x randalierende Personen, davon 2 x Körperverletzung).

Verkehrsbilanz

Es waren keine nennenswerten und außergewöhnlichen Verkehrsbehinderungen während der vergangenen 17 Wiesntage zu verzeichnen. Bei den Verkehrsunfällen im Gesamtbereich des Polizeipräsidiums München gab es eine Steigerung von 4,8 % (2016: 2589) auf aktuell 2714 Fälle. In Rund 38 Unfällen (2016: 41) standen Fahrzeugführer dabei unter Alkoholeinfluss.

In nur einem Fall (2016: 4) wurden berauschende Mittel festgestellt. Im direkten Wiesn-Umfeld kam es zu 265 (2016: 269) Verkehrsunfällen. Durchaus positiv ist hier der Rückgang der Unfallverletzten von 58 (2016) auf 42 Personen. Tödliche Verkehrsunfälle ereigneten sich in diesem Bereich nicht.

Folgenlose Trunkenheitsfahrten

Bislang wurden bei 353 Verkehrsteilnehmern Fahrten unter Alkoholeinfluss festgestellt (2016: 320). 134 Fahrten wurden unter Drogeneinfluss begangen (2016: 133). Hierbei musste die Münchner Polizei 231 (2016: 200) Führerscheine sicherstellen. In 54 (2016: 55) Fällen konnten durch Kontrollen Trunkenheitsfahrten noch vor Fahrtantritt verhindert werden.

Ein deutlicher und erfreulicher Rückgang ist bei den Abschleppungen zu verzeichnen. So stehen 818 Einsätze aus dem Vorjahr 556 Abschleppungen im Verlauf der diesjährigen Wiesn gegenüber. In drei Fällen musste gegen Rikscha-Fahrer vorgegangen werden. In zwei Fällen war der Motor manipuliert. In einem Fall konnte der Fahrer die erforderliche Genehmigung der Stadt München nicht vorweisen.

Die Busparkplätze Hansastraße, Tübinger Straße und Zenettistraße waren, insbesondere an den Wochenenden, gut ausgelastet. Der Parkplatz am Messegelände Riem wurde weniger genutzt. Am Messegelände in Riem standen noch ausreichend Stellplätze für Wohnmobile zur Verfügung. Der Spitzenwert von 1296 (2016: 985) Fahrzeugen wurde am letzten Wiesn-Wochenende erreicht. Die Behindertenparkplätze auf dem südlichen Teil der Theresienwiese waren zu jeder Zeit noch aufnahmefähig.

Parallel-Veranstaltungen

Parallel zum mittleren Wiesn-Wochenende fand am Sonntag, 24.09.2017, die Bundestagswahl statt. Das Wahlgeschehen hatte keinerlei polizeiliche Auswirkung auf das Oktoberfest.

Besucher

Erneut kann die Polizei das vorbildliche Verhalten vieler Besucher an den Einlässen betonen. Personen die bereits vor 9.00 Uhr auf den Einlass zum Festgelände warteten, bildeten keine drängenden Menschentrauben, sondern geordnete Schlangen entlang des Sperrzauns.

Pressemitteilung Polizeipräsidium München

Rubriklistenbild: © picture alliance / Tobias Hase/d

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